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Ende September will er zurück

Flüchtling will in Senegal Firma gründen: Demba kehrt aus Prien mit Ausbildung zurück nach Afrika

Karl Protz junior, Demba Tounkara und Karl Protz senior (von links).
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Karl Protz junior, Demba Tounkara und Karl Protz senior (von links).
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Demba Tounkara hat in Prien viel Unterstützung erfahren. Wenn er demnächst in den Flieger steigt und in den Senegal zurückkehrt, kommt er nicht mit leeren Händen nach Hause, sondern mit einer Ausbildung und Werkzeug im Gepäck. Er will in seiner Heimat eine eigene Firma gründen.

Prien – Die Zeit in Deutschland wird immer kürzer. Der 37-jährige Flüchtling Demba Tounkara steigt Ende September in den Flieger und kehrt als ausgebildeter Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik in den Senegal zurück. Dort will er sich einen Betrieb aufbauen. Bohrmaschine, Werkzeugkoffer und Arbeitskleidung spendiert ihm sein Ausbildungsbetrieb Elektro Langl. Und auch der Verein „Vision Yamale“ aus Prien hilft kräftig mit, damit sich der Mann in seiner afrikanischen Heimat eine Existenz aufbauen kann.

Seniorchef unternimmt die Behördengänge

„Demba ist ein cooler Typ“, sagt Karl Protz junior, Inhaber von Elektro Langl im Gespräch mit den OVB Heimatzeitungen. Er habe ihn vom ersten Augenblick an gemocht, schildert der Priener Elektro-Unternehmer. Unterstützung sei vor allem auch von Seniorchef Karl Protz gekommen, der zum Beispiel viele Behördengänge unternommen habe.

Der Afrikaner war nach eigener Auskunft 2008 aus seiner damaligen Heimat Mali vor Krieg und den Terrorstreitkräften Islamischer Staat (IS) geflohen. Er sei über Libyen und Italien im Jahr 2015 nach Deutschland und dort in die Flüchtlingsunterkunft nach Prien gekommen.

Er besuchte Kurse beim Beruflichen Fortbildungszentrum der Bayerischen Wirtschaft (bfz) in Rosenheim und bewarb sich im Jahr 2016 um ein Praktikum bei Elektro Langl. Ein Lehrvertrag folgte und jetzt die erfolgreich bestandene Gesellenprüfung. „Ich hätte ihn gerne behalten, er kommt und lacht“, so Protz.

Wichtige Fachbegriffe in einem Heft auf deutsch übersetzt

Er lobt den Fleiß und den Arbeitswillen des Mannes. „Ich weiß noch, wie er am ersten Tag in die Firma kam. Er hatte ein Heft dabei, in dem er sich wichtige Begriffe wie zum Beispiel Spannung von französisch auf deutsch übersetzt hatte“, erinnert sich Protz.

Die Sprachbarriere habe dem französisch sprechenden Afrikaner die Zeit in der Berufsschule vor allem am Anfang schwer gemacht. Aber alle haben zusammen geholfen und Lehrzeitverlängerung ermöglicht.

Tounkara schildert bei diesem persönlichen Treffen, wie er anfangs kein Wort verstanden habe und sich das im Laufe der Zeit gebessert habe. Fachlich habe er die Arbeitsweise des Betriebes, die Technik und die Maschinen kennenlernen müssen. „In Afrika habe ich nur mit Hammer und Meißel gearbeitet“, so Tounkara.

Tounkara: „Ich liebe diese Arbeit“

Er erzählt stolz, wie er „immer weiter und immer schneller“ vorankommen wollte, wie er schließlich soviel gelernt hatte, dass er auf der Baustelle selbstständig arbeiten konnte. „Man muss die Sicherheitsregeln kennen, man muss mit Kopf und Muskeln arbeiten“, schildert der Afrikaner und fügt hinzu: „Ich liebe diese Arbeit.“

Vorsitzende Helke Fussell vom Priener Verein „Vision Yamalé für Rückkehr und Aufbauprojekt in Afrika“ sagt: „Bei Demba ist das Tolle, dass er eine Ausbildung machen und unsere Strukturen verinnerlichen konnte.“. Sie schätze Dembas Zielstrebigkeit: „Seine Mission ist, die Elektrik in seiner Heimat sicherer zu machen. Er hat immer gesagt: Ich kann nicht hier (in Deutschland, Anm. d. Red.) als Elektriker arbeiten, wenn in meinem Heimatland Kinder an Stromschlägen sterben“, schildert die Prienerin. Den Sicherheitsstandard dort beschreibt sie als „sehr schlecht“.

Fussell schildert, dass Tounkara „total beseelt“ von seinem Vorhaben sei, sich in Dakar eine eigene Firma aufzubauen. Von seinem Lehrlingsgehalt habe er regelmäßig Geld nach Hause überwiesen, von dem der Cousin ihm ein Haus bauen konnte. „Die Elektrik macht Demba dann noch selbst“, so Fussell schmunzelnd. Das Haus, in dem er wohnen und arbeiten will, solle als Musterhaus in dem Neubaugebiet etwa 30 Kilometer vom Ortszentrum dienen.

Ausbildung in Deutschland für Sohn Ameb

„Ich habe viel gelernt in Deutschland“, sagt Tounkara rückblickend: „Ich kehre zurück mit etwas im Kopf und in der Hand.“ Die Ausbildung bei Elektro Langl sei eine große Ehre für ihn gewesen. Seinen Sohn Ameb will er auch zur Ausbildung nach Deutschland schicken. „Das haben wir schon ausgemacht“ bekräftigt Protz lächelnd.

Hilfe und Unterstützung für eine neue Existenz vom Priener Verein Yamalé:

Yamalé kommt aus der afrikanischen Sprache und bedeutet „Balance“ und „auf Augenhöhe miteinander in Beziehung sein“. Der gleichnamige Priener Verein unterstützt laut seiner Internetseite Migranten aus Afrika, die in ihre Heimat zurückkehren. Gemeinsam würden Berufs- und Projektideen entwickelt, der Verein gebe eine Anschubfinanzierung und begleite die Projekte im Heimatland weiter. Vorsitzende Helke Fussell erklärt gegenüber den OVB Heimatzeitungen, dass Demba Tounkara Gründungsmitglied des Vereins sei. Seit 2017 sei er der dritte Afrikaner, der von Vision Yamalé begleitet werde, sich in seiner Heimat eine Existenz aufzubauen (wir berichteten). Vision Yamale unterstütze weiterhin mit einem Fundraising, bei dem Spenden gesammelt werden. „Wenn die Leute zurückgehen, müssen sie sich sicher fühlen“, so Fussell. Sie erzählt von ihren Besuchen in Afrika, von Menschen in Armut, denen Chancen, Mut und Geld fehlten.

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