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Interview mit dem ehemaligen Rektor

Peter Hattenkofer zum Zusammenschluss der Priener Realschulen: Genugtuung, Zweifel, etwas Wehmut

Rückblick mit einem weinenden und einem lachenden Auge: Dr. Peter Hattenkofer, ehemaliger Rektor der Kommunalen Realschule Prien, spricht im Interview zur Fusion der Priener Realschulen.

Prien – Ihr 45-Jähriges wird sie heuer noch feiern können, das 50-Jährige dann wohl nicht mehr: Die Kommunale Realschule Prien wird in drei Jahren endgültig in die Staatliche Chiemsee-Realschule integriert (wir berichteten). Die Nachricht aus dem Rosenheimer Kreistag kam nicht unerwartet – der Fusionsprozess war bereits 2014 mit der Grundsteinlegung für die Chiemsee-Realschule beschlossene Sache. Dr. Peter Hattenkofer hat als Rektor über zwei Jahrzehnte die Geschicke der Kommunalen Realschule geleitet. Im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung blickt er zurück – mit einem weinenden und einem lachenden Auge…

Welche Gefühle haben Sie jetzt bei dieser Fusions-Nachricht beschlichen?

Dr. Peter Hattenkofer: Genugtuung, Zweifel, aber auch ein bisschen Wehmut: Genugtuung darüber, dass die Priener nun nach 45 Jahren ihre staatliche Realschule bekommen, die sie immer schon wollten, die ihnen aber verweigert worden war. Zweifel darüber, ob die neue staatliche Schule bereit und in der Lage ist, sich ebenso wie die bisherige Schule in den Schulstandort zu integrieren. Und Wehmut natürlich, weil man diese Schule über Jahrzehnte erst aktiv und dann als Beobachter begleitet hat.

Ende der 1990er Jahre war an eine zweite Realschule nicht zu denken. Aber in einer Aufgabenstellung haben sie Schüler animiert, sich mit der umstrittenen Gründung der kommunalen Realschule im Jahr 1976 zu beschäftigen. Was lief damals im Vorfeld schräg? Es gab gehörigen Gegenwind…

Hattenkofer: Die Fakten sind hinreichend bekannt: Für die Priener gab es in der bestehenden Rosenheimer Realschule kaum noch Platz, Gesuche der Lokalpolitiker zur Errichtung einer Realschule in Prien wurden abgelehnt. Inzwischen weiß man, dass der Staat eigene Ziele verfolgte: Eine neue Realschule in Marquartstein, um dem schwächelnden staatlichen Landschulheim weitere potenzielle Bewohner zu verschaffen.

Aber damit hatte niemand gerechnet: Dass die Bürger der Marktgemeinde sich dann in einer großartigen Initiative zusammenfanden, einen Förderverein für eine kommunale Schule gründeten, dass der damals zuständige Regierungsrat Dr. Max Gimple im Landratsamt zusammen mit Bürgermeister Seebauer und dessen Stellvertreter Kollmannsberger die politischen Weichen stellte und dass schließlich mit Werner Schneider, Realschullehrer, Bezirks- und Kreisrat der Gründungsschulleiter gefunden wurde. Unter seiner Leitung entwickelte sich aus kleinen Anfängen in sechs Jahren eine vierstufige Realschule mit jeweils drei Parallelklassen. Seit 1980 wurden erfolgreich die Abschlussprüfungen durchgeführt.

Welchen Eindruck hatten Sie von der Schule, als Sie 1982 die Schulleitung übernommen haben?

Hattenkofer: Was fand ich vor? Ein junges, motiviertes Kollegium, das sich gerne auf den Schulalltag aber auch auf Projekte außerhalb des regulären Unterrichts einließ. Es ließ kaum einer beim Schlussgong den Bleistift fallen. Insgesamt war unser pädagogisches Leitbild nie nur auf die reinen Notendurchschnitte reduziert, sondern gemäß Bildungsziele der Bayerischen Verfassung den ganzen Menschen zu bilden und zu fördern. Und nicht auszusortieren, um dann eventuell mit den Notenschnitten des Rests zu glänzen.

Nur ein Jahr später hielt mit dem Wahlfach Informatik die Digitalisierung Einzug in den Lehrplan…

Hattenkofer: Die ersten Absolventen mit Computerkenntnissen wurden uns von der heimischen Wirtschaft, insbesondere den Banken, gerade zu aus den Händen gerissen. Das war von Anfang an ein Wettbewerbsvorteil gegenüber den Absolventen anderer Schulen, die erst später dieses Angebot einführten. Wir hatten auch das Glück, dass uns sowohl unser Förderverein als dann auch der Aufwandsträger beim Kauf der Computer von Anfang an äußerst großzügig unterstützten.

Welchen Stellenwert nahm zu dem Zeitpunkt die Realschule Prien in der regionalen Schullandschaft ein?

Hattenkofer: Sie war bestens integriert und anerkannt. Ihren bisher über 4000 Absolventen gelangen zumeist erfolgreiche berufliche und schulische Karrieren. Und viele der jetzigen Schüler haben Eltern, die die damals schon bei uns in die Schule gingen. Der Kontakt zu den Nachbarschulen war ausgesprochen gut und kollegial und wurde allseits gepflegt.

1987 haben Sie den Schüleraustausch mit den Priener Partner-Kommunen etabliert. Wie erinnern Sie sich daran?

Hattenkofer:Der Schüleraustausch mit der französischen Partnerstadt Graulhet existierte schon seit einigen Jahren, nun kam der mit der neuen Priener Partnergemeinde Valdagno dazu. Die Begegnung von Menschen unterschiedlicher Nationen lag mir sehr am Herzen: Zumal, wenn man sich die jeweils unseligen Jahre unserer vor allem jüngeren Geschichte vor Augen hält. Von Anfang an war auch der Schüleraustausch mit Italien ein gemeinsames Projekt von Ludwig-Thoma-Gymnasium und Realschule. Dabei wurde im Vorfeld ein gemeinsamer schulartübergreifender Wahlunterricht Italienisch etabliert, der an der Realschule stattfand. Bis heute ist diese Errungenschaft, sowohl der Sprachunterricht, wie auch die Begegnung mit den Menschen jenseits der Alpen ein wichtiges Element der pädagogischen Bemühungen.

1990 übernahm der Landkreis Rosenheim von der Marktgemeinde Prien die Trägerschaft der Realschule. Wie hat sich das ausgewirkt?

Hattenkofer: Ausgewirkt hat sich das vor allem auf den Haushalt der Marktgemeinde, die von erheblichen Personalkosten entlastet wurde. Für die Schulleitung war die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt, insbesondere Landrat Dr. Max Gimple stets reibungslos. Mein Amtsvorgänger Werner Schneider sagte mir einmal: „Am besten ist, wenn der Landrat von der Realschule nichts hört.“ An diese Maxime habe ich mich gehalten und bin gut gefahren.

Wie haben Sie die Gründung der Staatlichen Realschule Prien im Jahr 2012 erlebt? Distanziert oder emotional belastet? Sie waren bereits neun Jahre im Ruhestand…

Hattenkofer: Die Gründung der Staatlichen Realschule Prien als Zweigstelle der Realschule Wasserburg neben der bestehenden Kommunalen Realschule hat schon etwas sehr Exklusives. Meines Wissens hat es so etwas bisher noch nicht gegeben. Die Gründe hierfür erschließen sich mir nicht, beziehungsweise wären reine Spekulation, an der ich mich aber nicht beteilige. Im Übrigen haben Sie vollkommen Recht, im Ruhestand gewinnt man Gott sei Dank auch eine gesunde Distanz zum bisherigen Berufsleben. Deshalb ging meine Emotion auch über ein Kopfschütteln nicht hinaus.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Hauke-Christian Dittrich

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