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Dialyse-Standort steht auf der Kippe

„Ein riesengroßes Unglück!“: Urlaubspatientin zur drohenden Schließung der Priener Dialyse

Jede Woche dreimal hängt Martina Roschlau an der Blutwäsche. Andernfalls würde sie sterben.
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Jede Woche dreimal hängt Martina Roschlau an der Blutwäsche. Andernfalls würde sie sterben.

Nicht nur für Patienten aus der Umgebung wäre eine Schließung der Priener Dialyse eine Katastrophe. Martina Roschlau ist eine von vielen Urlaubspatienten, die regelmäßig kommen. Wie sie nach einer missglückten Nierenspende wieder Kraft geschöpft hat und was Prien damit zu tun hat.

Kassel – Noch ist unklar, wie es mit der Priener Dialyse weitergeht. Denn die RoMed-Kliniken verlängern den Mietvertrag nicht, weil sie die Räumlichkeiten während ihres Umbaus benötigen.

Es droht die Schließung. Nicht nur für ortsansässige Patienten wäre eine Schließung eine Katastrophe. Viele Nierenpatienten kommen nach Prien, um hier ihren Urlaub zu verbringen. Eine davon ist Martina Roschlau (67) aus Kassel. Die OVB-Heimatzeitungen haben mit ihr über eine drohende Schließung des Priener Standorts gesprochen.

Wie kam es dazu, dass Sie eine Dialyse benötigen?

Martina Roschlau: Es liegt vermutlich an Schmerzmitteln, die ich als junge Frau immer wieder genommen habe. Damals war das einfach so, dass man die genommen hat, wenn man mal was hatte. Heute weiß man, dass diese Tabletten nicht so harmlos sind. Meine Nierenwerte haben sich immer stärker verschlechtert und vor 14 Jahren musste ich dann an die Dialyse.

Wie kann man sich diese Behandlung vorstellen?

Roschlau: Damals war es eine große Erleichterung, weil es mir schnell deutlich besser ging. Davor war mir gar nicht klar, wie schwach ich eigentlich war. Wobei die Dialyse schon mit Schmerzen verbunden ist. Eine Vene und eine Arterie werden dabei ja jedes Mal punktiert, und das klappt nicht immer. Dann werden 60 bis 80 Liter Blut durch den Körper gepumpt, und das hinterlässt einfach Spuren und ist schon anstrengend. Ich bin da sicher eine Ausnahme, weil ich sogar die zwei Kilometer mit dem Fahrrad wieder heimfahre. Meine Mitpatienten sind da immer sehr erstaunt, dass ich das überhaupt schaffe.

Welchen Einfluss hat Ihre Erkrankung auf Ihren Alltag?

Roschlau: Einen großen! Schließlich kann man überhaupt nicht mehr spontan sein. Ich muss dreimal in der Woche an die Dialyse, sonst sterbe ich. Das merke ich auch. Am Wochenende lassen meine Kräfte oft nach und ich spüre, dass ich dann wieder eine Behandlung brauche. Das ist auch für meine Familie und das Umfeld eine Belastung.

Auf Almwanderungen schöpft Martina Roschlau Kraft.

Sind Sie auf der Liste für ein Spenderorgan?

Roschlau: Ich habe vor zwei Jahren zwei neue Nieren bekommen. Das war erst mal ganz toll, plötzlich konnte ich wieder mehr trinken und alles essen. Das sind so Dinge, die davor auch nicht gingen, und es fühlte sich sehr unbeschwert an. Allerdings habe ich mich dann nach sechs Wochen mit einem Keim infiziert und habe dann vier Monate immer wieder im Krankenhaus verbracht. Ich hatte eine Blutvergiftung, und die Situation war sehr ernst. Die Nieren wurden dann wieder entfernt und ich musste wieder an die Dialyse.

Wie kam es, dass Sie Patientin in Prien wurden?

Roschlau: Ich lebe in Kassel, aber mein Sohn hat vor acht Jahren in Übersee geheiratet. So was ist als Nierenpatient gar nicht so leicht zu organisieren, aber glücklicherweise gibt es den KfH-Standort in Prien. Dort habe ich mich gleich wohlgefühlt. Es ist ja schon so, dass man bei der Dialyse sein Leben anderen Menschen anvertraut. Aber das hat in Prien gleich gepasst, und das Team dort ist einfach außergewöhnlich. Mein Mann und ich kommen deshalb regelmäßig hierher und verbringen unseren Urlaub im Chiemgau.

Was würde es für Sie bedeuten, wenn die Dialyse in Prien tatsächlich schließen muss?

Roschlau: Mir fehlen heute noch die Worte, als ich gehört hatte, dass dies zur Debatte steht. Für mich wäre das ein riesengroßes Unglück. Es ist im Moment ohnehin sehr schwierig, derzeit einen Platz für die Urlaubsdialyse zu bekommen, das ging mir im Mai auch so. Damals habe ich weder in Traunstein noch in Rosenheim einen Platz bekommen. Wenn Prien zumacht, gibt es aus meiner Sicht nichts mehr und keiner kann mehr in den Urlaub oder zur Reha kommen.

Warum ist Ihnen der Standort hier so wichtig?

Roschlau: Mir geben die Urlaube am Chiemsee immer sehr viel Kraft und sind für mich und meinen Mann enorm wichtige Auszeiten. Inzwischen haben wir am Chiemsee auch einen Freundeskreis. Gerade nach der schlimmen Zeit nach der Transplantation hat mir der Chiemgau wirklich wieder auf die Beine geholfen. Eine kleine Almwanderung ist für mich eine Herausforderung, aber es macht mich dann auch stolz, wenn es klappt.

Fachkräftemangel schränkt Angebot ein

Nachdem die Coronapandemie nun geraume Zeit die Möglichkeit von Urlaubsdialysen stark eingeschränkt und zum Teil auch unmöglich gemacht hat, sind aktuell Reha- und Urlaubsdialysen im Rahmen der üblichen Hygienemaßnahmen auch im KfH-Gesundheitszentrum Prien wieder möglich, heißt es auf Anfrage unserer Zeitung vom Betreiber.

„Insgesamt wirkt sich der Fachkräftemangel allerdings auch auf den Bereich der ambulanten Dialyseversorgung aus und führt bei uns in Prien zu immer größeren Problemen bei der Sicherstellung der notwendigen Personalkapazitäten mit qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“, so eine Sprecherin.

Diese Situation führe auch dazu, dass nur eine begrenzte Zahl an Reha- beziehungsweise Urlaubsdialysepatienten angenommen werde können. 130 Interessierte haben daher eine Absage erhalten, weil keine Kapazitäten frei gewesen seien. „In diesem Jahr wurden bisher mehr als 300 Reha- beziehungsweise Urlaubsdialysen durchgeführt“ heißt es seitens des KfH.

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