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Schulleiterin im Interview

„Physiker würde ich nicht vom Stuhl schubsen“: Schulstart für Freie Waldorfschule Prien

Der Unterstand steht schon: Auf der neu gepachteten Schulwiese im Eichental sollen sich bald nicht nur die Schüler der Waldorfschule Prien aufhalten, sondern auch Schafe tummeln. Den Unterstand errichtete Thomas Graf Grote-Reverchon, Religionslehrer und Mitglied im Vorstand des Schulvereins, gemeinsam mit Schülern der dritten Klasse.
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Der Unterstand steht schon: Auf der neu gepachteten Schulwiese im Eichental sollen sich bald nicht nur die Schüler der Waldorfschule Prien aufhalten, sondern auch Schafe tummeln. Den Unterstand errichtete Thomas Graf Grote-Reverchon, Religionslehrer und Mitglied im Vorstand des Schulvereins, gemeinsam mit Schülern der dritten Klasse.

Hinsichtlich der Energieversorgung ist die Freie Waldorfschule Prien effizient aufgestellt, dennoch steht auch sie vor großen Herausforderungen im neuen Schuljahr. Wie Rektorin Dr. Evelyn Bukowski diesen begegnen will.

Prien – Beim Besuch der Freien Waldorfschule Prien herrscht reges Treiben. Die Wände im Erdgeschoss des Altbaus werden – in lebensbejahendem Gelb – neu gestrichen und Lehrkräfte bereiten sich auf den Schulstart vor. Schulleiterin Dr. Evelyn Bukowski macht Kaffee. „Bei uns macht jeder alles“, sagt sie noch, bevor es schwungvoll ins Lehrerzimmer geht, wo das Interview stattfindet.

Frau Bukovski, mit welchen Neuerungen startet die Waldorfschule Prien ins Schuljahr?

Dr. Evelyn Bukowski: Wir sind sehr froh, dass wir tatsächlich Aufzüge bekommen, um die Barrierefreiheit herzustellen. Zu Schulbeginn geht der sanierte Aufzug im Altbau mit fünf Haltestellen in Betrieb. Unser Neubau folgt dann im vierten Quartal.

Konnten noch weitere Projekte umgesetzt werden?

Bukowski: Für die Klassen 1 bis 6 und die Mittagsbetreuung haben wir nun moderne Be- und Entlüftungsgeräte. Auch das ist sehr schön.

Diese Vorkehrung ist ja auf die „Coronazeit“ zurückzuführen ...

Bukowski: Ja. Die hat uns stark in Anspruch genommen. Doch neben all den negativen Seiten hatte diese Zeit auch etwas Positives.

Was denn?

Bukowski: Corona hat die Gesellschaft ja doch recht gespalten. Wir Schulen in Prien sind aber näher zusammengerückt, weil wir alle die selben Schwierigkeiten hatten. Wir Schulleiter haben uns deshalb oft kurzgeschlossen und gegenseitig abgesprochen.

Hat Corona die Waldorfschule nicht besonders hart getroffen? Die Gemeinschaft zwischen Schülern und Lehrern steht hier ja in besonderem Maße im Fokus.

Bukowski: Gelitten haben die Schüler über alle Schulen hinweg sicherlich ähnlich. Wir waren allerdings in unserer Pädagogik noch etwas mehr beschnitten, auch wenn wir schnell innovativ wurden – mit Podcasts und anderen Online-Tools. Doch die persönliche Beziehung kann dadurch nicht ersetzt werden.

Persönliche Beziehungen sollen nun bald auch draußen stattfinden ...

Bukowski: Ja (lacht). Ich selbst habe unsere neueste Errungenschaft zwar noch nicht gesehen, doch wir haben seit Kurzem eine eigene Wiese im Eichental.

Eine Wiese?

Bukowski: Ja, mit Blumen und bald auch Schafen, die von einem unserer Lehrer kommen. Dort sollen demnächst unser Lehrerpicknick und später dann auch Draußentage und projektbezogene Arbeiten stattfinden.

Der aktuelle Lehrermangel scheint in allen Schulen spürbar zu sein. Sogar Lehrkräfte ohne Lehramtsausbildung werden vielerorts eingestellt. Auch bei Ihnen?

Bukowski: Wir haben einerseits einen Generationenwechsel an der Schule, und dazu kommt der generelle Lehrermangel. Ich sage mal so: Einen Physiker oder Mathematiker, würde auch ich aktuell nicht von der „Stuhlkante“ schubsen.

So ganz ohne Zusatzausbildung wird es aber nicht gehen?

Bukowski: Nein, das wäre auch unfair. Quereinsteiger brauchen eine gute Begleitung, weil es ganz was anderes ist, vor einer Schulklasse zu stehen. Diese Begleitung bekommen sie auch von uns.

Trifft der zuvor geschilderte Zusammenhalt zwischen den Priener Schulen auch auf die Integration ukrainischer Schüler zu?

Bukowski: Ja. Wir hatten die ganze Zeit über eine sehr schöne Kooperation mit der Franziska-Hager-Schule.

Wie lief diese ab?

Bukowski: Unsere Elternschaft war sehr gastfreundlich und hat mehrere ukrainische Familien mit Kindern aufgenommen. Und dann hatten wir die Schüler. Ganz klar! In Absprache mit Marcus Hübl von der Franziska-Hager-Schule haben wir deshalb zwei Willkommensklassen eingerichtet. Morgens fand drüben Deutsch für Ausländer statt. Zwei Tage die Woche hatten wir dann all unsere Werkstätten geöffnet für künstlerischen Unterricht. Wir haben schnell gemerkt, dass das auch hinsichtlich der Traumabewältigung notwendig war. Dazu fand an einem Tag ukrainischer Unterricht statt. Die restlichen Tage liefen die ukrainischen Schüler in den zugeteilten Klassen mit.

Wird dieses System beibehalten?

Bukowski: Nein, es sollen Brückenklassen installiert werden. Doch wie genau das funktionieren soll, wissen wir derzeit alle noch nicht.

Sind die aktuellen Energiekosten ein Thema für die Waldorfschule Prien?

Bukowski: Seit 2006 haben wir eine Holzschnitzel- und eine Photovoltaikanlage. Dazu kommt unser Wasserrad, mit dem wir ein Drittel unseres Strombedarfs decken können. Dennoch werden wir die Preissteigerungen spüren. Und im Gegensatz zu den staatlichen Schulen müssen wir das selbst berappen. Interview: Oliver Lang

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