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Probleme auch in Prien

„Erste Kliniken streichen schon die Suppe“: Wie Krankenhäuser unter steigenden Preisen leiden

Küchenchef Steffen Lutz kocht an der St. Irmingard Klinik weiterhin jeden Tag Suppe für die Patienten.
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Küchenchef Steffen Lutz kocht an der St. Irmingard Klinik weiterhin jeden Tag Suppe für die Patienten.

Hunderte Mahlzeiten für die Patienten und die Angestellten zu kochen, das ist zu einer teuren Aufgabe geworden. Warum die Kliniken in Prien nicht wie andere ihre Speisepläne zusammenstreichen und wie dringend sie angesichts der gestiegenen Energiepreise auf „Antworten aus Berlin“ warten

Prien – Nach einem Herzinfarkt oder einer Krebsoperation brauchen Patientinnen und Patienten oft viele Wochen Reha. Um wieder auf die Beine zu kommen, sind nicht nur gute Therapien nötig. Ganz wesentlich zur Genesung beitragen kann gutes Essen. Das wissen die Leiterinnen und Leiter der Priener Kliniken und wollen trotz der massiven Teuerung nicht am Speiseplan der Klinikküchen rütteln.

Erste Klinken streichen die Suppe

Die hauseigene Küche der RoMed Klinik Prien am Chiemsee holte sich kürzlich ein „Sehr gut“ bei Patienten und Mitarbeitenden.

In der St. Irmingard Klinik mit 230 meist voll ausgelasteten Betten und rund 240 Angestellten wird jeden Tag frisch gekocht. Das soll auch so bleiben, sagt Geschäftsführer Stefan Düvelmeyer. Die Küche sei mit ihren großen Kippern und Töpfen ein großer Energiefresser. „Erste Kliniken streichen jetzt die Suppen von ihrem Speiseplan“, schildert er. Diese Kliniken würden sich ausrechnen, wie viel Energie sie brauchen, um wie viele Kalorien zur Verfügung zu stellen. „Bei uns bleibt die Suppe. Unsere Patienten sind nach kardiologischen oder onkologischen Erkrankungen drei Wochen und andere noch länger zur Reha bei uns. Für die ist das Essen in der langen Zeit ein Highlight.“

Fleisch ist enorm teuer geworden

Ein „Sehr gut“ hätte sich auch die hauseigene Küche der RoMed Klinik Prien erst vor kurzem wieder geholt, berichtet Klinikleiter Marco Weidemeier. Man will das gute Speisenangebot beibehalten. Die Mahlzeiten für 120 Patientinnen und Patienten und rund die Hälfte der 400 Angestellten kosten die Klinik wegen der gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreise spürbar mehr als früher. „Die Beschaffungspreise sind sehr gestiegen, vor allem Fleisch ist enorm teuer geworden und auch Obst und Gemüse“, sagt Weidemeier. Die Mitarbeiter würden ab Jahresbeginn 2023 mehr für die Mahlzeiten bezahlen müssen.

RoMed Klinik: Doppelt so hohe Stromrechnung

Noch gravierender als die Lebensmittelpreise schlagen die Energiepreise zu. Spitalsbereiche wie Operationssäle oder Radiologie verbrauchen viel Strom. Die Stromrechnung für August in der RoMed Klinik zeigte die Mehrkosten deutlich: „Die Kosten haben sich verdoppelt und bei Wärme ist es auch dasselbe“, so Marco Weidemeier. Bis Jahresende rechnet er bei Strom und Wärme mit Mehrkosten von mindestens sehr hohen sechsstelligen Beträgen.

In Zahlen könne man die Mehrkosten in der St. Irmingard Klinik noch nicht fassen, aber die Kosten seien sehr hoch, berichtet Stefan Düvelmeyer. Die Gasmenge für 2023 habe man sich zum Glück schon gesichert, doch die Gasumlage macht Sorgen: „Kommt sie wie geplant, würden sich unsere Energiekosten verdoppeln.“

Die Schön Klinik Holding, mit ihrer Klinik Roseneck in Prien vertreten, weist auf die schwierige Lage hin, in der Kliniken stecken, wenn plötzlich Kosten explodieren. Pressesprecherin Astrid Reining: „Die gestiegenen Energiepreise sind für energieintensive Unternehmen wie Kliniken eine Herausforderung, da diese teils enormen Preissteigerungen der vergangenen Monate nicht in den Klinikbudgets berücksichtigt sind. Die werden ja mit den Kostenträgern jeweils im Voraus verhandelt.“

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Es sei verzwickt, betonen die Klinikleiter: „Um die Mehrkosten zu finanzieren, können wir nicht einfach den Behandlungstag für die Patienten um zehn Euro teurer machen“, erklärt Marco Weidemeider. Kliniken haben kaum eine Chance, die Mehrkosten abzuwälzen. Stefan Düvelmeyer spricht von einer Krux: „Wir verhandeln die Preise mit den Krankenkassen, die uns ja auch die Patienten schicken. Auch bei Privatpatienten kann man nicht beliebig die Preise erhöhen, sonst schicken die Privatversicherungen die Patienten woanders hin.“ Auch bei der Refinanzierung des mit 1. September gestiegenen Mindestlohns für Pflegekräfte heißt es Warten auf die Verhandlungen mit den Krankenkassen, so der St. Irmingard-Geschäftsführer.

Schön Klinik Roseneck konnte Energieverbrauch senken

Am Speiseplan der RoMed Klinik Prien (im Bild der Speisesaal) soll sich nichts ändern.

Wie die Kliniken sparen werden, um die hohen zusätzlichen Kosten zumindest teilweise abzufedern, erarbeiten diese gerade. Die Schön Klinik Gruppe profitiert von ihrem 2021 eingeführten Energiemanagementsystem. Durch dieses hat man laut Astrid Reining bereits je ein Prozent des Strom- und des Wärmeverbrauchs pro Patientenbett einsparen können. Mittlerweile geben sich die Kliniken bundesweit Tipps, wie sie Energie einsparen können. In der St. Irmingard Klinik, die ihren Angestellten eine Sonderzahlung zur Abfederung der hohen Energiekosten ausgezahlt hat, hilft ein Energiemanager beim Energiesparen. Außerdem prüft man einen Umstieg auf Fernwärme.

„Wir warten auf Antworten aus Berlin“

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat vor einigen Tagen ein kurzfristiges Hilfspaket für die deutschen Kliniken in Aussicht gestellt. Diese pochen auf rasche Unterstützung. Marco Weidemeier von der RoMed Klinik Prien bringt es so auf den Punkt: „Es ist ja nicht möglich, Computertomografien einfach nicht mehr zu machen oder den OP nur halb so hell zu beleuchten. Wir warten auf Antworten aus Berlin.“

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