Familienpaten sollen helfen

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Prien - Immer mehr Familien, besonders Ein-Eltern-Familien brauchen Hilfe, um schwierige Zeiten zu überstehen. Der Sozialdienst katholischer Frauen will ihnen Familienpaten vermitteln.

Plötzlich ist die Arbeitsstelle weg oder die Partnerschaft geht in die Brüche. Immer mehr Familien, insbesondere sogenannte Ein-Eltern-Familien brauchen Hilfe, um schwierige Zeiten zu überstehen. Der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) will ihnen ehrenamtliche Familienpaten vermitteln und zur Seite stellen. "Rückenwind" ist der bezeichnende Name des Projekts, an dessen Verwirklichung der SkF Prien arbeitet, denn "auch in unserer gut situierten Urlaubsregion gibt es Familien, die im Windschatten stehen", wissen SkF-Geschäftsführerin Iris Hinkel und Beraterin Renate Braun. "Die Zahl der Rat suchenden wächst", darunter sind viele Alleinerziehende und Familien mit Migrationshintergrund.

Dass es in Prien überdurchschnittlich viele alleinerziehende Mütter gibt, ist dem Umstand geschuldet, dass es in der Marktgemeinde vergleichsweise viele Arbeitsplätze für Frauen im Tourismus und im Gesundheitswesen, also in den örtlichen Kliniken gibt. Nicht wenige ziehen hierher, um eine Stelle anzutreten, und müssen mit einem hohen Mietniveau klarkommen.

"Beengter, zu teurer Wohnraum" und die "Überforderung, alles allein tun und regeln zu müssen" sind Probleme, mit denen die SkF-Beraterinnen immer öfter konfrontiert werden. In der Beratungsstelle in der Schulstraße können zwar viele Probleme gelöst werden, aber nicht alle. Denn manche Hilfe kann nur vor Ort, also in den Familien geleistet werden, und Außendienst sprengt in aller Regel den Rahmen des SkF-Teams.

Deshalb gehen Hinkel und Braun jetzt auf die Suche nach ehrenamtlichen Familienpaten, die mal auf ein Kind aufpassen, bei Behördengängen helfen oder mit dem Nachwuchs zum Arzt gehen. In der Beratungsstelle werden die Fäden zusammenlaufen, es gibt bereits Interessentinnen für die Stelle, eine Koordinatorin für das "Rückenwind"-Projekt, verrät Hinkel im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

"Das Geld kriegen wir schon", ist die Geschäftsführerin mit Blick auf die Finanzierung optimistisch. Die Erzdiözese hat Unterstützung signalisiert, dazu hofft der SkF auf Spenden und plant die Zusammenarbeit mit Stiftungen.

Die größere Herausforderung sehen Hinkel und Braun in dem Versuch, Paten zu gewinnen. Diese sollen dann "passgenau" vermittelt werden, denn nicht jeder Ehrenamtliche kann ein Alleskönner in jeder Lebens-(Not-) Lage sein. Die Paten werden für ihre Aufgaben gezielt ausgebildet und sollen regelmäßig weiter geschult werden.

Um für möglichst viele Anfragen gerüstet zu sein, will der SkF ein "Netzwerk" mit vorhandenen Angeboten knüpfen, zum Beispiel eng mit dem "Lokalen Bündnis für Familien" zusammenarbeiten. Solcher Art vernetzt sollte es dann beispielsweise möglich sein, einer allein erziehenden Mutter schnell und unbürokratisch einen Platz beim Kinderturnen für ihren Nachwuchs zu verschaffen, um sie zu entlasten.

"Rückenwind" ist nicht als dauerhafte Unterstützungseinrichtung gedacht, vielmehr soll "Hilfe zur Selbsthilfe" geschaffen werden, um schwierige, zeitlich begrenzte Situationen zu überwinden.

Hinkel und Braun betonen zudem den präventiven, also vorbeugenden Charakter des Projekts. Es soll zum Beispiel verhindern, dass in kritischen Lebensphasen irgendwann das Jugendamt auf den Plan tritt. Dazu stützt sich der SkF unter anderem auf Erfahrungen eines ähnlich angelegten Angebots in München und auf ein Fachteam aus Ärzten, Rechtsanwälten. Hebammen und einigen Experten mehr, mit denen die Organisation schon lange zusammenarbeitet.

Der präventive Ansatz meint unter anderem auch, Müttern von pubertierenden Teenagern frühzeitig Hilfe zu leisten, um deren Überforderung zu vermeiden.

Von den ehrenamtlichen Paten erhoffen sich Hinkel und Braun Offenheit für andere Lebensformen - abweichend vom klassischen Familienbild. Lebenserfahrung und Gelassenheit sind weitere Eigenschaften, die für Paten hilfreich sind bei deren Bemühen, "Struktur in den Alltag" der betreuten Familien zu bringen.

Nun hofft der SkF nicht nur auf Interessenten, sondern auch auf finanzielle Unterstützung wie die der Schön Klinik Roseneck, die Ende vergangenen Jahres einen Flohmarkt zugunsten des Projekts auf die Beine stellte und den Erlös aus eigenen Mitteln verdoppelte.

Mit Infoständen, im nächsten Pfarrbrief und bei der Jahreshauptversammlung soll zudem für das Projekt geworben werden, damit es möglichst zeitnah in die Tat umgesetzt werden kann.

Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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