Ringen um Bauland und Wohnungen

Prien hat fast 170 Bewerbungen fürs Einheimischenmodell – aber keine Grundstücke

Derzeit wird der Boden für die Bebauung bereitet.
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Derzeit wird der Boden für die Bebauung bereitet.

„Schaffung von bezahlbarem Wohnraum“ war ein zentrales Thema, das zuletzt in allen Wahlprogrammen der Parteien und Gruppierungen stand, die sich in Prien für den neuen Marktgemeinderat beworben hatten. Aber der Politik sind enge Grenzen gesetzt, den Worten Taten folgen zu lassen.

Prien –Wer von den eigenen vier Wänden träumt, sollte eher nicht auf günstiges Bauland für Einheimische hoffen. Zur Zeit stehen 168 Bewerber auf der Liste, die Melanie Meier im Rathaus betreut. Dem gegenüber stehen null Grundstücke.

Gerade werden zehn Reihenhausparzellen verkauft, die auf dem Grund der ehemaligen Jugendherberge entstehen. Die Quadratmeterpreise liegen nach Angaben von Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) fast zwei Drittel unter denen auf dem freien Markt. Trotzdem müssen sich Interessenten finanziell mächtig strecken, denn die Ermäßigung gilt nur für den Grund, nicht für den Bau darauf. „Sie brauchen 600.000 Euro, dürfen aber als Paar nicht mehr als 102.000 Euro verdienen. Da stoßen Sie rund um den Chiemsee an Grenzen“, rechnet Friedrich das Dilemma zwischen ungefähren Kosten für die eigenen vier Wände und der Obergrenze für ein Einheimischengrundstück vor. Nach einigen einschlägigen Urteilen hatte der Markt Prien die Einkommensobergrenze erst 2020 in den Kriterienkatalog aufnehmen müssen.

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Nur 13 Bewerber stemmen Finanzierung

Von der langen Bewerbeliste hatten für die zehn Parzellen am Birkenweg am Ende nur 13 einen Finanzierungsnachweis der Bank vorgelegt, berichten Friedrich und Meier im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Der Nachweis der Liquidität ist eine grundsätzliche Bedingung bei der Vergabe von Einheimischengrundstücken. Interessenten müssen belegen, dass sie sich den Bau auch leisten können. Und auf dessen Kosten hat der Markt Prien keinen Einfluss. Ihm bleibt nur die Vermittlerrolle. Die Bauausführung selbst ist Sache des Bauherrn, die Häuser werden dann als sogenannter Rohbau plus (inklusive Fenstern und Türen) an die Käufer übergeben. So sieht es die Vereinbarung vor.

Die Chiemgau Residenzen mit Sitz in Rosenheim hatten das 5000 Quadratmeter große Areal an Carl-Braun-Straße und Birkenweg vom Jugendherbergswerk gekauft. Die Marktgemeinde hatte zwischenzeitlich eine Veränderungssperre erlassen, um in Verhandlungen mit dem Käufer schließlich die zehn günstigen Parzellen rauszuschlagen. Der Bauträger darf zusätzlich auf dem Gelände drei Mehrfamilienhäuser mit 30 Eigentumswohnungen verwirklichen.

Wer nicht unter den zehn Glücklichen ist, die zu den Punktbesten nach einem festgeschriebenen Kriterienkatalog gehören und sich in der Reihenfolge der Punktzahl eine der Parzellen aussuchen dürfen, für den gibt es aktuell keine Hoffnung. Der Markt Prien verfügt über keine Grundstücke, bedauert der Bürgermeister.

Der immer knapper werdende Baugrund, der die Preise in guten Lagen Priens zuletzt schon bis in vierstellige Regionen pro Quadratmeter hat steigen lassen, ist das eine. Die EU-Vorgaben sind das andere, was es Kommunen schwer macht, gerade jungen, einheimischen Familien eine Perspektive zu eröffnen, im Heimatort bleiben zu können.

Früher waren die Chancen ungleich größer, im Geburtsort ein Einheimischen-Grundstück zu ergattern. Inzwischen wurden nach EU-Vorgaben andere Kriterien wie Familienstand und Arbeitsplatz deutlich aufgewertet. „Ein Auswärtiger, verheiratet, mit zwei Kindern, wird mindestens genau so viele Punkte haben wie ein Priener, der vor 40 Jahren hier geboren wurde, aber keine Kinder hat“, umschreibt Friedrich. Zwar sind immer noch drei Viertel der Bewerber auf der Warteliste Einheimische, aber die Zahl der auswärtigen Interessenten wächst laut Meier. Auf der Liste finden sich inzwischen auch Kandidaten aus Köln oder dem oberfränkischen Prosselsheim.

Vorschlagsrecht für Vergabe von Mietwohnungen

Was für Baugrundstücke gilt, betrifft auch Mietwohnungen. Die Quadratmeterpreise sind in Regionen gestiegen, die für immer mehr Einheimische kaum noch bezahlbar sind. Deshalb versucht der Markt Prien jetzt auch in diesem Segment, zu helfen. Zum ersten Mal hat sich die Marktgemeinde im Rahmen der Aufstellung eines Bebauungsplans zur Neubebauung eines Grundstücks an der Ecke Hochries-/Hochplattenstraße ein Vorschlagsrecht für die Vergabe von zwei „Altenwohnungen“ vertraglich gesichert.

Der Bauherr darf nicht mehr als 9,50 Euro pro Quadratmeter verlangen. Noch fehlt aber ein Kriterienkatalog vergleichbar dem für das Einheimischenmodell, an wen solche Wohnungen vergeben werden. Verwaltung und Gemeinderat müssen nun ihn noch entwickeln.

So funktioniert das Einheimischenmodell

Anhand des Kriterienkatalogs zur Vergabe von Einheimischengrund kann ein Bewerber höchstens 200 Punkte sammeln, um sich einen vorderen Platz auf der Liste zu sichern. Wichtigstes Kriterium ist die Ortansässigkeit. Hauptwohnsitz und Arbeitsplatz sind hier gleichberechtigt und werden pro Jahr mit 20 Punkten berücksichtigt, höchstens aber fünf Jahre (=100 Punkte). Die wirtschaftlichen Verhältnisse werden mit bis zu 50 Punkten berücksichtigt. Gerechnet von der Einkommensobergrenze von 102.000 Euro eines Paares gibt es pro 1000 Euro weniger Einkommen einen Punkt. Daneben werden weitere Kriterien berücksichtigt.

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