Infotafeln in Prien und Rimsting

Kein Leinenzwang am Chiemsee: Neue Initiative zum Vogelschutz setzt auf Freiwilligkeit

Es ist ein sehr emotionales Thema: der Leinenzwang für Hunde. Zuletzt kochte das Thema in Prien wieder hoch, als die Grünen im Herbst 2020 einen Leinenzwang am Chiemseeufer beantragten. Nun war es wieder Thema im Marktgemeinderat - mit Blick auf ein gemeindeübergreifendes Vogelschutzgebiet.

Prien – Ob Prien, Bernau oder Rimsting – das Spannungsfeld zwischen Hundehaltern, Erholungssuchenden und Vögeln löst immer mal wieder politische Diskussionen aus. Zuletzt kochte das Thema in Prien wieder hoch, als die Grünen im Herbst 2020 einen Leinenzwang am Chiemseeufer beantragten.

Der sei derzeit nicht durchzusetzen, informierte in der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderates Martin Plenk, der Leiter des Ordnungsamtes. Allerdings gibt es einen Austausch mit dem Landratsamt Rosenheim über die Ausweisung eines gemeindeübergreifenden Vogelschutzgebiets.

Nachbargemeinden aufgeschlossen

Kommunalpolitik und Verwaltungen der Nachbargemeinden Rimsting und Bernau zeigen sich in dieser Frage aufgeschlossen. Das wurde auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung deutlich Aber auch in den Rathäusern der Nachbargemeinden ist Zurückhaltung zu spüren – zu sensibel ist das Thema.

Das Chiemseeufer ist Brutgebiet seltener Vogelarten wie Kiebitz, Brachvogel und Bekassine. Freilaufende Hunde können die Vögel so erschrecken, dass sie ihre Nester schutzlos zurücklassen und die Brut aufgeben.

Das Landratsamt Rosenheim äußert sich sehr zurückhaltend zur Frage einer Verordnung als Rechtsgrundlage für einen Leinenzwang. Pressesprecher Michael Fischer weist auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung auf § 44 des Bundesnaturschutzgesetztes als Rechtsgrundlage hin, in dem der Artenschutz festgeschrieben ist. Er verweist auf das Beispiel einer uneinsichtigen Hundehalterin aus dem nördlichen Landkreis, die nach wiederholten Verstößen jüngst mit einem Bußgeld belegt worden sei.

Statt auf Strafen setzen Gemeinden und Behörden aber viel lieber auf Verständnis. Unter der Regie des Chiemsee-Gebietsbetreuers Dirk Alfermann, der für beiden Landratsämter (Rosenheim und Traunstein) als Interessenvermittler arbeitet, sind in enger Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Rosenheim sowie der Regierung von Oberbayern jetzt großformatige Schilder entstanden, die über den Wiesenbrüterschutz aufklären und in Wort und Piktogramm appellieren, die Wege nicht zu verlassen und Hunde anzuleinen. Sogar auf ein Drohnenflugverbot machen die neuen Tafeln grafisch aufmerksam.

Infotafeln werden aufgestellt

Ein Dutzend solcher Tafeln soll im Bereich zwischen Aiterbacher Winkler (Rimsting) und Osternach (Prien) überall dort platziert werden, wo Naturschützer Brutgebiete besonders schützenswerter Vogelarten vermuten. Weil die Zeit drängt und die Vögel schon ihre Nester bauen, sollen die Schilder schon in den nächsten Tagen aufgestellt werden. Die Zeit drängt. Wenn das Wetter mitspielt muss sich der Chiemsee spätestens zu Ostern wieder auf einen Massenansturm von Tagesausflüglern gefasst machen.

Während auf Rosenheimer Seite auf Freiwilligkeit gesetz wird, gibt es im Traunsteiner Bereich einem offizielles Verbot zumindest für bestimmte Wiesenbrütergebiete, die in einer Schutzverordnung definiert sind. Allerdings gibt es so gut wie keine Kontrollen, die Wirkung der Verordnung hängt an der abschreckenden Wirkung von Info-Tafeln. Bestimmte Wege in Brutgebieten sind während der Brutzeit gesperrt.

Der Markt Prien hatte Anfang Februar nach Angaben des Leiters seines Ordnungsamtes das Landratsamt in Rosenheim noch einmal auf die Dringlichkeit der Ausweisung eines gemeindeübergreifenden Vogelschutzgebiets am westlichen Chiemseeufer hingewiesen. Die neuen Tafeln können einstweilen als Kompromiss zwischen Verordnung und Appellen verstanden werden.

Emotional aufgeladenes Thema

Wie emotional aufgeladen das Thema ist, wurde im Marktgemeinderat einmal mehr deutlich. Grünen-Rätin Angela Kind forderte „dringendst“ eine Schutzverordnung und unterstrich dies mit dem Hinweis, dass es auch immer mehr verwilderte Katzen gebe, die die Vögel gefährden.

Landwirt Peter Fischer (ÜWG) erinnerte an einen Zwischenfall im vergangenen Jahr, als freilaufende Hunde vier seiner Kälber am Herrnberg attakiert hatten und Rosi Hell (CSU) wies darauf hin, dass auch Hundekot „die Viecher umbringen“ könne.

Ihr Fraktionskollege Hans Wallner, auch Landwirt, wollte „nicht alle Hundehalter verurteilt“ wissen. Aber auch er weiß: „Es gibt auch Saubären.“

Regeln durch Mitführverbot und Haustierverordnung

In Rimsting ist in der Satzung über das „Mitführverbot von Hunden in öffentlichen Anlagen“ in der Fassung aus dem Jahr 2002 geregelt, dass Hunde von Mitte April bis Ende September nicht auf die Strandanlage in Westernach dürfen. Das Verbot gilt auch für die Friedhöfe Rimsting und Greimharting, den Kindergarten Greimharting, Kinderspielplätze (Turnhalle, Gartenweg, Föhrenstraße), die Grundschule mit Umgriff, den Sportplatz Westernach sowie die Bolzplätze in Greimharting und an der Nordstraße.

In Prien ist in der „Lärm- und Haustierverordnung“ von 2010 festgelegt, dass „Kampfhunde und große Hunde mit einer Schulterhöhe über 50 Zentimeter in allen öffentlichen Anlagen sowie auf allen öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen ständig an der Leine zu führen“ sind. Dies gilt aber ausdrücklich nicht für große Hunde im sogenannten Außenbereich – und genau dazu zählt das Chiemsee-Ufergebiet.

Kiebitze und Brachvögel sind schon da

In den Wiesenbrütergebieten des Landkreises Traunstein, im Bergener und Grabenstätter Moos sowie am Lachsgang und in der Schöneggart in Übersee sind bereits die ersten Kiebitze und Brachvögel eingetroffen. Die für die Vögel wertvollen Streuwiesen werden von den Landwirten erst spät im Jahr gemäht. Dank dieser finanziell geförderten Unterstützung können die Bruthabitate erhalten bleiben.

Gebietsbetreuer, Dirk Alfermann bittet alle Besucher, sich unbedingt an die Wegegebote zu halten und Hunde anzuleinen So sieht es auch die Wiesenbrüterverordnung des Landkreises Traunstein vor.

Rubriklistenbild: © Christophe Gateau

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