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„Die Lage ist sehr tragisch“

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Interview und Filmabend mit August Zirner

„Das war heftig“: Wahl-Priener aus jüdischer Familie spielt einen Ex-KZ-Wächter

Schauspieler August Zirner im Kinosaal 1 in „Mike´s Kino“ in Prien.
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„Es war heftig, mich in die Figur des ehemaligen KZ-Wächters hineinzudenken“, sagt August Zirner. Der Schauspieler entstammt einer jüdischen Familie und lebt in Prien.

Was hätte ich getan? Das wird sich so mancher Zuseher des neuen Kinofilms „Schweigend steht der Wald” fragen. Der Priener Darsteller des „Kommissar Gustav Dallmann“, August Zirner, über menschliche Abgründe und seinen schönen, schwierigen Beruf.

Prien – Die Studentin Anja Grimm kartografiert für ein Forstpraktikum ein Stück Wald in der Nähe von Weiden in der Oberpfalz. 20 Jahre zuvor ist hier ihr Vater verschwunden. Als sie auf einer Waldwiese auf ungewöhnliche Bodenproben stößt, beginnt sie nachzuforschen, was damals passiert ist. Doch die Bewohner der nahegelegenen Gemeinde und der ehemalige Kommissar Gustav Dallmann setzen alles daran, das Schreckliche zu vertuschen.

Filmgespräch in Prien am Samstag, 10. Dezember

Im kürzlich angelaufenen Kinofilm „Schweigend steht der Wald” (nach dem gleichnamigen Roman von Wolfram Fleischhauer) von Regisseurin Saralisa Volm spielt der in Prien lebende Schauspieler August Zirner den ehemaligen Kommissar. Zirner stellt sich diesen Samstag (10. Dezember) um 20 Uhr nach der Filmvorführung den Fragen des Publikums. Der Chiemgau-Zeitung hat der österreichisch-amerikanische Schauspieler mit jüdischen Wurzeln vorab im Interview verraten, was er an seinem Beruf liebt, warum er den Film empfiehlt und wie es sich als Schauspieler in Prien lebt.

Herr Zirner, warum sollte man sich „Schweigend steht der Wald“ ansehen?

August Zirner: Wie viele andere wusste auch ich nicht, dass es nahe Weiden das riesige Konzentrationslager Flossenbürg gegeben hat. 30.000 Menschen wurden dort umgebracht. Später hat man über den Fundamenten der ehemaligen Todesbaracken Wohnhäuser und eine Fabrik errichtet  - und den Horror einfach verdrängt. Erst viel später entstand dort ein Gedenkzentrum, das man auf jeden Fall einmal besuchen sollte.

Ich erlebe immer wieder, wie sehr die Tatsache, dass Menschen die Shoa ermöglicht haben, zu Verdrängung, Schock und Überforderung führt. Der Film zeigt auf eine nicht-belehrende Art, wie schwer es vielen fällt, sich mit dem Abgrund des Menschenmöglichen auseinanderzusetzen. Ich will nicht in einer Wunde bohren, aber erinnern.

Was lernen wir aus dem Film?

Zirner: Lernen kann man in der Schule. Die Kunst hat die Aufgabe, Fragen zu stellen und die lautet nach diesem Film: „Wie hätte ich mich verhalten?” Oder meine Eltern, meine Großeltern?

Wie leicht fiel es Ihnen, in die Rolle des ehemaligen Kommissars zu schlüpfen, der Schlimmes vertuscht?

Zirner: Das war heftig! Ich entstamme einer jüdischen Familie. Meine Biografie ist geprägt vom Holocaust und jetzt spiele ich die andere Seite, den Täter. Es war ein schmerzhafter Prozess, mich in die Figur Gustav Dallmann, der vor seiner Tätigkeit als Kommissar Wächter in dem KZ war, hineinzudenken. In einen harten, kaltblütigen Mörder und dabei bin ich eher ein empathischer Mensch. Aber bin ich deswegen besser? Da fangen die Fragen an.

Wie haben Sie sich für diese Rolle vorbereitet?

Zirner: Indem ich zweimal den Roman und zweimal das Drehbuch gelesen habe. Saralisa Volm habe ich angeboten, sie solle mich umbesetzen, ich sei wahrscheinlich der Falsche für die Rolle. Dann bin ich nach Flossenbürg gefahren, an der Gedenkwand gestanden und vor den Häusern, wo im KZ die Todesbaracken gestanden sind. Ich habe mich gefragt, wie konnten die Menschen danach hier leben? Und ich habe gewusst: Ich muss die Rolle spielen.

Was ist für Sie das Schwierigste und was das Schönste an Ihrem Beruf?

Zirner: Das Schönste ist, dass er so schwierig ist. Aber ich liebe ihn. Mein Glück war, ich wusste schon mit 15 Jahren: Das ist mein Beruf.

„Schweigend steht der Wald“ nach dem gleichnamigen Roman von Wolfram Fleischhauer wird am 10. Dezember in Prien gezeigt. Anschließend stellt sich Darsteller August Zirner den Fragen des Publikums.

Wie hat sich Ihr Beruf verändert?

Zirner: Es gibt jetzt mehr Technik, und die Ästhetik am Theater hat sich geändert. Aber der Beruf des Schauspielers hat sich nicht verändert und wird sich nicht verändern. Man tritt in Erscheinung, ohne dass die Zuseher das Handwerk bemerken, das dafür nötig ist. Man besitzt einfach die Frechheit, auf eine Bühne zu gehen und eine Rolle zu spielen.

Wie hat der Beruf Sie verändert?

Zirner: Schöne Frage (schweigt kurz). Ich habe die Hoffnung, dass ich mit jeder neuen Rolle, jeder neuen Auseinandersetzung mit einer fremden Person, ein Stückchen mehr Mensch werde. Nicht ein besserer Mensch, sondern dass ich einen Schritt näher an das Rätsel der Existenz komme.

Wie lebt es sich als Schauspieler in Prien?

Zirner: Ich liebe es, in Prien zu leben, und finde es auch in unserem Ortsteil Siggenham schön. Neben der Natur schätze ich auch die Menschen, die hier leben.

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