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Abfall wird immer mehr

Schönheitsfehler auf der Flaniermeile: Prien kämpft mit Müll der Ausflügler

Die Schären am Chiemseeufer in Stock sind auch in Coronazeiten ein Tummelplatz für Ausflügler. Viele holen sich Speisen und Getränke zum Mitnehmen in einem der umliegenden Lokale, bevor sie sich in die Sonne setzen. Abends ist die Flaniermeile immer öfter mit Müll übersät, die Abfalleimer quellen über.

Prien – 30 Mülleimer stehen auf den wenigen hundert Metern zwischen dem Hotel Luitpold 2 an der Kreuzung Stocker Spinne, wo die Fußgängerzone beginnt, und der Spitze der Landzunge. Zusätzlich stellt die Gärtnerei der Prien Marketing GmbH (PriMa), die sich um die Müllabfuhr an tourisischen Plätzen kümmert, in der Saison vier große Tonnen mit je 250 Liter Fassungsvermögen an den Schären auf, informiert deren Leiter Gerd Schmidbauer.

Berge von leeren Pizzakartons

Seit Beginn der Corona-Pandemie haben sich die Tage gehäuft, an denen das alles nicht reicht. Berge von leeren Pizzakartons und Getränkebechern türmen sich auf und neben den Abfallbehältern. Zuletzt lösten Fotos der Prienerin Petra Haaser von Müll, der nach heftigen Windstößen über die ganze Wiese der Schären verstreut war, auf Facebook eine kontroverse Ðiskussion aus (siehe Kasten). Soll die Gemeinde noch mehr Mülleimer aufstellen oder alle abmontieren? Das sind die beiden extremen Positionen.

Schmidbauer und PriMa-Geschäftsführerin Andrea Hübner glauben, dass die jetzige Infrastruktur passt. Allerdings: In diesem Ausmaß wie an den sonnigen Wochenenden im Frühjahr 2021 kennt es sogar Schmidbauer aus Jahrzehnte langer Arbeit nicht. „Das ist der Wahnsinn“, räumt er ein.

Dabei versucht die PriMa alles, den Gästen idyllische Schären zu präsentieren. Täglich ab 4.30 Uhr werden die Abfallbehälter in Stock geleert, wenn noch keine Touristen da sind, kein Verkehr ist und auch noch keine Wespen um die Eimer herumschwirren.

Das Gewicht des Abfalls hat sich Schmidbauer zufolge in den vergangenen Jahren nicht wesentlich erhöht. Hübner zufolge gibt die PriMa im Jahr 10 000 Euro für die Entsorgung durch die Stadtwerke Rosenheim aus. Vor ein paar Jahren waren es Schmidbauer zufolge noch 8000 Euro,.

Volumen ist das Problem

Das Problem sei das Volumen. Ein leerer Pizzakarton, der nicht zusammengefaltet ist, blockiere oft fast leere Mülleimer, wenn er in der Öffnung feststecke.

Dass die seitliche Öffnung an den neuen Eimern aus Edelstahl relativ klein ist, habe auch ihre Gründe. Es regnet nicht rein, der Müll vermischt sich nicht mit Regenwasser und wird nicht zu einer stinkenden Brühe. Die enge Öffnung sei auch ein Schutz vor Krähen, deren Zahl in Prien zugenommen habe und die gern einmal in Abfallbehältern stöbern. Und die Öffnung ist auch zu klein, um Hausmülltüten hindurchzuquetschen – andernorts in Prien ein großes Problem: Schmidbauer schätzt den Anteil an illegal entsorgtem Hausmüll, der in einer der 450 Mülleimer im Gemeindegebiet lande, auf fast ein Drittel.

Die PriMa lässt es sich im Rahmen ihres Budgets einiges kosten, die Müllentsorgung zu verbessern. Der Stückpreis der Spezial-Behälter, die auf den Schären stehen, liegt Hübner zufolge bei 1100 Euro. Zusätzlich testet die PriMa seit einiger Zeit an der Kreuzung Stocker Spinne einen High-Tech-Eimer, der dank Solarenergie in regelmäßigen Abständen selbstständig den Müll zusammenpresst und so das fünffache Fassungsvermögen haben soll. Das Gerät koste etwa 5500 Euro. Um es aufstellen zu können, musste die Prima für das vorgeschriebene feste Fundament sogar einen Bauantrag stellen, erzählt Hübner.

Schmidbauer und sie hoffen jetzt, dass sich das Müllproblem am touristischen Aushängeschild Priens langsam entspannt, wenn die Corona-Regeln weiter gelockert werden, Lokale wieder öffnen und der To-Go-Müll wegfällt. Denn das Verhalten der Besucher lässt sich wohl kaum nachhaltig ändern. „Ich weiß auch nicht, wie man die Leute besser erzieht“, gibt Hübner unumwunden zu.

Auf Facebook wird derzeit kontrovers über das Müllproblem, das Verhalten der Leute und die Anzahl der Abfalleimer diskutiert. Eine Auswahl von Meinungen:

Gerti Hofer:

„Mei, wenn man jetzt im Sommer eine total verschmierte Eisverpackung und quengelige kleine Kinder hat, dann ist man einfach froh um einen Mülleimer.

Oder eine total Ketchup-verschmierte Pappschale von Pommes.

Oder schlicht und einfach ein Hundekotsackerl.

Das fahr mal im Sommer im Auto spazieren.

Also, ein Mülleimer sollte einfach etwas Selbstverständliches sein. Ich geh auch gern ein Stück dafür. Es gibt Städte, da ist alle 20 Meter einer. Warum geht das bei uns nicht, wo wir doch vom Tourismus leben?“

Steffi v. Chiemsee:

„In Rimsting haben sie fast alle Mülleimer abgehängt, weil die Leute ihren Hausmüll reinstopfen.

Warum werden nicht mehr oder größere Mülleimer aufgehängt?

Warum kann man in Zeiten von Corona mit take-away-Essen nicht auch ein paar mehr Container aufstellen?“

Willi Wolperdinger:

„Ich hab schon mal ganz was Verrücktes gemacht – meinen Müll mit nach Hause genommen beziehungsweise in meinen Kofferraum gelegt und zuhause entsorgt.“

Peter Mayer:

„Ich hab noch keinen Radfahrer um den Chiemsee gesehen, der mal ne to go Pause macht oder Spaziergänger mit nem Müllbeutel. Es macht keiner. Da gehören gerade jetzt Container hin und nicht so schwindlige Papierkörbe, die von drei Leuten voll sind – gerade in der Corona to go Zeit.“

Rubriklistenbild: © Marijan Murat

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