Die 37-Jährige sieht sich massiv unter Druck gesetzt

Mutter aus Prien verweigert bei ihren Kindern Corona-Testungen für die Schule

Schnelltests sollen bald an Schulen in Hessen verfügbar sein.
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Zwei Mal pro Woche müssen Kinder an Bayerns Schulen einen negativen Corona-Antigentest vorlegen, um am Präsenzunterricht teilnehmen zu dürfen. (Symbolbild)

Weil sie sich gegen die Corona-Testungen wehrt und sich weigert, ihre Kinder in die Schule gehen zu lassen, solange diese getestet werden müssen, sieht sich einen Mutter aus Prien massiv unter Druck gesetzt.

Prien am Chiemsee - „Ich komme mir gerade ziemlich alleine vor“, sagt Miriam K. (Name wurde von der Redaktion geändert) aus Prien am Chiemsee im Gespräch mit rosenheim24.de. Die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern (9 und 16 Jahre alt) stellt sich gegen die Testpflicht an den Schulen und schickt ihre Kinder daher seit Einführung der Testpflicht nicht mehr in den Unterricht. „Ich will nicht, dass meine Kinder getestet werden, weil ich der Meinung bin, dass das keinen Sinn macht. Ich will auch nicht, dass sie als Testkaninchen missbraucht werden“, so die 37-Jährige. „Die Kinder müssen getestet werden, aber alle Anderen in der freien Wirtschaft nicht. In den Firmen ist es freiwillig.“

Auf die Mutter wird Druck ausgeübt

Auf Grund ihrer Entscheidung, sieht sich die Mutter großem Druck ausgesetzt. „Ich bekomme Anrufe von Lehrern, die mich umstimmen wollen.“ Von Lehrern und Eltern, die ihre Entscheidung nicht verstehen, werde sie oft blöd angeredet. „Für mich gibt es gerade nur noch den Ausweg, meine Kinder zu packen und abzuhauen, wenn das so weiter geht. Aber selbst das ist eine sehr harte Entscheidung, der es viel gutdurchdachter Überlegung bedarf. Nur weil ich grundlegend eine andere Weltanschauung habe, gegen die ich mich einfach nicht wehren kann, weil sie nunmal da ist, werde ich psychisch echt fertig gemacht“, erzählt Miriam. „Das kann doch nicht sein. Jeder hat ein Recht auf seine individuelle Wahrnehmung und Weltanschauung. Wir sind doch friedliche Menschen.“

Bei ihrer Tochter, die die 10. Klasse besucht, gestaltet sich das Ganze ein wenig problematischer, da vergangene Woche die Abschlussprüfungen begonnen haben. „Da meine Tochter die erste Prüfung schon verpasst hat, wurde uns gesagt, dass sie an den weiteren Prüfungen für dieses Jahr nicht mehr teilnehmen kann.“ Doch wie ist hier die Rechtslage? Laut Schulamtsleiter Müller könne man an Abschlussprüfungen unter besonderen Vorkehrnissen auch ohne Tests teilnehmen.

„Leistungsnachweise können nachgeholt werden“

Das Kultusministerium teilt zur Frage nach den Leistungsnachweisen mit: „Schriftliche Leistungsnachweise werden grundsätzlich im Präsenzunterricht erbracht. Für das Abhalten von schriftlichen Leistungsnachweisen vor Ort an der Schule in Phasen des Distanzunterrichts sind die Vorgaben der jeweils gültigen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung und des jeweils gültigen Rahmenhygieneplans zu beachten.“ Dementsprechend müssen laut Kultusministerium Leistungsnachweise gegebenenfalls nachgeholt werden, um ein valides Notenbild zu erhalten. „Sollte zum Schuljahresende keine ausreichend große Anzahl an Leistungsnachweisen zur Beurteilung des Leistungsvermögens zur Verfügung stehen, ist eine entsprechende Nachprüfung erforderlich.“

Darf die Mutter grundsätzlich die Tests verweigern?

„Schülerinnen und Schüler, die kein negatives Testergebnis vorweisen können und nicht zur Durchführung eines Selbsttests in der Schule bereit sind bzw. Schülerinnen und Schüler, welche aufgrund einer individuell beurteilten Gefährdung von der Teilnahme am Präsenzunterricht beurlaubt sind, erfüllen ihre Schulbesuchspflicht durch die Wahrnehmung von Angeboten im Distanzunterricht bzw. im Distanzlernen“, heißt es auf Nachfrage vom Bayerischen Kultusministerium. Und auch Schulamtsleiter Müller bestätigt, dass das Handeln der Mutter rechtens ist: „Es ist eine Testobliegenheit und keine Testpflicht.

Miriam K. kann also entscheiden, ob ihre Kinder in die Schule gehen oder nicht. „Aber es gibt ja keine Alternative. Entweder man fügt sich, oder es entstehen Nachteile für meine Kinder“, sagt sie verzweifelt. „Ich bekomme auch Zuspruch von anderen Eltern, aber nur persönlich und hinter vorgehaltener Hand. In unserer Eltern-WhatsApp-Gruppe z.B. hat sich niemand öffentlich dazu bekannt, dass er mich in meiner Entscheidung unterstützt.“

Ausnahmeregelungen zur Testbefreiung

In besonderen Fällen können Eltern eine Befreiung von der Testpflicht beantragen. Von staatlicher Seite heißt es hierzu: „Das Kultusministerium ist sich der speziellen Problematik bei Einzelfällen mit sonderpädagogischem Förderbedarf bewusst. Wenn bei Schülerinnen und Schülern aufgrund ihres sonderpädagogischen Förderbedarfs nach entsprechender Glaubhaftmachung überhaupt kein Test (also auch nicht durch eine Begleitperson oder in den angesprochenen außerschulischen Testmöglichkeiten) auf eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 durchführbar sein sollte, kann die Schulleitung hier von der Testpflicht befreien“, so das Kultusministerium gegenüber rosenheim24.de. Es sei in diesem Ausnahmefall auf eine besonders genaue Beachtung und zuverlässige Umsetzung insbesondere des Rahmenhygieneplans Schulen zu achten, um etwaige Infektionen auszuschließen.

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jb

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