Abzocke: Polizei stoppt Kaffeefahrt

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Prien - Abzocker wollten Rentnern viel Geld für „Wundermittel“ abknöpfen. Doch die Polizei platzt rechtzeitig in die Veranstaltung. Ein Ermittlungsverfahren wurde eingeleitet.

Am vergangenen Mittwoch sprengte die Polizeiinspektion Prien eine illegale Kaffeefahrt. Über eine abgesagte Veranstaltung in Rosenheim konnte von der Polizei Prien kurzfristig in Erfahrung gebracht werden, dass auch in einer Gaststätte im südlichen Landkreis Rosenheim eine derartige Veranstaltung unmittelbar bevor stand.

Nachdem es sich bei diesen sogenannten Kaffeefahrten, die überwiegend von Senioren besucht werden, fast ausschließlich um illegale Veranstaltungen handelt, wurde unverzüglich ermittelt und mit den zuständigen Behörden, der örtlichen Gemeinde und dem Landratsamt Rosenheim Kontakt aufgenommen. Trotz des kurzen Vorlaufs von nur einem Tag konnte die Veranstaltung nach den durchgeführten Ermittlungen mit einem starken Kräfteaufgebot der Polizeiinspektion Prien und in Zusammenarbeit vor Ort mit dem Landratsamt Rosenheim ganzheitlich kontrolliert werden.

Von Magnetfeld-Bettauflagen und anderen "Wundermitteln"

Es stellte sich dann schnell heraus, dass es sich wieder um eine klassische Abzocke handelte: Ein 47-jähriger Handelsvertreter aus Cloppenburg, übrigens die Hochburg der betrügerischen Kaffeefahrten, hatte das Publikum, bestehend aus einem guten Dutzend älterer Herrschaften, über mehrere Stunden „bearbeitet“. Er erzählte unter anderem von einer Magnetfeld-Bettauflage und anderen „Wundermitteln“. Die Teilnehmer hatten im Vorfeld die üblichen Einladungen zugeschickt bekommen, auf denen blumige Versprechungen hinsichtlich angeblich wertvoller Geschenke gemacht worden waren.

Moderator war der Polizei schon bekannt

Vor Ort bekamen die Gäste zwar dann das versprochene Mittagessen und auch ein kleines Präsent, das Hauptaugenmerk des einschlägig polizeilich bekannten Moderators lag jedoch auf dem Verkauf seiner Produkte. So pries er die Magnetfeldauflage zu einem Preis von fast 2000 Euro an.

Aber genau in dem Moment, als die Verträge praktisch unterschriftsreif waren, platzten die Einsatzkräfte in den Saal und bewahrten damit einen Teil der Gäste vor einem in dieser Höhe sicher ungerechtfertigten „Schnäppchen“.

Zusammen mit zwei Angestellten des Landratsamtes Rosenheim wurde dann die Veranstaltung beendet und es wurden umfangreiche Durchsuchungs- und Sicherungsmaßnahmen getroffen. Die sichergestellten Unterlagen ließen eindeutig auf eine Vielzahl ähnlicher Veranstaltungen schließen, auch viele bereits ausgefertigte Verträge aber auch eine große Zahl an Beschwerde-/Reklamations- oder Rücktrittsschreiben wurden aufgefunden.

Diese Unterlagen werden nun alle ausgewertet und im Anschluss wird entschieden, ob gegen den Moderator und seine Hinterleute ein Bußgeldverfahren oder gar Strafverfahren einzuleiten ist.

Rechtliche Einstufung von "Kaffeefahrten"

Diese Kaffeefahrten sind rechtlich als sogenannte Wanderlager im Sinne der Gewerbeordnung eingestuft. Die Veranstalter müssten diese, wenn sie sich an die Vorgaben halten würden, 14 Tage vorher bei der örtlich zuständigen Gemeinde anzeigen. In dieser Anzeige wären aber viele Angaben erforderlich, die jedoch die Veranstalter im Vorfeld nicht preisgeben wollen. Zudem ist die reißerische Aufmachung der Einladungen mit den meist versprochenen Geschenken so überhaupt nicht erlaubt. Damit liegt in so gut wie allen Fällen bereits vor Beginn ein Verstoß nach der Gewerbeordnung vor. Die Veranstaltung selbst kann eine Vielzahl von Rechtsverstößen verwirklichen, vom unlauteren Wettbewerb bis zum Betrug um nur zwei Beispiele zu nennen.

Abgesehen davon ist es ohnehin als äußerst verwerflich einzustufen, wenn man auf Rentner so lange einredet, bis sie von der Notwendigkeit eines Kaufs überzeugt sind, der ihren finanziellen Rahmen maßlos übersteigt und das Produkt gar nicht hält, was es verspricht und letztlich der Preis auch nicht gerechtfertigt ist.

Der beste Rat bei derartigen Veranstaltungen ist, erst gar nicht hinzugehen. Ansonsten sollte man dann vor Ort aber unverzüglich die Polizei verständigen, falls etwas nicht mit rechten Dingen zugeht.

Pressemeldung der Polizeiinspektion Prien

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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