Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Markt kauft Geräte für 65.000 Euro

Prien: Knappes Ja zu 16 Luftreinigern für Klassenzimmer – Kritik an staatlichem Vorgehen

  • Silvia Mischi
    VonSilvia Mischi
    schließen

12:10 stimmte der Gemeinderat Prien knapp für den Kauf von 16 Luftreinigungsgeräten für Schulen und Kindertagesstätten. Kritik wurde an der Regierung laut. Man fühle sich im Stich gelassen. Nur die Franziska-Hager-Grund- und Mittelschule erfüllt mit der bestehenden Lüftungsanlage die Kriterien.

Prien – Harsche Kritik am bayerischen Kultusministerium zur Anschaffung von Luftreinigungsgeräten für Schul- und Kindergärten übte Priens Bürgermeister Andreas Friedrich in der jüngsten Gemeinderatssitzung. „Da heißt es vollmundig, man unterstützt die Kommunen voll und dann – Pfiffkas“, wetterte Friedrich. Denn die maximale Förderung von 1750 Euro pro Raum entspreche nicht der Realität. Die Geräte sind teurer, weil bei größeren oder verwinkelteren Räumen entsprechende Kriterien beachtet werden müssen. Ein Gerät mit entsprechender Leistung koste rund 3400 Euro.

Trotz allem keine Garantie für Präsenzunterricht

Was dem Rathauschef dabei eigenen Worten zufolge „besonders stinkt“: „Präsenzunterricht, Lehrstunden ohne Maskenpflicht und Abschaffung des Mindestabstandes sind dadurch nicht gewährleistet.“ Außerdem: Luftreinigungsgeräte würden das Lüften nicht ersetzen.

Gemäß einem Antrag der Priener CSU-Fraktion hatte die Verwaltung die Lüftungsanlage der Franziska-Hager-Grund- und Mittelschule sowie Ausstattung weiterer Kinderbetreuungseinrichtungen geprüft und abgefragt. „Uns ist klar, dass die Lüftungsgeräte kein Allheilmittel sind“, betonte CSU-Fraktionsvorsitzende Anette Resch. Aber: Diese Geräte seien ein Baustein für „ein bisschen mehr Sicherheit und erhöhen den Schutz“.

Sämtliche Einrichtungen überprüft

Basierend auf dem CSU-Antrag hatte die Gemeindeverwaltung nicht nur wie gefordert die Grundschule Prien überprüft, sondern sämtliche Schuleinrichtungen und Kindertagesstätten kontrolliert. Dies geschah in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Ludwig.

Geschäftsführer Andreas Hell stellte das Ergebnis vor. Demnach erfüllt die Franziska-Hager-Grund- und Mittelschule nach der energetischen Sanierung und der vorhandenen dezentralen Lüftungsanlage sogar eine höhere Filterklasse, als die vorgeschriebene Mindestanforderung für derartige Anlagen. „Eine Viren- und Aerosolübertragung über die Umluft ist nach Angaben eines Sachverständigen faktisch ausgeschlossen, wenn der Betrieb der Lüftungsanlage zu 100 Prozent mit Außenluft erfolgt, was bei der Franziska-Hager-Schule der Fall ist“, so Hell.

Grundschule Wildenwart braucht fünf Geräte

Im Kindergarten „Marquette“ müssen die Gruppenräume in der Kindertagesstätte mit mobilen Luftreinigungsgeräten ausgestattet werden. Notwendig sind hier sechs Luftreinigungsgeräte. Dies sind Kosten in Höhe von 24 .200 Euro am Beispiel eines Ulm Air X200 samt Wartungskosten mit Filterwechsel und Co.

In der Grundschule Wildenwart wiederum sind vier Klassenzimmer sowie ein Werkraum nachzurüsten. „Dort besteht keine ausreichende Lüftungsanlage. Im Werkraum genüge aber aufgrund der Größe ein leistungsschwächeres Gerät. Kostenpunkt brutto: rund 19.000 Euro. Drei Luftreinigungsgeräte werden in der Kindergartencontaineranlage „Prievena“ mit zwei Gruppenräumen und einem Spielzimmer erforderlich. Die Kosten liegen hierbei bei circa 12.000 Euro. Der Kinderhort „Wirbelwind wiederum muss für rund 8100 Euro mit zwei Luftreinigern – je eines pro Stockwerk – ausgestattet werden.

Kinder sollen das Geld „wert sein“

Anschaffungskosten von rund 65.000 Euro kommen für die Geräte auf die Marktgemeinde zu. Aufgrund des staatlichen Förderprogramms sei mit einem maximalen Zuschuss von 28.000 Euro auszugehen. Neben den verbleibenden 37.000 Euro bleibt die Kommune zudem auf den Wartungskosten sitzen. „Diese sind nicht förderfähig“, erklärte Hell.

Resch befand, dass „uns die Kinder diese 35.000 Euro wert sein sollten“. Dem stimmte ihr Parteikollege Ludwig Ziereis zu. Er bedauerte aber, dass der Liegenschaftsreferent nicht zu den Überprüfungen mitgenommen wurde und erhielt auf die Frage, ob die zehn Jahre alte Anlage in der Franziska-Hager-Schule regelmäßig gewartet sei und funktionieren würde ein einhelliges Ja aus der Verwaltung.

Angebote und Kosten prüfen

Sepp Schuster (AfD) erkundigte sich, warum man diese Beispielgeräte nehmen würde und ob es keine günstigeren gebe. Bürgermeister Friedrich hierzu. „Wir werden Angebote von verschiedenen Firmen einholen. Die Preise variieren nach Raumgröße. Wir müssen aber eine Umwälzung des sechsmaligen Luftvolumens bei maximal 40 Dezibel schaffen. Das schränkt bei der Auswahl der Angebote ein.“

Der Rathauschef wehrte zudem den Vorschlag von Michael Voggenauer (FW/FWB) auf Kauf einer CO2-Ampel als Anzeige, wann gelüftet werden muss, mit einer einfachen Begründung ab: „Die Ampeln sind in den Klassenzimmern schon im Einsatz.“

„Rausgeschmissenes Geld und steigende Stromkosten“

Als „rausgeschmissenes Geld“ bezeichnete indes Johannes Dreikorn (CSU) die Anschaffung der Luftreinigungsgeräte. „Fenster auf und zu. Das kann doch jeder. Und das braucht es ja zusätzlich zu den Geräten auch noch. So steigen durch die Geräte die Stromkosten und auch die Energiebilanz“, monierte er.

Knapp, mit 12:10-Stimmen, gab der Gemeinderat letztlich aber grünes Licht für die Beschaffung der insgesamt 16 Luftreinigungsgeräte.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Annette Riedl (Symbolbild)

Kommentare