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Prien setzt auf Holz statt Öl

Fernwärmeleitungen für das Hackschnitzelheizwerk werden schon verlegt

Während die Energiepreise steigen und die Diskussionen um den Klimawandel von der Erderwärmung beständig befeuert werden, verfolgt die Marktgemeinde Prien konsequent den Bau des Hackschnitzelheizwerks.

Prien – In seiner jüngsten Sitzung vergab der Marktgemeinderat nun einstimmig die Aufträge für den Hackschnitzelkessel und die Übergabestationen. Auch an anderen Stellen lodern bereits Feuer zur alternativen Energieversorgung, um Öl zu ersetzen und Kohlendioxid einzusparen.

Rohrnetz wächst ins Gewebegebiet

„Rohrleitungen sind verlegt, der erste Bauabschnitt ist fertig“, erklärt Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Derzeit würden im zweiten Bauabschnitt Heizrohre ins Gewerbegebiet Am Reitbach verlegt. „Wir haben so viel Holz in unseren Wäldern liegen, warum sollen wir das nicht nutzen?“, so der Priener Rathauschef. Er ergänzt: „Für die Waldbauern ist das ein sicherer Absatzmarkt.“

Dabei hatten die Priener vor ziemlich genau zehn Jahren einer großen Lösung bei einem Bürgerentscheid noch eine Absage erteilt und das damals geplante Holzheizkraftwerk Am Reitbach abgelehnt. Es hätte Nahwärme für 3000 und Strom für 2100 Einfamilienhäuser erzeugen sollen. Die Kosten für den Bau des Werks waren damals auf 13,5 Millionen Euro geschätzt worden.

„Ich glaube, dass heute viele anders über das Thema denken“, mutmaßt Friedrich und macht dies an den vielen Anfragen fest, die das Rathaus bezüglich der jetzt vorgesehenen Fernwärmeversorgung erreichen. Dennoch betont er: „Es kommt nicht zur Neuauflage des Mammutprojekts.“

Das ist auch der Grund, warum die Marktgemeinde manchen Anschluss-Wünschen gar nicht nachkommen kann, denn die Möglichkeiten sind vom Ortseingang her auf das Gebiet westlich der Bernauer Straße und das Gewerbegebiet Am Reitbach bis zur Waldorfschule im Norden und Richtung Trautersdorf eingegrenzt.

Das jetzt geplante Hackschnitzelheizwerk wird die gemeindlichen Einrichtungen wie Bauhof samt Gärtnerei, Klärwerk und Feuerwehr versorgen. Entstanden war die Idee laut Bürgermeister, weil dort sowieso veraltete Heizungen ausgetauscht werden müssen.

Nachbarn bekundeten Interesse am Anschluss

Aus einer ursprünglich kleiner angedachten Lösung entwickelte sich im vergangenen Jahr eine etwas größere. In unmittelbarer Nachbarschaft hätten der Landkreis mit seinen größeren Gebäuden, geplante Wohnhäuser in Trautersdorf, das LKZ, die Kampenwandschule und auch die Caritas für den geplanten Neubau des Altenheim St. Josef in der Bauernberger Straße bereits Interesse um Anschluss bekundet. Auf dem Weg entlang der Fernwärmeleitung könnten auch noch Privatleute anschließen.

Die Kosten für das Hackschnitzelheizwerk belaufen sich laut Friedrich für Heiztechnik und die beiden Gebäude laut aktueller Schätzung auf 2,5 Millionen Euro. Zusammen mit damit verbundenen Arbeiten an Kanal und Wasserleitungen kämen etwa 3,6 Millionen Euro zusammen. Denn dort, wo die Straßen für die Fernwärmeleitung sowieso aufgerissen werden müssen, würden bestehende Netze erneuert und auch gleich Leerrohre für den Glasfaserausbau verlegt.

Bautechniker Tobias Kollmannsberger von der Rathausverwaltung erklärt, dass das heiße Wasser über die Leitungen aus dem Heizwerk komme. An Übergabestationen gelange die Wärme in den Heizkreislauf der Häuser. Die Umbauten im Haus seien überschaubar, die Funktion des Ölbrenners werde vom Wärmetauscher ersetzt, weiter müsse sich der Eigentümer um nichts mehr kümmern.

850 Tonnen CO2-Einsparung

Die Inbetriebnahme des Hackschnitzelheizwerks sei für September nächsten Jahres vorgesehen, erklärt der Bürgermeister weiter. Eine erneute Ausschreibung hatte den Baubeginn um ein Jahr verzögert. Am Ende werde das Wärmenetz 3000 Meter lang sein für Vor- und Rücklauf. Etwa 5400 Schüttraummeter Holz würden pro Jahr benötigt. Das spare 330 000 Liter Heizöl und damit circa 850 Tonnen Kohlendioxid ein.

Indessen treiben den Bürgermeister bereits Gedankenspiele für ein mögliches nächstes Projekt um, denn beim Haus des Gastes und im Chiemsee Saal müsse mittelfristig auch über eine neue Heizanlage nachgedacht werden. Hier sei man noch am Ausloten, aber auch dort könne mit Nachbarn über eine gemeinsame Lösung nachgedacht werden.

Definitiv vorgesehen seien die neue Pelletsheizung für den Jugendtreff im nächsten Jahr und beim Neubau des Kinderhorts sei vorgesehen, an die Hackschnitzelheizung von Zimmerer Markus Stocker anzuschließen. Als „mustergültig“ bezeichnet Friedrich zudem das Engagement der Chiemseeschifffahrt, die als einer der größten Betriebe am Ort ebenfalls auf alternative Energien setze.

200000 Euro eingespart:

Der Marktgemeinderat Prien vergab in seiner jüngsten Sitzung einstimmig zwei Aufträge für das Hackschnitzelheizwerk. So erhielt die Firma Urbas aus dem österreichischen Völkermarkt den Zuschlag für den Hackschnitzelheizkessel zu einem Preis von rund 543 000 Euro. Laut Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) hatte die Marktgemeinde die erste Ausschreibung aufgehoben und mit allen Anbietern nachverhandelt. Zuerst lag das günstigste Angebot eines Bieters um 200 000 Euro höher. Die Kostenschätzung sei bei 530 000 Euro gelegen. Das jetzige Angebot der Firma Urban nannte Friedrich „akzeptabel“ und „vernünftig“. Der zweite Auftrag betraf die Übergabestationen. Diese werden nun von der Firma Aqotec aus Weißenkirchen im Attergau zu einem Preis von rund 171 000 Euro geliefert. Von sechs angeschriebenen Firmen sei dies das einzige Angebot gewesen. Die Kostenschätzung lag hier bei 210 000 Euro.

Solarstrom und Holzheizung bei der Chiemsee-Schifffahrt:

Großflächige Photovoltaik-Anlagen befinden sich auf den Werfthallen der Chiemsee-Schifffahrt. Gesellschafter Michael Feßler erklärt auf Nachfrage der Chiemgau-Zeitung, dass die im Jahr 2007 errichteten Anlagen damals die größten im Landkreis Rosenheim gewesen seien. Sie produzierten über 230 Kilowatt Peak Solarstrom. Seit 2012 werde das Brauchwasser für die Duschen im Mannschaftsgebäude über Solaranlagen erwärmt. In den Jahren 2017/18 sei auf eine Hackschnitzelheizung umgerüstet worden und über Fernwärmeleitungen würden damit sämtliche Gebäude am Hafen in Prien-Stock beheizt, so Feßler. Beim Büro-Neubau vor vier Jahren seien ebenfalls Photovoltaik-Anlagen errichtet worden. Auch die Abwärme aus den Kühlanlagen werde fürs Brauchwasser verwendet. Warum das alles? „Wir halten das für sinnvoll“, darauf Feßler.

Insellösung für Betrieb und Nachbarn bei der Zimmerei Stocker:

Der Priener Zimmerermeister und Bautechniker Markus Stocker versorgt nicht nur seinen eigenen Betrieb in der Jensenstraße 2 mit aus seiner Hackschnitzelheizung erzeugten Wärme, sondern auch Nachbarn und den künftigen Kinderhort bei der Franziska-Hager-Mittelschule. Im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung berichtet er, dass er heuer noch 500 Meter Fernwärmeleitung verlegen werde. Der Neubau an der Jensenstraße 8 und jeweils zwei Häuser in der Angerweidach- und der Wopfnerstraße würden von ihm versorgt. Er plane, eine zweite Heizanlage zu bauen, schließlich müsse er den angeschlossenen Kunden Versorgungssicherheit garantieren, erzählt der 33-Jährige. „Wenn alle, die zugesagt haben, draufschließen, versorge ich nächstes Jahr 31 Wohneinheiten.“ Anfangs habe er nur mit zwei oder drei Nachbarn gerechnet, doch das Ganze entwickle sich zum Selbstläufer.

Rubriklistenbild: © Armin Weigel / dpa

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