Auch bei der Bürgerversammlung

Debatten um geplante Jugendherberge reißen nicht ab

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Priens Bürgermeister Jürgen Seifert stand Rede und Antwort.
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Prien - Bürgermeister Jürgen Seifert stand den Priener Bürgern am Donnerstag in der alljährlichen Bürgerversammlung im König-Ludwig-Saal Rede und Antwort. Vor allem der geplante Bau einer neuen Jugendherberge an der Osternacher Straße sorgte für Gesprächsstoff.

Knapp 90 Minuten erläuterte Jürgen Seifert die Themen, die den Gemeinderat 2017 beschäftigten. Besonders freute den Bürgermeister die Umgestaltung der Parkplätze und Gehwege an der Marienapotheke im Rahmen der Städtebauförderung. "Der Platz nimmt die Besucher auf und lädt zum Verweilen ein", so Seifert. Auch die neue Galerie mache was her und verzeichnete 2017 einen Besucherrekord.

Langwierige Diskussionen im Rathaus habe die Sanierung der Bahnsteigdächer ins Rollen gebracht. Da das Material von der ersten Lokomotive stamme, die in Bayern fuhr, müsse man die Dächer unbedingt erhalten. Die Gemeinde habe über Jahre dafür gekämpft und kürzlich einen Erfolg verbuchen können, erklärt Seifert. So werden die Dächer voraussichtlich im Sommer in die Denkmalschutzliste aufgenommen, die Kosten für die Sanierung fielen in diesem Falle dem Eigentümer zu - also der Deutschen Bahn AG.

Beim Bau des Minikreisels ging alles schief

Brisant sei der Bau des neuen Minikreisels an der Ecke Seestraße/Hochriesstraße abgelaufen. Beim Bau des Kreisels sei beinahe alles schief gelaufen, was schief laufen konnte. Am ersten Tag stellten die Bauarbeiter fest, dass die Oberflächenentwässerung nicht an das Kanalsystem angeschlossen war. Am dritten Bautag gab das Erdreich aufgrund eines Hohlraumes unter dem Erdreich nach. Ein Bagger beschädigte eine Gasleitung. Zudem seien die Rabattensteine nicht befestigt gewesen, sodass sie umfielen und kurz vor Ende der Fertigstellung verlangsamte der Schnee die Abschlussarbeiten. 

Trotz der vielen Pannen schaffte es die Gemeinde die Baumaßnahmen innerhalb zwei Wochen abzuschließen. Knapp 140.000 Euro kostete der Minikreisel die Gemeinde bisher, im Frühjahr würden noch die Zebrastreifen um den Kreisel eingefräst, so Seifert weiter. Auch die Radfahrregelung zwischen dem Kreisel an der Seestraße und dem Minikreisel soll im Frühjahr erneutert werden, versprach Seifert auf die Anfrage eines Bürgers hin.

Sehr positiv nahmen die Priener den neuen Steg an der Polizeiwache am Chiemsee an. Auch ein Bürger sprach dem Bürgermeister und der Gemeinde in der anschließenden Fragerunde dafür sein Lob aus. 

Für das laufende Jahr sind wieder einige größere und große Maßnahmen geplant:

  • In Eglwies soll ein Wohnquartier mit 25 Wohneinheiten in bester Lage für "Normalverdiener" entstehen.
  • Die umstrittene Sanierung der Kampenwandstraße wird in Angriff genommen. Drei Bauabschnitte seien dafür angesetzt, die - unabhängig von der aktuellen Diskussion um die Abschaffung der Ausbaubeitragssatzung - durchgeführt werden. Denn bei einer Ersterschließung würde die neue Regel auch nicht greifen. Im März soll mit Bauabschnitt 1 begonnen werden, dieser erstrecke sich von der Bernauerstraße bis zur Spitzsteinstraße (Bauabschnitt 2 von der Spitzsteinstraße bis zur Linde 2019; Bauabschnitt 3 Ost – West Teil der Kampenwandstraße 2020). Auf die Frage eines Anwohners ergaben sich Beispielkosten pro Person von 4.000 bis 6.000 Euro für eine Reihenhauswohnung auf Baukosten von insgesamt etwa 639.000 Euro.
  • Auch die Mauer am Brucker Kreisel wird im Frühjahr saniert. "Weder Erdreich noch Wasser werden so wie sie ist ausreichend zurückgehalten", begründet der Bürgermeister die notwendige Baumaßnahme.
  • Im Zuge der Städtebauförderung wird auch mit der Umgestaltung des Bahnhofsareals begonnen. Da die Deutsche Bahn als Eigentümer ihre Einwilligung zu den Maßnahmen erteilen muss, werde vorerst nur auf exterritorialem Gebiet saniert.

Über eine gefährliche Bushaltestelle in Ernstdorf beklagte sich ein Anwohner. "Die Stelle ist für die Kinder gefährlich, die Straße verengt, einen Fußgängerüberweg gibt es auch nicht." Er wünsche sich eine neue Haltestelle, die Gemeinde komme hier ihrer Schulwegsicherung nicht nach. Seifert erklärte, dass der Platz für eine Parkbucht fehle. Die Haltestelle werde also vorerst an üblicher Stelle beleiben, die Gemeinde wolle jedoch nach einer Lösung suchen und sich "kundig machen".

Brennpunkt: Jugendherberge

Am meisten bewegte die Priener der geplante Bau einer Jugendherberge. Das Jugendherbergswerk möchte für knapp 13,5 Millionen Euro eine Herberge mit 200 Betten auf den Pferdeweiden in Prien/Stock errichten. Die Partei "Bürger für Prien" sammelte bereits im zweiten Anlauf Unterschriften gegen den Bau. Das erste Bürgerbegehren scheiterte an der rechtlichen Prüfung. Erst kürzlich hatten die Verantwortlichen bei einer Info-Veranstaltung für das Projekt geworben, es leiste "einen wichtigen Beitrag für die Regionalwirtschaft und Gemeindeentwicklung". Doch da sich über 1.000 Bürger mit ihrer Unterschrift gegen den Bau aussprachen, wurde ein zweiter Anlauf genommen

Eine Bürgerin sprach sich bei der Versammlung klar gegen die Jugendherberge aus: "Es ist völlig unverständlich, dass ein sensibles Stück Natur geopfert wird!" Auf ihre Frage, ob sich die Baumaßnahmen auf das westlich angrenzende Gebiet bis zur Birkenstraße auswirken würden, antwortete Seifert, dass bisher alle Bauvoranfragen dieses Gebiet betreffend im Gemeinderat einstimmig abgelehnt worden seien. "Auch der Fußweg ist mit dem Bau zum ersten Mal rechtlich gesichert.", äußert Seifert. 

Eine weitere Priener Bürgerin sprach sich klar für eine Jugendherberge, aber gegen den Standort an der Osternacher Straße aus und erntete dafür regen Applaus. Auch am alten Standort seien die Kernkompetenzen für eine Jugendherberge gegeben, "Kosten sind auch Landschaft". Der alte Standort sei nicht geeignet, konterte der Bürgermeister, ein Neubau sei dort nicht möglich. Kommende Woche werde die neue Unterschriftenliste eingereicht. Die Meinung der Priener sei der Gemeinde wichtig, "wir hoffen auf Unterstützung beim Bau, aber lassen die Bürger entscheiden."

Zahlen und Fakten:

  • Die Gemeinde zählt 11.051 Einwohner, 693 Personen haben ihren Zweitwohnsitz in Prien gemeldet. 910 Zuzüge stehen 700 Wegzügen gegenüber.
  • Es gab 2017 drei Geburten in Prien und 75 Priener Kinder erblickten das Licht der Welt. 
  • 233 Sterbefälle und 91 Eheschließungen zählte die Gemeinde.
  • 30 nicht anerkannte Asylbewerber/Familien und 78 anerkannte Asylbewerber/Familien verteilen sich auf die drei Flüchtlingsunterkünfte. 
  • Die Pro-Kopf-Verschuldung zum 31. Dezember liegt bei rund 550 Euro. Dies sind 136 Euro bzw. 20 Prozent weniger als der Landesdurchschnitt vergleichbarer Gemeinden.

Quelle: rosenheim24.de

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