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Priener Existenzgründer im Süd-Sinai: Ehepaar wird Wassersport-Anbieter in Ägypten

Das Ehepaar Hoda aus Prien hat sich ins südägyptische Dahab verliebt und will für immer dort heimisch werden.
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Das Ehepaar Hoda aus Prien hat sich ins südägyptische Dahab verliebt und will für immer dort heimisch werden.

„Ich wander aus!“ Wer hat das nicht schon mal laut gedacht, wenn ihm alles zu viel geworden ist? Es wirklich zu tun, ist aber etwas ganz anders. Ein Priener hat es getan. Und hat im Süd-Sinai gleich eine Firma für eine Wassersportart gegründet, die (noch) kaum jemand kennt. Es ist eine Geschichte von glücklichen Zufällen, Mut, Phantasie, hilfsbereiten Menschen, Sonne und Meer.

Prien – Eigentlich wollten Yvonne und Fred Hoda 2009 nur Sonne, Sand und Meer. Aber ihr erster Urlaub in Dahab an der Südspitze der ägyptischen Sinai-Halbinsel wurde völlig ungeplant der Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Mehrere zufällige Wendungen führten dazu, dass die Hodas dort landeten, wo ihnen heute ein kleines, von außen eher unscheinbares Häuschen mitten in einem Beduinen-Viertel gehört.

Das erste Hotel damals war ein Reinfall. Ungeziefer und Dreck ließen das Paar aus Prien gleich wieder ins Taxi steigen. Der Fahrer wusste Rat, er bot den kurzzeitig verzweifelten Urlaubern aus Bayern eine private Unterkunft an.

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Zufallsunterkunft der Priener wird wichtig

Land und Leute haben es Yvonne und Fred Hoda von Anfang an angetan. „Wir hatten kein Geld auf der hohen Kante und überhaupt nicht vor, zu investieren“, erinnert sich der heute 61-Jährige. Er lobt die Einheimischen und die Region in den höchsten Tönen: „Die Menschen dort sind ehrlich, sehr gastfreundlich, herzlich und sehr zuverlässig.“

Die Zufallsunterkunft vom ersten Trip gehört heute den Hodas. Sie sind nicht die einzigen Ausländer, die den kleinen Badeort eine Autostunde von Sharm el Sheikh entfernt als Alterssitz auserkoren haben. Hodas Nachbar ist ein ehemaliger deutscher Polizist, ein paar europäische Zahnärzte, ein Gynäkologe und eine holländische Lehrerin wohnen in der gleichen Straße. Das Frühstück holt Fred Hoda mit dem Motorroller bei „Ralf German´s Bakery“ – bairische Brezn inklusive.

Mehre Urlaube in Dahab

Mit jedem Urlaub mehr in Dahab reifte bei den Hodas der Gedanke, dort sesshaft zu werden. Die Hitze machte den Europäern nichts aus, die bis zu 42 Grad im Sommer ließen sich aushalten, denn am Meer bläst immer ein kühlender Wind. Wenn es ganz arg wurde, schlief Fred Hoda eben draußen, „bis morgens der Muezzin ruft“.

Die Hodas kauften ihre Unterkunft und bauten sie Stückchen für Stückchen um. Hoda gerät heute noch ins Schwärmen, wenn er von dem Können und der Zuverlässigkeit ägyptischer Handwerker erzählt. Da kam der Fliesenleger, den ihnen ein einheimischer Freund vermittelt hatte, schon mal zwölf Stunden mit dem Bus angereist, um das Bad zu verschönern.

Yvonne und Fred Hoda (hinten unten) beim „DolphinDiving“ im Meer von der Sinai-Halbinsel. 

Und weil der Wahl-Priener Fred Hoda niemand ist, der einfach nur die Füße in den warmen ägyptischen Sand steckt, reifte der Gedanke, eine kleine Wassersportfirma zu gründen.

Zufall führt mehrmals Regie

Für den ehemaligen Fallschirmspringer, der zuletzt als Designingenieur für Fallschirmtechnik bei einem großen Unternehmen in Fürstenfeldbruck gearbeitet hatte, bot sich eigentlich etwas an, wo er seine Kenntnisse von Stoffen nutzen konnte. Kitesegel reparieren zum Beispiel.

Aber wieder hatte der Zufall einen anderen Plan. 2019 saß in einem Restaurant in Dahab am Nebentisch der Hodas eine Familie. Sie kamen ins Gespräch und die Priener wurden zum „Coral Surfing“ eingeladen. Ein Boot zieht an einem Seil ganz langsam einen Taucher hinter sich her, der sich knapp unter der Wasseroberfläche an einem Kunststoff-Flügel festhält und seine Tauchbahn durch leichte Flügelbewegungen steuern kann. Ein Begleiter filmt diesen Unterwasser-Ritt aus einiger Entfernung mit einer wasserdichten Kamera.

Priener platziert Videos und Fotos

Hoda begann zu experimentieren und erste Fotos und Videos ins Netz zu stellen – noch ziemlich verwackelt. Als er bei Ebay spezielle Kamerahalterungen kaufte, meldete sich bald niemand anderes als der Erfinder der „Subwings“, wie diese Flügel heißen – Simon Sivertsen aus Norwegen. Er war auf den Deutschen aufmerksam geworden, der da offensichtlich auf der „Subwing“-Welle mitreiten wollte und bot seine Unterstützung an.

Dina Garib ist Hodas erste Mitarbeiterin vor Ort. Sie filmt die Unterwasserausflüge.

„Mister Fred“, wie viele Einheimische ihn respektvoll nennen, war spätestens da Feuer und Flamme. Seitdem reift sein Firmen-Traum von Urlaub zu Urlaub. Immerhin schafften es die Hodas in den vergangenen Jahren durch geschickte Planung, etwa fünfmal im Jahr für eine Woche nach Dahab.

Existenzgründung in Ägypten

Jetzt ist der 61-Jährige soweit, den Hauptwohnsitz zu wechseln, um die neue Existenz endgültig auf festen ägyptischen Boden zu stellen. Am 9. April wird es soweit sein. Seine Frau, mit der er im Februar das nächste Mal eine gute Woche in den Sinai fliegen will, muss noch ein paar Jahre durchhalten, bevor sie ihren Job im Sozialamt der Marktgemeinde Prien endgültig gegen den beim „DolphinDiving“ eintauschen kann.

Der Name soll nicht irreführen, betont Hoda. Er bezieht sich auf die wellenartigen Bewegungen am Flügel unter Wasser, die denen von Delphinen ähneln.

Deshalb haben die Hodas ihr ungewöhnliches Start-Up „DolphinDiving – Feel free like a dolphin“ getauft – und ziehen es professionell auf. Es gibt schon eine Webseite, Werbefilme im Netz, Aufkleber und Kühlschrankmagneten mit dem Firmenlogo – und ganz frisch auch zwei Info-Points vor Ort. In einem Restaurant und einem Shop, die beide einheimischen Freunden der Hodas gehören, können sich Urlauber über „DolphinDiving“ informieren.

Zwei Mitarbeiter hat Fred Hoda auch schon eingestellt für Promotion, als Bootsführer und „Instructor“, also sozusagen Einweiser in die Technik der „Subwings“. Bald soll ein dritter Einheimischer zum Team dazukommen. Im Frühjahr will die Firma richtig durchstarten, sogar für die Transfers zum Flughafen in Sharm el Sheikh in klimatisierten Kleinbussen befreundeter Ägypter sind schon organisiert.

Fernsehauftritt rückt näher

Hoda ist beim Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen während seines Heimaturlaubs zum Jahreswechsel in jeder Sekunde die Begeisterung für den neuen Lebensabschnitt fernab der Heimat anzumerken. Das steckt an – auch Leute vom Fernsehen. Die Hodas haben gerade die zweite Runde der Vorauswahl für die nächste Staffel der VOX-Doku-Serie „Goodbye Deutschland – Die Auswanderer“ mit Bravour über standen.

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