Fußballer schildert brutalen Messerangriff bei Frasdorf

"Kampf auf Leben und Tod": Es ging dem Täter wohl um das Auto des Opfers

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Auf diesem Parkplatz im Raum Frasdorf kam es zu dem brutalen Messerangriff.

Frasdorf/Prien - Es waren Szenen wie aus einem Horrorfilm, die ein Fußballer des TuS Prien auf der Heimreise aus der Schweiz in den Chiemgau erlebt hat. In der Nacht auf 28. Januar wurde er von einem Mitfahrer auf einem Parkplatz bei Frasdorf brutal mit einem Messer angegriffen.

UPDATE, Dienstag, 6 Uhr:

Beim zwischenzeitlich gestohlenen Auto, mit dem der Täter nach München floh, handelt es sich um einen neuen Mercedes. Der schwer verletzte 19-Jährige hatte im Gespräch mit rosenheim24.de bereits den Verdacht geäußert, dass die Tat geplant und es dem Täter von Anfang an um das Auto des Opfers gegangen sei. 


Der Vorbericht:

Nun hat sich der 19-Jährige mit rosenheim24.de über die schrecklichen Ereignisse unterhalten. Ausgangspunkt war, dass der junge Mann Anfang vergangener Woche in die Schweiz gefahren war, um an einer Aufnahmeprüfung für eine Ausbildung zum Verkehrspiloten teilzunehmen. Diese fand am Montag, 27. Januar, in Zürich statt. Für die Rückfahrt mit dem Auto suchte er auf einem bekannten Internetportal nach Mitfahrern. Zwei junge Menschen meldeten sich.

Man verabredete sich und fuhr gemeinsam Richtung Deutschland. Einer der Mitfahrer stieg in München aus, der andere wollte ebenfalls ins Chiemgau. Mitten in der Nacht, kurz vor 1.30 Uhr am Dienstagmorgen, 28. Januar, kurz vor der Anschlussstelle Frasdorf verlangte der Mitfahrer vom 19-Jährigen dann plötzlich, die A8 zu verlassen. "Der Täter meinte plötzlich, dass er dringend pinkeln müsse", erzählte das Opfer im Gespräch mit rosenheim24.de.


"Die Tür ging auf und er ging auf mich los"

Die brutale Tat passierte dann wie aus dem Nichts. "Während der Fahrt war der Täter völlig normal und freundlich. Der Angriff kam deswegen total überraschend", so der 19-Jährige, der gerade in sein Navi schaute, als der Täter nach der Pinkelpause ins Auto zurückkam und dabei plötzlich ein langes "Kampfmesser" in der Hand hielt. "Plötzlich ging die Tür auf und er ging auf mich los. Er hat dann gleich auf mich eingestochen und mich auch gewürgt", so der Fußballer. Er bekam einen Stich in den Hals, einen in den Bereich des Knies und mehrere in die Unterarme beziehungsweise Hände, als er sich zu schützen versuchte. "Es entwickelte sich ein Kampf auf Leben und Tod", zeigte sich der 19-Jährige immer noch sichtlich geschockt. Das Messer war vorher vermutlich in der Jacke des Täters versteckt.

Während des Würgeangriffs geriet dann der Finger des Täters in den Mund des Opfers - das geistesgegenwärtig reagierte und sofort fest zubiss. Daraufhin ließ der Täter kurzzeitig von seinem Opfer ab und der 19-Jährige konnte sich abschnallen und aus dem Auto flüchten. Anschließend lief ihm der Täter mit dem Messer sogar noch hinterher, ehe ein anderes Auto an den Tatort kam und dem Opfer so möglicherweise das Leben rettete.

Versuchtes Tötungsdelikt bei Frasdorf: Bilder vom Tatort

Auf diesem Seitenstreifen soll in der Nacht von Montag auf Dienstag ein 18-Jähriger versucht haben, einen 19-jährigen Mann zu töten.  © Josef Reisner
Auf diesem Seitenstreifen soll in der Nacht von Montag auf Dienstag ein 18-Jähriger versucht haben, einen 19-jährigen Mann zu töten.  © Josef Reisner
Auf diesem Seitenstreifen soll in der Nacht von Montag auf Dienstag ein 18-Jähriger versucht haben, einen 19-jährigen Mann zu töten.  © Josef Reisner
Auf diesem Seitenstreifen soll in der Nacht von Montag auf Dienstag ein 18-Jähriger versucht haben, einen 19-jährigen Mann zu töten.  © Josef Reisner
Auf diesem Seitenstreifen soll in der Nacht von Montag auf Dienstag ein 18-Jähriger versucht haben, einen 19-jährigen Mann zu töten.  © Josef Reisner
Auf diesem Seitenstreifen soll in der Nacht von Montag auf Dienstag ein 18-Jähriger versucht haben, einen 19-jährigen Mann zu töten.  © Josef Reisner

"Fremdes" Auto als Lebensretter

Das Opfer konnte sich in den Fond des hinzukommenden Wagens, der mit einem Pärchen aus Österreich besetzt war, flüchten. Der Täter ergriff unterdessen mit dem Wagen des Opfers die Flucht und brauste davon. Später stellte er sich der Polizei in München. Über das genaue Tatmotiv, zu dem die Polizei bislang keine Angaben machte, kann nur spekuliert werden. Das Opfer hat jedoch einen Verdacht, warum ihn der Täter zu dem abgelegenen Parkplatz auf der schwach befahrenen Landstraße lotste: "Ich denke, die Tat war geplant und es ging ihm von Anfang an um mein Auto!"

Im Auto seiner "Retter" hatte der junge Fußballer dann das Glück, dass die Frau ausgebildete Sanitäterin war und ihm so sofort bestens helfen konnte. Notarzt und Polizei wurden verständigt. "Gefühlt hat das ewig gedauert, aber in Wahrheit waren es wohl nur 15 oder 20 Minuten", so der 19-Jährige, der anschließend professionell versorgt und ins Krankenhaus nach Rosenheim gefahren wurde.

Dort wurde er nach eigenen Angaben sofort notoperiert. Vor allem die Verletzungen der rechten Hand waren bzw. sind richtig schlimm. "Der Täter hat mir mit dem Messer fast die rechte Hand abgetrennt. Das hing alles am seidenen Faden", so der 19-Jährige. Bis er seinen kleinen Finger wieder spüren könne, kann es laut den Ärzten bis zu einem Jahr dauern.

Positive Signale und gute Nachrichten

"Ich hatte vergangenen Freitag nochmal eine Operation an der Hand. Aber inzwischen geht es mir Gott sei Dank schon wieder recht gut", so der 19-Jährige, der bereits wieder sehr positiv in die Zukunft blickt und auch ein großes Ziel vor Augen hat. Am 3. April steht das Spitzenspiel der Kreisliga zwischen Westerndorf (Erster) und Prien (Tabellenzweiter) auf dem Programm. Dort will er unbedingt dabei sein und nach Möglichkeit sein Debüt im TuS-Dress feiern. Zu wünschen wäre es ihm angesichts des Alptraums sehnlichst.

Übrigens: Auch aus Zürich bekam der 19-Jährige, der unbedingt Pilot werden möchte, inzwischen positive Nachrichten. "Ich habe drei, vier Tage nach der Prüfung eine E-Mail erhalten, dass ich bestanden habe. Das hat mir Kraft und Trost gespendet!"

mw

Quelle: rosenheim24.de

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