Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Das Leben der Bäume

Riesen, Zwerge und Exoten mitten in Prien

Sie sind alt, groß und klein, extravagant oder unscheinbar: besondere Bäume in Prien. Unter anderem sorgen ein interessierter Gärtner und ein Baumliebhaber dafür, dass es an Vielfalt nicht mangelt.

Prien – Alte Riesen und Exoten umgeben uns – aber wie oft nehmen wir uns die Zeit, ihre Erscheinung zu würdigen? Die Rede ist von Bäumen, denen der Bund Naturschutz (BN) das ganze Jahr 2021 gewidmet hat. Eine Baumwanderung der BN-Ortsgruppe nahm kürzlich eine Gruppe Interessierter mit auf Entdeckungstour durch Prien, wo es einiges zu bestaunen gab. Zum Beispiel Mammutbäume.

Ein Nordamerikaner in Oberbayern

Gleich mehrere gibt es dem Naturschützer Gerhard Märkl zufolge in Prien: In der Nähe des Wasserwachtbootshauses hinter dem Prienavera, und ein prächtiger „Sequoiadendron giganteum“, so sein Lateinischer Name, am Kneippbecken im Kleinen Kurpark. Gerd Schmidbauer, Leiter der Gemeindegärtnerei, weiß, wie der Nordamerikaner dort hingekommen ist: „Ich habe ihn selbst gepflanzt, das war 1991. Ich wollte einfach mal sehen, wie sich so ein Mammutbaum bei uns entwickelt, nachdem ich ein schönes Exemplar im Garten meines Nachbarn gesehen hatte.“ Sein Fazit nach 30 Jahren Mammutbaum-Pflege: „Er macht sich gut.“

Ein Holz, das nicht brennt

Auch Naturführer Märkl hat bei seiner Baumwanderung Halt im Kleinen Kurpark gemacht. Er weiß, dass Mammutbäume bereits vor der Eiszeit in Europa heimisch waren, aber erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in Mitteleuropa als Park- und Landschaftsbaum sowie in Versuchsanbauten für die Forstwirtschaft eingesetzt wurde. Ist der Sequoia in seinem natürlichen Verbreitungsgebiet vom Aussterben bedroht und steht unter Naturschutz, ist das in unseren Breitengraden höchstens der Fall, wenn der Baumriese schon mächtig in die Jahre gekommen ist.

„Ich finde Mammutbäume faszinierend, weil ihr Holz nicht brennen kann“, sagt Märkl, und kommt auf den Mammutbaum im Breitbrunner Ortsteil Wolfsberg zu sprechen, über den 2019 auch die Chiemgau-Zeitung berichtete, weil ihn der Blitz getroffen hatte. Der 1890 gepflanzte und damals 40 Meter hohen Baum wurde so zwar auf 15 Meter gestutzt, brannte aber nicht. Baumkunde-Experten machen dafür die bis zu 60 Zentimeter dicke Rinde der Riesenbäume verantwortlich.

Ein „hysterischer“ Baum

Auch im Garten von Rechtsanwalt. Dr. Heinrich Thomas Wrede in Prien steht ein Mammutbaum – „er ist sogar noch höher als der im Kleinen Kurpark“, schmunzelt er, und schätzt ihn auf gute zwölf Meter. Ein Zwerg für seine Gattung eigentlich, dabei ist der Kleine schon 43 Jahre alt: „Wir haben ihn 1978, als wir unser Haus bezogen, gepflanzt“, erzählt Wrede. Der Baum gedeihe prima, sei aber leider ein wenig „hysterisch“ und werfe gern mal einen seiner kräftigen Äste ab, wenn ihm etwas nicht passe. Dem gelte es dann mit der Säge vorzugreifen, bevor noch was aufs Dach falle.

Alle Bäume in Wredes Garten werden geliebt, gehegt und gepflegt. Besonders der Ginkgo ist den Wredes ans Herz gewachsen: „Er war ein Geschenk zum Einzug.“ Bekommen hat ihn seine Frau Dr. Helga Wrede-Burger, Ärztin, von einer Pharmareferentin, die Ginkgo-Produkte vertrieb. Zum Glück habe die Frau zu einem männlichen Exemplar gegriffen, denn der weibliche Ginkgo bildet extrem unangenehm riechende Blütenstände aus.

Die viele Mühe wird auch belohnt

Das Ehepaar hat noch weitere Gewächse, die Aufmerksamkeit fordern, aber auch das Auge der Gartenbesitzer erfreuen. Einen Amberbaum etwa, der in seiner Heimat Nordamerika wegen seines kaugummiähnlichen Harzes auch „Sweet Gum“ genannt wird: „Ihn haben wir mühsam an unser Klima gewöhnen müssen.“ In der kalten Jahreszeit werde er eingepackt, und viele Jahre habe er eine Baumarznei erhalten, „eine Art Aspirin für Bäume“, schmunzelt sein Besitzer. Im Herbst revanchiere sich der Baum mit wunderbarer Färbung. Mit hübschen Orange- und Rottönen belohnt die Wredes auch ihr Zuckerahorn, aus welchem man Sirup gewinnen könnte.

Letzter Pflegling in Wredes Baumparade: Eine Flügelnuss, die „lange, schöne Fäden“ ausbilde, die bei den Wredes schon, mit Goldlack besprüht, am Weihnachtsbaum hingen. „Nur Nüsse liefert er nicht.“

Rubriklistenbild: © picture alliance/Hauke-Christian Dittrich/dpa

Kommentare