Kriminalserie "Tatort24" 

Raubmord in Prien führt Rosenheimer Kripo bis nach Bulgarien 

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Der Raubmord in Prien führte die Ermittler der Kripo Rosenheim bis nach Bulgarien zu den Tätern. 
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Prien - Der vorerst letzte Teil unserer Serie "Tatort24" handelt von einem Raubmord: Am Morgen des 22. März 2002 wurde ein 85-Jähriger tot in seinem Haus aufgefunden. Die Wohnung war durchwühlt, der Mann überlebte die Nacht des Raubüberfalls nicht. Zahlreiche Spuren führten die Kripo nach Bulgarien – und schließlich zu den Tätern: 

Seit dem Tod seiner Lebensgefährtin lebte der 85-jährige Textilkaufmann Dr. Iwanoff allein in deren Haus in Prien am Chiemsee. Dr. Iwanoff war weit über die Grenzen der Marktgemeinde hinaus bekannt, durch seine Tätigkeit als Textilhändler war er sehr aufgeschlossen und kontaktfreudig, hatte eine Vielzahl an Kontakten im gesamten südbayerischen Raum – auch zu bulgarischen Landsleuten. Außerdem besaß und vermietete er mehrere Immobilien in der näheren Umgebung. Der gebürtige Bulgare war „mit mehreren Millionen Euro sehr vermögend“, erklärt Kriminalhauptkommissar Werner Vormann, der die Soko „Iwan“ damals leitete. „Sein Reichtum war nach außen hin jedoch nicht ersichtlich. Dr. Iwanoff lebte in einem kleinen unscheinbaren Haus in der Angerweidachstraße in Prien. Er hatte vor, seine Immobilien zu veräußern, um seinen Lebensabend bei Angehörigen in Bulgarien zu verbringen.“ Doch dazu kam es nicht mehr – Dr. Iwanoff traf auf seine Mörder.

Täter nahmen Tod des Opfers billigend in Kauf

Wie die Ermittlungen der Kripo ergaben, stiegen die zwei Täter in der Nacht vom 21. auf 22. März 2002 in das Haus in Prien ein und überraschten ihr Opfer. „Vermutlich hatten sie vorher den Schlüssel gestohlen oder einen nachmachen lassen – es gab nämlich keine Einbruchsspuren“, so Vormann weiter. Sie fesselten ihn mit Kabelbinder und deckten den wehrlosen Mann komplett auf dem Bett zu, wo er schließlich qualvoll erstickte. Die Täter nahmen den Tod des Mannes billigend in Kauf, wie Vormann erklärt. Die Nachbarin, die sich üblicherweise um Dr. Iwanoff kümmerte, entdeckte am nächsten Morgen gegen 8 Uhr die Leiche des 85-Jährigen.

Im durchwühlten Haus und dem VW-Bus des Opfers konnten die Ermittler eine Vielzahl an Spuren sicherstellen. Darunter befand sich auch eine tatrelevante DNA-Spur eines unbekannten Mannes, für die es keinen Datenbanktreffer in der bundesweiten DNA-Analyse-Datei des BKA gab. Aufgrund des großen Bekanntenkreises ging die Polizei im Laufe der Ermittlungen mehr als 500 Spuren und Hinweisen nach. „Der Mordfall umfasste mehrere tausend Seiten Akten“, erinnert sich der Kriminalhauptkommissar. „Die Soko arbeitete vier Monate mit Hochdruck an dem Fall.“

Die Raubmörder hatten es auf Goldschmuck wie diese Halskette abgesehen. Die Kripo stellte die Schmuckstücke später in Bulgarien sicher. 

„Petko I. hätte auch nur der Hehler sein können“

Über den Bekanntenkreis stießen die Ermittler dann auf eine Münchner Krankenschwester aus Bulgarien, die zusammen mit ihrem 51-jährigen Mann Petko I. regen Kontakt zu Dr. Iwanoff pflegte. Durch regelmäßige Besuche in dessen Haus waren Kenntnisse über das Vermögen des 85-Jährigen sowie die Örtlichkeit vorhanden.

Die Recherchen der Soko „Iwan“ ergaben, dass der unter chronischem Geldmangel leidende Petko I. am Wochenende nach der Tat nach Berlin gefahren ist. Bereits im Jahr 1991 stand Petko I. unter Verdacht, einen Einbruch in Erfurt begangen und die damalige Beute an einen Berliner Münzhändler verkauft zu haben. Somit war er im bundesweiten Polizeisystem bereits erfasst. „Bei einer Durchsuchung bei dem Münzhändlers in Berlin stellten wir Goldmünzen aus dem Raubmord in Prien sicher, was ein erstes Indiz dafür war, dass Petko I. in irgendeiner Weise an der Tat beteiligt sein musste. Er hätte auch nur der Hehler sein können“, so Vormann.

Weitere Indizien, wie die Auffindung der ebenfalls geraubten Schreckschusspistole im Aschauer Kurparkweiher in der Nähe der Wohnung von Petko I. und der Kauf von Kabelbinder in Verbindung mit einer Tönungsfolie für Autoscheiben, die sich im Fahrzeug der Ehefrau von Petko I. fand, erhärteten den Verdacht, dass der 51-Jährige nicht nur Hehler der Münzen, sondern auch der Täter sein musste.

Eines der Goldschmuckstücke, die die Täter in Prien raubten. 

Spuren führten bis nach Bulgarien 

Doch wer war der Komplize? Die Ermittlungen ergaben, dass der 51-Jährige die Tat alleine nicht begangen haben konnte, zumal die sichergestellte DNA nicht zu Petko I. passte. Vormann weiter: „Bei einer der Vernehmungen stellte sich heraus, dass Petko I. seinen 35-jährigen Landsmann Gosho N., den er aus der bulgarischen Heimat kannte, mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Deutschland reisen ließ. Er war der zweiter Tatverdächtige.“

Nachdem die beiden den Mord begangen hatten, hielt sich der 35-Jährige Gosho N. noch einige Tage bei bulgarischen Freunden in Stuttgart auf, ehe er zurück nach Stara Zagora in Bulgarien flog. Die Ermittler waren ihm also auf der Spur: Nach Absprache mit den bulgarischen Ermittlungsbehörden flog Werner Vormann mit dem ersten Sachbearbeiter des Falls, Kriminalhauptkommissar Helmut Schmid, und zwei weiteren Beamten nach Sofia. In enger Zusammenarbeit mit den dortigen Ermittlern gelang es der Rosenheimer Kripo den verdächtigen Gosho N. In der über 200 Kilometer entfernten 130.000-Seelen-Stadt Stara Zagora festzunehmen. In der Wohnung wurden wertvolle Gold-Schmuckstücke aus dem Besitz des Mordopfers Dr. Iwanoff sichergestellt. Eine Speichelprobe ergab letztlich den erhofften DNA-Treffer

Eine sichergestellte wertvolle Uhr aus dem Besitz des Opfers - die geraubten Schmuckstücke tauchten in Bulgarien wieder auf.

Damit standen die Mörder für die Kripo fest. „Eine Auslieferung von Gosho N. kam damals nicht in Frage, da Bulgarien noch kein EU-Mitglied war“, erklärt Vormann. „Deshalb kam er in Bulgarien in Haft, wo ihm auch der Prozess gemacht wurde.“ Der Haupttäter Petko I. wurde im Dezember 2003 am Landgericht Traunstein wegen Raubs mit Todesfolge zu einer Haftstrafe von 12 Jahren und 6 Monaten verurteilt. „Der 51-Jährige überlebte die Haftstrafe nicht und verstarb in der JVA“, erklärt Vormann. 2008 wurde Gosho N. In Bulgarien zu 12 Jahren Haft verurteilt.

Tatort24 - Alle Fälle im Überblick:

mb

Quelle: rosenheim24.de

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