Schulwege in Prien sicherer machen

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Am Seestraßen-Kreisel werden Radler von Autofahrern, die auch in den Kreisverkehr wollen, oftmals übersehen.

Prien - Die Ziele der "Bürgerwerkstatt Verkehr": Mehr Sicherheit für Schulkinder, Fußgänger und Radfahrer, weniger motorisierter Verkehr und mehr Aufenthaltsqualität im Ortszentrum.

Zwischen Januar 2010 und März 2011 erarbeiteten die Mitglieder in drei Gruppen Vorschläge für verkehrsberuhigende und -lenkende Maßnahmen und legten die Ergebnisse dem Marktgemeinderat zunächst nur intern vor. In der jüngsten Ratssitzung wurde der Abschlussbericht jetzt veröffentlicht. Mehrheitlich griff das Gremium daraus Themenschwerpunkte als erste Sofortmaßnahmen auf.

In ihrem umfangreichen Bericht hat die "Bürgerwerkstatt Verkehr" fünf konkrete Sofortmaßnahmen an definierten Stellen vorgeschlagen, um Prien "als lebenswerten Ort zu etablieren". Jede einzelne lasse sich kurzfristig umsetzen, machten die Vertreter der drei Arbeitsgruppen - Tilmann Zinsser, Dr. Meinolf Schöberl und Brigitta Zinsser - in ihrer Präsentation vor dem Marktgemeinderat und zahlreichen Zuhörern deutlich. Das Gremium beschloss bei drei Gegenstimmen folgende Starterprojekte: Verbesserung der Schulwegsicherheit im Umfeld der Franziska-Hager-Schule, Umbau des Seestraßenkreisels in Bezug auf die Radwegeführung, Bau einer Querungshilfe über die Spitzsteinstraße, Bau eines überfahrbaren Minikreisels an der Kreuzung Hochries-/Seestraße sowie Bau einer Querungshilfe über die Beilhackstraße. Das Projekt "Umfeld Franziska-Hager-Schule" wird in Kooperation mit dem Arbeitskreis "Ortsentwicklung" bearbeitet, legte der Gemeinderat fest.

Der Abschlussbericht teilt die Verbesserungsvorschläge auf in "Maßnahmen an Brennpunkten" wie Schulwegen, Kreuzungen, Fuß- und Radwegen sowie "übergreifende Maßnahmen" mit Tempo-30-Bereichen, Rad- und Wanderrouten, beruhigten, gemeinsam genutzten Bereichen ("shared space") im Zentrum und Ringbuslinien.

Das Thema "Schulwegsicherheit" sollte eine hohe Priorität erhalten, forderte Tilmann Zinsser als Moderator der Arbeitsgruppe "Nichtmotorisierter Verkehr". Die Vision: Schüler werden auf ihrem Weg durch den Ort zur Schule nicht durch motorisierten Verkehr bedrängt, durch "verpflichtende" Umwege gegängelt oder durch "Elterntaxis" und Schulbusse behindert und gefährdet. "Eltern haben ein sicheres Gefühl, wenn sie die Kinder selbstständig zur Schule gehen oder radeln lassen", so Zinsser. "Elterntaxis sind überflüssig."

Die derzeitige Situation sieht laut Bürgerwerkstatt anders aus. Exemplarisch wurden die Zustände rund um Franziska-Hager-Schule, Ludwig-Thoma-Gymnasium (LTG) und Waldorfschule unter die Lupe genommen und Verbesserungsvorschläge entwickelt. Um die Schulweg-Querung an der Kreuzung Jensenstraße/Franziska-Hager-Straße zu entschärfen, sollte der Übergang gekennzeichnet und die Abzweigung für den Verkehr "fahrdynamisch ungünstiger" gestaltet werden - zum Beispiel durch eine Kopfsteinpflasterwelle. Ein hohes Gefährdungspotenzial birgt unter anderem der Zugangsbereich der Schule: Hier liegt die Ausfahrt der Schulbusse vom Busparkplatz, gleichzeitig dient der Bereich als Haltestelle für "Elterntaxis".

Gegenwirkende Maßnahmen sind laut Zinsser alternative Fußwegeführungen entlang des Schulgeländes sowie festgelegte Halteplätze für Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto bringen und abholen.

Als eine weitere gefährliche Schwachstelle im Schulweg machte die Bürgerwerkstatt auch die Kreuzung Hochriesstraße/Spitzsteinstraße aus. Hier fehle westlich der Unterführung der vierte Zebrastreifen, heißt es in dem Bericht.

Auf dem Weg zum Ludwig-Thoma-Gymnasium von Süden her kommend gestaltet sich die Überquerung der Franziska-Hager-Straße für die Schüler schwierig, um zur Fußgängerampel an der Seestraße zu gelangen. Die Bürgerwerkstatt schlägt zusätzliche, kreuzungsnahe Querungshilfen über beide Straßen vor. Eine Alternative sei die verkehrsberuhigende Umgestaltung der Seestraße zwischen Kreisel und LTG.

Um den Schulweg zur Waldorfschule sicherer zu machen, sollte an der Bernauer Straße im Bereich der Schulbushaltestelle an der bereits bestehenden Vorschaltampel eine zusätzliche Fußgängerampel installiert werden. Bisher müssen die Schüler zunächst die unübersichtliche Kreuzung Kampenwandstraße/Hochgernstraße überqueren, um die dahinter liegende Ampel zu erreichen.

Die Kreuzung Seestraße/Hallwanger Straße ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte Priens. Seit dem Umbau in einen Kreisverkehr (Seestraßen-Kreisel) gehören Staus hier mehr oder weniger der Vergangenheit an. Für Radfahrer (darunter auch Schüler) ist der Seestraßenkreisel allerdings gefährlich - zu diesem Schluss kommt die "Bürgerwerkstatt Verkehr" in ihrem Bericht. Der Radstreifen endet nach der Unterführung unvermittelt im Kreisel. Radfahrer werden hier nicht durch ein Hochbord geschützt und zudem oftmals vom Autofahrer nicht wahrgenommen. Denn vor der Einfahrt in den Kreisverkehr schaut der nach links und gerät dabei - wie oft beobachtet - nach rechts. Die Bürgerwerkstatt schlägt zwei Varianten vor, mit denen die Sicherheit "entscheidend verbessert werden kann", wie es weiter heißt. Favorisiert wird aber folgender Vorschlag: Der Fahrradstreifen wird beseitigt zugunsten der Fußwege. Die werden für Radfahrer freigegeben, aber ohne Benutzungspflicht. Geübte Radfahrer benutzen somit die Fahrbahn und werden von den Autofahrern besser wahrgenommen. Langsame Radfahrer fahren auf den Gehwegen, die im Bereich der Zufahrten zum Kreisel durch Hochborde geschützt werden.

ul/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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