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Gespräch mit dem ärztlichen Leiter der Privatklinik ChiemseeWinkel

Auch jüngere Patienten in der Pandemie betroffen: „Erlebnisse von Isolation und Einsamkeit“

Dr. Franz Pfitzer Chefarzt der Privatklinik ChiemseeWinkel in Seebruck erzählt im Gespräch mit rosenheim24.de, wie sich die Corona-Pandemie in den Kliniken auswirkte.
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Dr. Franz Pfitzer Chefarzt der Privatklinik ChiemseeWinkel in Seebruck erzählt im Gespräch mit rosenheim24.de, wie sich die Corona-Pandemie in den Kliniken auswirkte.

Die Corona-Pandemie hat nicht nur in den Krankenhäusern und Intensivstationen ihre Auswirkungen gezeigt. Oft erreichen unsere Redaktion Anfragen zu psychischen Belastungen infolge der Pandemie. Deshalb hat rosenheim24.de bei den Kliniken der Gesundheitswelt Chiemgau AG Bad Endorf nachgefragt, wie die Lage im letzten Jahr war und aktuell ist.

Seebruck/Bad Endorf/Prien - Seit Januar 2017 ist Dr. Franz Pfitzer Chefarzt der Privatklinik ChiemseeWinkel in Seebruck. Zuvor war er viele Jahre Chefarzt der psychosomatischen Abteilungen der Klinik St. Irmingard in Prien und der Simssee Klinik Bad Endorf, aktuell ist er strategischer Leiter der Psychosomatik in den drei Klinken. Im Interview mit rosenheim24.de erzählt er, wie sich die Corona-Pandemie in den Kliniken auswirkte.

Hat sich die Belastung in Ihren Einrichtungen über die Zeit der Corona-Pandemie verändert bzw. gibt es eine gesteigerte Zahl von Anfragen zu einem Aufenthalt?
Die nun schon über ein Jahr dauernde Corona-Pandemie hat natürlich auch unsere psychosomatischen Abteilungen vor größere Herausforderungen gestellt. Die Behandlungsabläufe mussten umgestellt werden: Kleinere Gruppen, größere Räume, keine Großgruppen mehr, Teambesprechungen in kleinerem Rahmen und so weiter.
Während des ersten Lockdowns haben unsere Kliniken auch somatisch leichter erkrankte Patienten vor allem vom Klinikum Traunstein übernommen, um dort Platz für die Behandlung von Covid-Patienten zu schaffen. Sowohl im ambulanten als auch im stationären Rahmen gibt es einen erhöhten psychosomatischen Behandlungsbedarf.
Ist eine Veränderung der anteiligen Krankheitsbilder wie Depression, Angst-, Ess- und Zwangsstörungen erkennbar beziehungsweise ist ein Krankheitsbild in den Vordergrund gerückt?
Wir sehen stationär jetzt auch Patienten, die ohne Corona beziehungsweise die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung nicht psychisch dekompensiert wären. Es handelt sich meist um Menschen mit lebensgeschichtlichen Belastungen, die zuvor aber nicht psychisch auffällig waren und jetzt im Rahmen des Lockdowns existenzielle Bedrohung erleben, wie Menschen aus der Tourismusbranche, Gastronomie, Unternehmer, deren Absatzmärkte weggebrochen sind.
Darüber hinaus machen wir die Beobachtung, dass Menschen, die zuvor schon psychisch belastet waren, die Corona-Maßnahmen oft nicht gut bewältigen können. Ganz im Vordergrund stehen Erlebnisse von Isolation, Einsamkeit, aber auch Verlust von Angehörigen, von denen kein Abschied im Pflegeheim oder Krankenhaus genommen werden konnte. Verschiebungen innerhalb der Krankheitsbilder können wir so nicht beobachten, solche epidemiologischen Fragen müssten in Studien mit großen Fallzahlen geklärt werden.
Sind ausreichend Plätze für Akutfälle vorhanden?
Die Wartezeiten haben sich geringfügig verlängert. Besonders akute Fälle können meist vorgezogen werden. In manchen Bereichen herrscht eine strukturelle Unterversorgung, zum Beispiel im Bereich der Psychotraumatologie, auch in unserer Spezialabteilung Psychotraumatologie in der Klinik St. Irmingard.
Gibt es Anhaltspunkte, dass die aktuelle pandemische Situation den Heilungsprozess der Patienten einschränkt?
Kontaktbeschränkungen erschweren die Heilungsbedingungen generell. Die Wartezeiten für ambulante Psychotherapie als Nachbehandlung haben sich verlängert, auch wenn ambulante Therapeuten vermehrt neue Angebote wie Videosprechstunden machen.
Gruppentherapie-Plätze sind schwerer zu organisieren. Viele Tageskliniken haben ihr Angebot reduzieren müssen. Es ist für junge Menschen schwieriger geworden, Praktikumsplätze zu finden, Studenten leiden darunter, nur noch Online-Angebote zu haben und ähnliches.
Gibt es verstärkt Anfragen von jungen Patienten in der Altersgruppe bis 30 Jahre?
Es gibt Belastungen in allen Altersgruppen. Aktuell haben wir aber auch in der Privatklinik ChiemseeWinkel mehr jüngere Patienten unter 30 Jahre als sonst.

mda

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