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Bilanz des Wassersport-Sommers am Chiemsee

Riesige Nachfrage nach Seepferdchen: „Schwimmen ist ein Lebensrecht“

Kinder im Schwimmbad: Der Sport im Wasser stärkt nicht nur den Körper, sondern verleiht Ausdauer auch an Land. Schwimmtrainer aus Prien und Bernau plädieren für einen Schwimmkurs noch vor dem Schuleintritt.
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Kinder im Schwimmbad: Der Sport im Wasser stärkt nicht nur den Körper, sondern verleiht Ausdauer auch an Land. Schwimmtrainer aus Prien und Bernau plädieren für einen Schwimmkurs noch vor dem Schuleintritt.
  • Elisabeth Sennhenn
    VonElisabeth Sennhenn
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Ob im Hallenbad oder im See: Schwimmen ist gesund für den ganzen Körper, und wer die richtige Technik kennt, spart dabei auch viel Kraft. Besonders für Kinder ist Schwimmen eine wichtige Kompetenz – sogar ein Lebensrecht, wie Trainer aus Bernau und Prien betonen.

Bernau/ Prien – „Allein in Bayern konnten weit über 100 000 Kinder wegen der Pandemie nicht schwimmen lernen“ – eine bittere Bilanz von Manuel Friedrich, Präsident der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft Bayern (DLRG). Dabei galten schon Jahre zuvor 59 Prozent der Zehnjährigen in Deutschland als schlechte Schwimmer, wie die DLRG unter Berufung auf eine repräsentative forsa-Umfrage warnte. Dabei sind die Anforderungen an das „Seepferdchen“-Abzeichen gar nicht so schwer: vom Beckenrand springen, 25 Meter schwimmen und einen Gegenstand mit den Händen aus schultertiefem Wasser herauf holen.

Die Nachfrage ist riesig

Wer ein „Seepferdchen“ hat, darf zum Beispiel Mitglied im Bernauer Schwimmverein werden, der derzeit 200 Mitglieder stark ist. Einer der ehrenamtlichen Trainer ist Matthias Viehweger. Der Bernauer schwimmt seit seinem elften Lebensjahr regelmäßig – seit 1979, als der Verein gegründet wurde. Der Schwerpunkt liegt auf dem Training von Kindern und Jugendlichen, wobei auch erwachsene Mitglieder bis 75 Jahre noch fleißig ihre Bahnen im Bernamare ziehen. Diejenigen, die nach der Corona-Pause wieder zum Training durften, „waren richtig heiß darauf“, erzählt Viehweger. „Die Nachfrage nach einer Mitgliedschaft ist enorm gestiegen, wir haben aktuell über 100 Anfragen, konnten bis jetzt aber noch niemanden neu aufnehmen“, bedauert er. Die Nachfrage komme vor allem aus der Altersgruppe fünf bis 13. Viehwegers Bilanz dieses Sommers, in dem seit Fasching 2020 erstmals wieder Schwimmkurse in den Ferien stattfinden durften: „Bis jetzt haben wir acht Kurse mit über 70 Teilnehmern gegeben, alle waren innerhalb weniger Stunden ausgebucht.“

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Monika Mangstl aus Prien koordiniert beim dortigen Schwimmverein die Kurse, die hauptsächlich von Schulkindern besucht werden. 60 aktive Schwimmer zählt der Verein unter seinen 135 Mitgliedern; der älteste Sportler ist über 80. Die 50-Jährige schwimmt und trainiert seit ihrem 17. Lebensjahr im Verein.

Können die beiden Trainer aus Bernau und Prien die Sorgen der DLRG, die Schwimmkompetenz von Kindern lasse zu wünschen übrig, nachvollziehen? Und hat Corona diesen Eindruck verstärkt?

Nicht alle schaffen das Seepferdchen

Monika Magstls Beobachtung dazu: „Die Kinder, die heute zu uns kommen, haben insgesamt mehr Bewegungsdefizite als noch vor rund 15 Jahren, das merkt man zum Beispiel an der Koordination.“Sie führt das auf einen generellen Bewegungsmangel im Alltag der Kinder zurück, der nur zum Teil der Corona-Sportpause geschuldet ist. „Beim Rückenschwimmern etwa tun sich viele schwer damit, ihre Arme am Kopf vorbeizuführen.“ „Dabei ist die richtige Schwimmtechnik so wichtig. Sie hilft, mit wenig Kraft, dafür aber mehr Ausdauer zu schwimmen.“ Sie stärke Koordination und Lunge, Rückenschwimmen entlaste die Wirbelsäule.

Dass die Kinder Defizite haben, vermag Viehweger nicht pauschal zu sagen, wenn er auch resümiert, dass nur rund 40 der 70 Kinder aus den jetzigen Schwimmkursen das „Seepferdchen“ geschafft haben: „Dafür gibt es aber viele verschiedene Gründe.“

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Die Schwimmkurs-Förderung von 50 Euro durch den Freistaat, welche ab Dienstag, 14 September, gilt, sieht Viehweger positiv: „Es ist ein Anreiz.“

Viele Eltern kämen aber noch nicht zum Zug, weil auch künftige Kurse schon ausgebucht seien. Doch der Gutschein gilt bis zum September 2022.

„Schwimmen ist ein Lebensrecht“, ist Viehweger überzeugt, „und gerade in unserer schönen Gegend, mit den vielen Bädern und dem Chiemsee vor der Haustüre, sollte man einfach schwimmen können, um das tolle Angebot auszunutzen.“

Die Franzosen sind den Prienern voraus

Auch deshalb wolle der Bernauer Schwimmverein das Thema „Regionalbad“ weiter auf dem Schirm behalten.

Die Priener Schwimmer wiederum treffen sich alle zwei Jahren mit dem Schwimmverein aus der Partnergemeinde Graulhet in Frankreich. Mangstl, die die Treffen seit Jahrzehnten mitgestaltet, stellt fest: „Dort ist das Freizeitangebot nicht so groß wie bei uns, daher trifft man sich vier Mal in der Woche zum Schwimmtraining.“ Schwimmtechnisch seien die Franzosen damit den Prienern weit überlegen.

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