Der Ton wird schärfer

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Die Seebühne ist Mittelpunkt des Streits.

Prien - Im Streit um die finanziellen Folgen der Chiemsee-Seebühne wird der Ton immer schärfer. Nach der Diskussion in der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderates hat nun der ehemalige Geschäftsführer Thorsten Rudolph Bürgermeister Jürgen Seifert scharf angegriffen.

In knapp zwei Wochen will der Marktgemeinderat über das weitere Vorgehen beraten und entscheiden. Die Mitglieder des Gremiums sind bisher die einzigen, denen das rund 190 Seiten starke Gutachten vorliegt, in dem Cornelia Taubmann und Josef Köhler schwere Vorwürfe erheben. Der Marktgemeinderat hatte sie einstimmig beauftragt, die Finanzbeziehungen zwischen Markt Prien, Priener Tourismus GmbH (PTG) und Chiemsee Seebühnen-Gesellschaft (CSG) zu durchleuchten. Zwei der Kernaussagen des Gutachtens: Die CSG sei nie rechtmäßig gegründet und in der Zeit ihres Bestehens seien rund vier Millionen Euro ohne rechtsgültige Beschlüsse am Marktgemeinderat vorbei geflossen.

Der frühere Geschäftsführer von PTG und CSG, Thorsten Rudolph, weist alle Vorwürfe gegen seine Person vehement zurück. Er greift seinerseits den Bürgermeister scharf an. In einem Brief an die Redaktion der Chiemgau-Zeitung schreibt er: „Es ist schon mehr als eigenartig, dass ein Bürgermeister, der gesetzlich verpflichtet ist, in seinem Amt neutral zu sein und keine Vorverurteilungen zu treffen, sich in der Causa Seebühne über alle Spielregeln demokratischen Verständnisses hinwegsetzt und sich von seiner Freundin aus Kulmbach einseitige Exposees erstellen lässt und mit einer ständigen wirren Melange von Zahlen unterschiedlichster Herkunft und Bedeutung die Bevölkerung narrt und das Gutachten allen Beteiligten und objektiven Gutachtern vorenthält.“

Die CSU-Fraktion hatte zuletzt beantragt, das Gutachten früheren Verantwortlichen zur Verfügung zu stellen und sie zur Stellungnahme aufzufordern. Die Mehrheit des Gremiums hatte dies abgelehnt (wir berichteten).

Rudolph kündigt rechtliche Schritte an

Rudolph kündigt nun rechtliche Schritte an: „Er (Seifert) unterlässt es aber trotzdem weiter nicht, ohne Offenlegung des Gutachtens die Öffentlichkeit und die Medien falsch zu informieren, Beteiligte zu Schuldigen zu machen und sie der Lüge zu bezichtigen. Nur einfältige Menschen können jetzt noch glauben, dass dieses Verhalten des Herrn Seifert ohne rechtliche Konsequenzen bleibt.“ Rudolph betont, dass ein Geschäftsführer einer GmbH (im Gegensatz zur AG) sehr wohl gemäß gesetzlicher Vorschriften, Satzungen und Geschäftsordnungen weisungsgebunden handle. Deshalb seien entsprechende Äußerungen „unqualifiziert und falsch“. Der ehemalige Geschäftsführer weist den Vorwurf, er habe die Unwahrheit gesagt, entschieden zurück.

Zuschüsse früher ähnlich hoch

„Gut wäre es auch, wenn er (Seifert) nicht ständig die Zahlen der jährlichen Zuschüsse an die PTG – rund 2,2 Millionen Euro, das sind rund 17,5 Millionen für acht Jahre inklusive 2006 – mit den Zahlungen an die CSG verwechselt und der Bevölkerung doch wahrheitsgemäß sagt, dass diese Zuschüsse in den Jahren vor Gründung der PTG von der Gemeinde in ähnlicher Höhe als Eigenbetrieb gezahlt wurden“, schreibt Rudolph. „Herr Seifert sollte dann auch nicht vergessen, die jährlichen rund 0,5 Millionen Mieteinahmen der Gemeinde von der PTG zu erwähnen.“ Durch die Seebühne seien 1,7 Millionen an Investitionen in die Region retour geflossen, betonte Rudolph zum wiederholten Mal die wirtschaftliche Bedeutung der Bühne aus seiner Sicht. „Herr Seifert sollte endlich einmal Unterlagen und Dokumentationen richtig lesen, damit seine Wiedergaben in der Öffentlichkeit endlich der Wahrheit entsprechen und nicht die Zuschüsse zum Tourismusbetrieb der PTG von 17,5 Millionen Euro als Investition der Seebühne darstellen“, so Rudolph abschließend.

In der Sitzung des Marktgemeinderates am Mittwoch, 29. Juli, wird es auch darum gehen, ob, und wenn ja, gegen wen der Markt Prien auf der Grundlage des Gutachtens Schadensersatzansprüche geltend machen will.

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