Straßen und Parkplätze zu schmal

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Prien - Weil die Autos immer breiter werden, die Straßen aber nicht, kommen sich Pkw immer häufiger in die Quere. Auch die Beschädigungen auf zu engen Parkplätzen steigt stetig.

Wenn es nach Toni Schauer geht, müssten viele Straßen heute eigentlich mindestens einen halben Meter breiter sein als sie sind. Weil die Autos immer breiter werden, häufen sich die Fälle, in denen sie sich in die Quere kommen. Der Verkehrssachbearbeiter der Priener Polizeiinspektion (PI) berichtet auch von einer steigenden Zahl von Beschädigungen auf zu engen Parkplätzen.

"Spiegelklatscher" nennen Polizisten die Fälle, in denen sich zwei Autos im Begegnungsverkehr berühren und beschädigen. Oft fährt mindestens einer der Beteiligten einfach weiter. Solche Unfälle sind für Außenstehende vermeintliche Bagatellen, für Geschädigte nicht nur wegen mitunter schwieriger Verhandlungen mit der Versicherung ein Ärgernis. Vor allem überörtliche Straßen sind für Schauer wegen der immer breiteren Autos "an der Grenze ihrer Belastbarkeit" angekommen.

In der Statistik wird als Ursache für solcherlei Unfälle im Behördendeutsch der "Verstoß gegen das Rechtsfahrgebot" aufgeführt. 2011 war das im Einsatzgebiet der Priener Polizei zwischen Halfing und Sachrang 70-mal der Fall.

Dass die einzelnen Stellplätze auf Parkplätzen, zum Beispiel vor Supermärkten, knapp bemessen sind, kann der Verkehrsexperte aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten zwar nachvollziehen, abfinden mag er sich damit aber nicht. Beim Sicherheitsgespräch der PI mit den zwölf Bürgermeistern ihres Einsatzgebiets berichtete Schauer von der steigenden Zahl von Beschädigungen beim Ein- und Ausparken, Ein- und Aussteigen.

Die Unfallzahlen insgesamt haben sich im PI-Gebiet 2011 im Vergleich zum Vorjahr nicht wesentlich verändert. 1129-mal krachte es zwischen Halfing und Sachrang, 15-mal öfter als 2010. Zwei Personen starben im vergangenen Jahr, beide auf der Strecke Aschau-Sachrang. Ein 53-jähriger Österreicher kam mit seinem Wagen auf der nächtlichen Fahrt in Richtung Kufstein von der Straße ab und landete in der Prien. Er war Schauer zufolge viel zu schnell dran und vermutlich übermüdet. Eine 73-jährige Bernauerin kam ums Leben, als ein 24-Jähriger aus Aschau mit seinem Pkw aus bis heute ungeklärter Ursache frontal in den Gegenverkehr krachte.

Deutlich gestiegen von 45 auf 70 ist Schauer zufolge die Zahl der Schwerverletzten. Leicht nach oben ging die Zahl der Unfälle, bei denen Menschen zu Schaden kamen. Waren es 2010 253 Verletzte bei 191 Karambolagen, mussten die PI-Beamten im vergangenen Jahr 204 Unfälle mit 263 Verletzten bearbeiten. Über die Hälfte von ihnen saß in einem Auto, gut 60 auf dem Fahrrad, 30 auf einem Motorrad und auch über 20 Fußgänger wurden verletzt.

Wie bei der Straßen- und Parkplatzbreite hat Schauer auch auf vielen Radwegen Nachbesserungsbedarf ausgemacht. Unfälle von Radlern seien immer öfter dem Umstand geschuldet, dass die Wege nur mit losem Schotter belegt seien. Der Verkehrsfachmann appellierte an die Bürgermeister, den ein oder anderen Radweg besser zu befestigen, unter anderem Abschnitte des Chiemsee-Uferwegs. Allein in Rimsting musste die Priener Polizei laut Schauer 2011 fünf Unfälle mit Radlern aufnehmen.

Erstmals wurde ein Unfall mit einem "E-Bike" aktenkundig, also mit einem Fahrrad mit Elektromotorantrieb. Ein stark alkoholisierter Mann war in der Aschauer Straße in Bernau gestürzt und lebensgefährlich verletzt worden.

Auffällig in der Jahresstatistik ist Schauer zufolge auch der Umstand, dass sich im vergangenen Jahr zwei Unfälle mit Feuerwehrlern ereigneten, die auf dem Weg zum Einsatz waren: in Gstadt und Bad Endorf.

Radarkontrollen an "auffälligen Stellen"

Klassische Unfallschwerpunkte, wo es immer wieder kracht, kristallisieren sich Schauer zufolge übers Jahr nicht heraus, aber eine Reihe "auffälliger Stellen" präsentierte er den Bürgermeistern doch. Dort sollen heuer verstärkt Radarkontrollen durchgeführt werden. Dazu zählen unter anderem der Bereich Breitenloh zwischen Rimsting und Breitbrunn, die fast schnurgerade Strecke zwischen Frasdorf und Achenmühle, die auch bei Motorradfahrern wegen ihrer Kurven beliebte Route Aschau-Sachrang sowie Mitterndorf zwischen Gstadt und Gollenshausen. Dort wird aber bald gar nicht mehr gefahren, denn die Straße wird Schauer zufolge in den Osterferien voll gesperrt, weil eine Unterführung für Fußgänger und Radler als sichere Verbindung zwischen Mitterndorf und dem Chiemsee entsteht.

Die Termine für weitere Großbaustellen im PI-Bereich sind nicht so eindeutig. Der Kreiselbau in Bernau muss Bürgermeister Klaus Daiber zufolge zum Beispiel neu überdacht werden, weil eine notarielle Vereinbarung mit einem Grundeigentümer eine Vollsperrung auf wenige Tage einengt.

Dirk Breitfuß/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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