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Auszubildende in Prien - „Ich kriege etwas zurück“

Zwischen Film-Klischees und Realität: Warum junge Leute Bestatter werden

„In unserem Beruf ist auch Spaß erlaubt“, sagt Georg Hartl. Er bekam 15 Bewerbungen auf drei Azubi-Stellen. Damit ist die Priener Bestattung Hartl eine Ausnahme in einer Branche, die immer Personal sucht.
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„In unserem Beruf ist auch Spaß erlaubt“, sagt Georg Hartl. Er bekam 15 Bewerbungen auf drei Azubi-Stellen. Damit ist die Priener Bestattung Hartl eine Ausnahme in einer Branche, die immer Personal sucht.

Bestatter finden kaum Personal. Anders in Prien: Hier haben vor kurzem gleich drei junge Leute eine Ausbildung in diesem alten Beruf begonnen. Was sie anzieht.

Prien – Eine bayerische Komödie über einen Bestatter, die musste sich der Breitbrunner Bestatter Peter Herdegen natürlich ansehen. In „Wer gräbt den Bestatter ein?“ kommen nicht nur bekannte Ecken und Schauspieler vom westlichen Chiemseeufer und diverse Seitenhiebe vor, sondern auch ein „schlitzohriger Bestatter“, wie Peter Herdegen es ausdrückt.

„Wer gräbt den Bestatter ein“ als Lacher

So ein Film fördere zwar nicht das Image seines Berufs, sei aber dennoch wichtig. „Da wird ein ernstes und trauriges Thema mal von der lockeren Seite gesehen“, sagt er, dessen Vater und Großvater schon Bestatter waren.

Man sehe, wie schnell es vorbeigehen könne und vielen Menschen sei das nicht bewusst. Viele scheuten sich auch davor, im Bestattungsgewerbe zu arbeiten.

Die Bestatterarbeit fordert 100 Prozent

„Jeder Bestattungsbetrieb sucht immer Mitarbeiter“, präzisiert der Breitbrunner Firmenchef dieses Problem der Branche. Der Beruf hat sich sehr gewandelt: „Früher hat der Bestatter einfach den Toten abgemessen und dann den Sarg angefertigt. Heute machst du ein Rundumpaket für die Angehörigen.“

Für dieses „Paket“ geeignete Leute zu finden sei schwer und manche Lebenspartner hätten etwas gegen die Arbeit mit Toten. Gestorben wird darüber hinaus auch außerhalb üblicher Geschäftszeiten.

Herdegen: „Jeder Angehörige hat das Recht, dass er so behandelt wird, als wäre er momentan der einzige Kunde.“ Das „Danke“ trauernder Angehöriger nach einer würdevollen Beerdigung sei das Schöne am Bestatterberuf.

Azubi sagt: „Ich kriege etwas zurück.“

Dieses einfache und aufrichtige „Danke“ bildet auch für die 21-jährige Miriam Mayr den schönen Kern ihres Berufs. „Ich kriege etwas zurück. Es ist befreiend, wenn ich weiß, ich konnte Leuten in einer schwierigen Zeit helfen“, erklärt die junge Frau. Sie ist eine von sechs Auszubildenden bei der Bestattung Hartl in Prien am Chiemsee.

Heuer im September haben drei von ihnen neu angefangen. Das Interesse für die 2003 ins Leben gerufene Ausbildung war groß. Gleich 15 junge Frauen und Männer haben sich laut Firmenleitung beworben. Zwei stehen auf der Warteliste für das kommende Jahr.

In ihrem zweiten Lehrjahr wäscht Miriam Mayr bereits Verstorbene, kleidet sie an und richtet sie für den letzten Gang her. „Mit Toten zu arbeiten ist sehr interessant. Für mich war das keine Hürde. Man wird sich der eigenen Vergänglichkeit bewusst“, schätzt Mayr ihre Arbeit.

Sie könne die Ausbildung zur Bestattungsfachkraft empfehlen. Voraussetzung sei, dass man keine Berührungsängste mit Toten habe. Am besten gefielen ihr die Beerdigungen, sagt die Auszubildende: „Da sehe ich, wie gut es den Leuten tut, wenn sie von einem Verstorbenen in Ruhe Abschied nehmen können.“

Ihr Beruf sei sehr abwechslungsreich, das habe sie sich so gar nicht gedacht, so Miriam Mayr: „Ich wusste nicht, welche Ausbildung ich machen soll. Aber als ich ein einwöchiges Praktikum bei meinem jetzigen Arbeitgeber gemacht habe, habe ich mich für die Bestattung entschieden.“

Ein Praktikum gab den Ausschlag

Über ein Praktikum ist auch Mayrs Chef Georg Hartl in seinen Beruf gekommen. Zwar stammt er wie Peter Herdegen aus einer Bestatterfamilie, doch: „Eigentlich wollte ich nach meinem Realschulabschluss studieren“, erzählt er. Ein Praktikum im elterlichen Betrieb habe ihn aber überzeugt.

Georg Hartl hat den Betrieb inzwischen übernommen. Als positiv an seiner Arbeit empfinde auch er die Abwechslung, sagt der 30-Jährige. „Man ist im Büro und hilft den Angehörigen, man ist bei den Verstorbenen und schließlich am Friedhof, wo man auch Gräber aushebt“, so Hartl.

„Der neue Kinofilm zeigt ein ernstes Thema von der lockeren Seite“, sagt Bestatter Peter Herdegen.

Die größte Herausforderung sieht er wie Peter Herdegen darin, dass bei jeder Bestattung alles passen muss, egal wie viel gerade los ist. Hartl: „Wir können nie wieder etwas gut machen. Und sei es ein Rechtschreibfehler im Namen des Verstorbenen in der Zeitungsanzeige.“ Den trauernden Angehörigen seien solche Dinge extrem wichtig.

Umso froher mache es ihn, wenn alles gut gelaufen sei und sich Angehörige dafür bedanken. Dann, so Hartl, wisse er, warum ihm der Bestatterberuf Spaß mache.

Spaß gehört auch bei Bestattern dazu

Spaß inmitten von Tod und Trauer? „Ja, der muss sogar sein im Bestattungsgewerbe. Auch in Trauergesprächen wird gelacht“, betont der Priener Firmenchef. Weniger zu lachen haben die Kunden der Bestatter angesichts der gestiegenen Preise für Beerdigungen. Der Priener und der Breitbrunner Bestatter raten zu Trauervorsorgepaketen.

Sie haben wie ihre Branchenkollegen ihre Preise erhöht – seit Beginn von Corona, da wegen unterbrochener Lieferketten vieles teurer wurde und noch mehr, seit die Energiepreise und die Inflation dermaßen steigen.

Immerhin schrumpfe die Distanz zum Thema Tod wieder, findet Georg Hartl. Neben Komödien hätten die Medien und Social Media den Tod wieder mehr in den Vordergrund gerückt.

Auch Kinder brauchen Gelegenheit zum Trauern

Manchmal helfen die Bestatter selbst ein bisschen nach. So geschehen im Fall einer verstorbenen jungen Mutter. Für Georg Hartl war es die berührendste Beerdigung bisher: „Der Vater wollte das gemeinsame Kind schützen und fernhalten. Doch wir überzeugten ihn und der Bub durfte persönliche Dinge seiner Mama zur Beerdigung bringen.

Auf ihren Sarg hat er Blumen in ihrer Lieblingsfarbe Blau gemalt, denn die wusste nur er“, erzählt der Bestatter. Mehr als ein Jahr später habe sich der Vater nochmals bei ihm bedankt: Der Sohn habe den Tod seiner Mutter so gut verarbeitet.

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