Schiene und Wasser sollen als Alternative zur Straße gestärkt werden

Umwelt soll aufatmen

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Prien - Wie bekommt man mehr Lkw von den Straßen auf alternative Verkehrsträger wie Schiene und Wasser? Und wie macht man diese Angebote für die Wirtschaft attraktiver?

Diese beiden Kernfragen standen im Mittelpunkt der Auftaktveranstaltung zu dem EU-Projekkt "Transitects" ("Transalpine Transport Architects"). Koordiniert wird es beim Logistik-Kompetenz-Zentrum (LKZ) Prien.

Bereits seit über zehn Jahren beschäftigen sich die Experten vom LKZ mit innovativen Logistik-Lösungen für Industrie und Wirtschaft und bringen Verantwortliche aus den verschiedensten Bereichen zusammen. So konnte Geschäftsführer Karl Fischer die Vertreter der 16 "Transitects"-Partner sowie über 100 Gäste aus vier Staaten zu der Auftaktveranstaltung des europaweiten Projekts in Prien begrüßen (wir berichteten bereits kurz).

In den Redebeiträgen wurde deutlich, dass sich "Transitects" auf verkehrstechnische Lösungen im transalpinen Güterverkehr konzentriert, dieser jedoch nicht an den Ausläufern der Berghängen endet, sondern ein Teil der Verkehrsachsen von Norden nach Süden und Osten nach Westen darstellt.

"Die Neugestaltung der Verkehrspolitik hat eine gesamteuropäische Dimension", betonte Christian Huttenloher vom Deutschen Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung, dem so genannten Leadpartner des Projekts "Transitects".

Dr. Sabine Groner-Weber, die Vertreterin des deutschen Bundesverkehrsministers Dr. Peter Ramsauer, diagnostizierte durch die wirtschaftliche Krise eine "kleine Verschnaufpause für das hochsensible Ökosystem Alpen". Sobald die Konjunktur jedoch weiter anziehen werde - und alle Anzeichen sprächen dafür -, werde der Transitverkehr über die Alpen sogar noch steigen. "Dann brauchen wir tragfähige Alternativen, die den Lebensraum Alpen schonen, aber gleichzeitig den Export fördern".

Dies liegt natürlich auch den Vertretern den Vertretern Österreichs am Herzen. Ihr Land hat mit Einführung des "sektoralen" Fahrverbotes eine Maßnahme zum Schutz der Umwelt und Einwohner ergriffen, die die Wirtschaft jedoch behindere. Dr. Kurt Bechtold vom bayerischen Wirtschaftsministerium wies auf die Bedeutung funktionierender Verkehrsverbindungen für Bayern zu seinen wichtigsten Handelspartnern hin.

Aus Italien waren die vier Minister von Brescia, Mantua, Cremona und Friaul angereist. In ihren Regionen liegen wichtige Binnen- und Seehäfen sowie bedeutende Verkehrsknotenpunkte. In Italien wurden in den vergangenen Jahren die Verkehrswege auf der Schiene und dem Wasser erweitert, um die notwendigen Infrastrukturen für eine Öffnung der Handelswege auch in Richtung Osten zu schaffen.

Hintergrund ist auch die zunehmende Attraktivität der europäischen Süd- gegenüber den Nordhäfen. Die Mittelsmeerhäfen bringen eine deutliche Zeitersparnis und damit auch Kostenreduzierungen für Schiffe aus China und Indien. Allerdings muss der Weitertransport der Güter von den Südhäfen über die Alpen mit der Schiene zum großen Teil noch organisiert werden.

In diesem Zusammenhang kommt den bereits bestehenden Modellen "Rollende Landstraße" ("RoLa") und dem Unbegleiteten Kombinierten Verkehr ("UKV") eine große Bedeutung zu. Der Verladung von kompletten Lkw ("RoLa") und dem Transport von Containern ohne Begleitung durch Fahrer ("UKV") erfordere jedoch einen Ausbau des Schienennetzes sowie eine Anpassung des Fahrplans.

Franz Dirnbauer, Geschäftsführer der Ökombi GmbH und "RoLa"-Experte, bemängelte die veraltete Technik der zur Verfügung stehenden Waggons und mahnte dringend notwendige technische Innovationen an.

Für den kombinierten Verkehr auf Straße, Schiene und Wasser seien neue Knotenpunkte als Umschlagplätze für die Güter erforderlich. LKZ-Geschäftsführer Fischer bezeichnete sie als "rote Punkte" auf der Landkarte. Ebenso ist nach Ansicht der "Transitects"-Verantwortlichen die Öffnung weiterer transalpiner Bahnverbindungen nötig. Einhellig wurde die kürzlich eingerichtete Bahnverbindung Ulm-Melzo (Mailand) über den Gotthard-Tunnel begrüßt. Große Hoffnungen setzen Wirtschaft und Politik auch auf die Öffnung des Brenner-Basis-Tunnels.

In dem Projekt "Transitects" arbeiten deutsche, österreichische, italienische und slowenische Partner gemeinsam an der Entwicklung und Umsetzung belastbarer Alternativen zur Straße. Das Projekt umfasst ein Budget von 3,2 Millionen Euro, von denen 76 Prozent die EU übernimmt und die restlichen 24 Prozent von den Partnern getragen werden.

Unter der Projektkoordination des LKZ Prien sollen bis Juni 2012 tragfähige Lösungen für den Güterverkehr erarbeiten werden, die technische, wirtschaftliche und kreative Aspekte berücksichtigen. "Dann kann die Umwelt aufatmen", ist LKZ-Geschäftsführer Fischer überzeugt.

re/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © dpa

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