Feuerwehr Prien hilft

Im Prienavera wird erforscht, wie sich Aerosole verbreiten - für das Umweltbundesamt

Prienavera
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Das Prienavera

Für einen Vortrag im Auftrag des Bundesumweltamtes wurde jetzt das Prienavera vernebelt. Mit der dicken Luft sollten die Luftströme der Aerosole aufgespürt werden. Der aufwendige Test diente auch dazu, Planungsgrundlagen für die anstehende Erneuerung der Lüftungsanlagen im Erlebnisbad zu gewinnen.

Prien – Nebel zieht auf an einem eigentlich heiteren Vormittag im Prienavera. Erste Schwaden wabern über die Becken in der Halle des Erlebnisbades. Der Wetterumschwung ist künstlich und im Dienst der Wissenschaft. Das Prienavera steht Modell für die Verbreitung von Aerosolen durch Lüftungsanlagen in Hallenbädern. Auf die Ergebnisse wartet sogar das Umweltbundesamt.

Normalerweise benutzt die Priener Feuerwehr ihre beiden Nebelmaschinen, um für Übungen Rauch in Gebäuden zu simulieren. Heute sitzen stellvertretender Kommandant Johannes Herzinger und Klaus Kollmannsberger auf dem Dach des Prienavera. Sie haben die Lüftungsanlage des Erlebnisbades angezapft und blasen Nebel in die Halle.

Fachmann wartet auf die dicke Luft

Drinnen steht Stefan Mersmann und wartet auf die dicke Luft. Er gilt als eine der Kapazitäten in Deutschland in Sachen Bädertechnik. Den Ruf des Diplomingenieurs belegt die Tatsache, dass Mersmann im Auftrag des Umweltbundesamtes dieser Tage einen Online-Fachvortrag, insbesondere vor Mitarbeitern der kommunalen- und Landesgesundheitsämter halten wird. Am Beispiel des Prienavera wird Mersmann aufzeigen, wie Luftströmungen abhängig von Temperaturen und anderen Einflüssen in Hallenbädern funktionieren.

Die Nebelmaschinen machen die sonst unsichtbare Luft sichtbar. Acht Kameras hat Mersmann rund um die Becken postiert, um aus mehreren Blickwinkeln zu dokumentieren, was passiert. Ein Gong hatte das Personal zuvor aus der Halle vertrieben, damit durch Bewegung keine ungeplanten Verwirbelungen entstehen. Wer aber spektakuläre „special effects“ erwartet hat, wird enttäuscht. Es dauert, bis der Dunst sichtbar wird. 12 000 Kubikmeter Raumluft in der Halle sind eine träge Masse, die Nebelmaschinen schaffen nicht mehr als 500 Kubikmeter in der Minute.

„Da es zur Zeit noch keine verbindlichen Regelwerke zur Planung von Lüftungsanlagen unter Pandemiebedingungen gibt, soll für das Prienavera die maximale Planungssicherheit erreicht werden“, erklärt Mersmann, Geschäftsführer seines eigenen Planungsbüros bt plan in Essen, den Zweck der Übung.

Der Markt Prien, Eigentümer des Prienavera, hat heuer zwei Millionen Euro für die Modernisierung der Anlagen in seinem Erlebnisbad bereitgestellt. „Nach 21-jährigem Betrieb unserer Anlagen, planen wir den Austausch der Lüftungen“, präzisiert Dirk Schröder, Geschäftsführer der Chiemsee Marina GmbH, die das Prienavera und den Sportboothafen Stippelwerft nebenan betreibt. Konkret sind 1,1 Millionen Euro für vier neue, große Lüftungsanlagen eingeplant, weitere 900 000 Euro für Wassertechnik. Schröder hofft, dass die Vorgängermodelle vom Bau des Bades Ende der 1990er Jahre noch so lange durchhalten. Er muss sich in Fatalismus flüchten, weil die Planung der Umbauten noch nicht weiter vorangeschritten ist. Seit Anfang November ist das Erlebnisbad zum zweiten Mal in einen Corona-Lockdown zwangsweise geschlossen. Das ohnehin defizitäre Bad wird jeden Monat ohne Besuchereinnahmen ein noch größeres Minus-Geschäft.

Die neuen Lüftungsanlagen sollen vor allem auch Energiekosten sparen. Nach Aussage von Mersmann, sind die bestehenden Lüftungsanlagen zum damaligen Zeitpunkt effizient geplant gewesen. „Die Lüftungsausgänge und die Absaugung der Anlagen in der Badehalle sind nach ersten Erkenntnissen des Versuchs sehr gut verteilt und erreichen einen hohen Wirkungsgrad bei möglichst geringem Energieeinsatz“, ist Schröder zufrieden.

„Feuchte Luft wird gut abtransportiert“

Nach der ersten Auswertung der Versuchsergebnisse sieht der Geschäftsführer bezüglich der Aerosole die Vermutung bestätigt, „dass in einem Schwimmbad die feuchte Luft über dem Wasser, da sie leichter ist, gut nach außen abtransportiert wird und nicht, wie üblich, sich zunächst im Raum verteilt. Über warmem Wasser steigt die feuchte Luft an. Verstärkt wird diese Strömung, wenn Wasserattraktionen wie Sprudel oder Massage-Düsen in Betrieb sind“, so Schröders Fazit.

Diplomingenieur Stefan Mersmann erklärt im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung, dass die optimale Luftzirkulation im Prienavera erreicht wird, wenn die Luft, die durch rund 80 Rohre unterschiedlicher Größe in die Halle geblasen wird, zwei bis vier Grad wärmer ist als das Wasser. Das hat, je nach Becken, 28 beziehungsweise 32 Grad. Erwärmt wird die Luft auf dem Weg in die Halle. Der ist Mersmann zufolge von den Lüftungen draußen auf dem Vordach durch die Technik im Keller bis zu den senkrechten, durchsichtigen Einlassrohren auf der Seeseite der Halle etwa 100 Meter weit.

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