In der jüngsten Sitzung in Prien

Ausschuss diskutiert einige Bauanträge sehr kritisch

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Prien am Chiemsee - Eine Vielzahl an Themen wurden in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses verhandelt.

Neubau in der Boschenhofstraße 

Als erster Tagungspunkt stand der Bauantrag zum Neubau von vier Doppelhaushälften mit Garagen und Carports in den Boschenhofstraße auf dem Programm. Das Gremium folgte der Empfehlung der Verwaltung und erteilte einstimmig das Einvernehmen. Auch der Ersatzneubau von drei vorhandenen Garagen im Pfarrer-Josef-Preis-Weg traf auf die einhellige Zustimmung des Bauausschusses.

Bauherr lenkt beim Vorhaben am Herrnberg ein 

Der nächste Punkt betraf einen Bauantrag zum Neubau eines Zweifamilienhauses am Herrnberg, der bereits mehrfach im Gremium verhandelt und dort auf Ablehnung gestoßen war, weil sich der Bau nicht in die nähere Umgebung eingefügt habe, erklärte Lindner. Der Sachverhalt ging zum Landratsamt Rosenheim, das das Vorhaben ebenso ablehnte. Gegen diese Entscheidung legte der Bauherr Klage ein. 

Ende November fand die Verhandlung durch das Bayerische Verwaltungsgericht statt. Dieses wies die Klage zurück mit der Begründung, die straßenseitige Bauflucht bei dem geplanten Gebäude werde überschritten (darunter versteht man eine gedachte Linie, die die Positionen der Häuser verbindet und möglichst linear sein soll). Der Bauherr überarbeitete nun seinen Plan. Im neuen Bauantrag werde nun die Bauflucht wie auch die vom Gremium beanstandete Firsthöhe – sie liege jetzt einen halben Meter unter denen der Nachbarhäuser – eingehalten. Damit füge sich der Bau der näheren Umgebung ein, weshalb dem Vorhaben das einhellige Einvernehmen ausgesprochen wurde.

Erneuerungen am Seeufer finden Zustimmung 

Auch der Bauantrag zu Erneuerung des Dachs und des Ausbaus des Verwaltungsgebäudes am Campingplatz in der Harrasser Straße fand die Zustimmung des Gremiums. Das Satteldach soll durch ein neues, um 28° geneigtes ersetzt werden. Zudem plane der Bauherr im neu geschaffenen Obergeschoss Aufenthalts- und Sanitätsräume für das Personal. 

Lindner erachtete das Vorhaben als maßvoll, zudem seien die benötigten weiteren Stellplätze vorhanden, weshalb das Gremium dem Vorhaben einstimmig das Einvernehmen erteilte. Auch die Erneuerung des Anlegesteges am Schramlbad fand die einhellige Zustimmung des Bauausschusses. Der Steg werde geringfügig breiter, informierte Lindner auf Nachfrage. Er solle als Anlegeplatz für das Wikingerschiff "Freya" der vorjährigen Ausstellung im Rosenheimer Lokschuppen dienen.

Tektur im Gries birgt Diskussionsstoff 

Der Antragsteller reiche eine Veränderung (Tektur) des bereits bewilligten Bauantrags ein, da er davon abweichend gebaut habe, erklärte Lindner den Sachverhalt. Am Vierfamilienhaus im Weißgeberweg seien der Baukörper sowie die Balkone kleiner als geplant und statt Dachgauben seien Dachfenster eingesetzt worden. Zudem sei ein Erker sowie ein Balkon angebracht worden, die nicht im Bauantrag vorgesehen waren. 

Da für das Areal kein Bebauungsplan gelte und die Veränderungen keine Auswirkung auf das Einfügungsgebot des ursprünglich genehmigten Vorhabens haben, empfehle die Bauverwaltung, dem Antrag zu entsprechen, so Lindner. Michael Anner (CSU) erwiderte den Ausführungen, das Gremium habe sich lange mit dem Antrag auseinandergesetzt, sei auch vor Ort gewesen. Ihn ärgere, dass nun doch anders als vereinbart gebaut worden sei. Und darüber hinaus hätte der Bauherr die Tektur erst beantragt, nachdem die Baukontrolle die Änderungen entdeckt hätte. Das Gries sei ein "empfindliches Gebiet", deshalb stimme er dem Antrag nicht zu. 

Dritter Bürgermeister Alfred Schelhas (SPD), der im Zuge der Abwesenheit von Erstem Bürgermeister Jürgen Seifert die Sitzung führte, bemerkte, dass es zur Ablehnung keine rechtliche Grundlage gebe. Gunther Kraus (CSU) schloss sich der Meinung Anners an – auch ohne rechtliche Handhabe. Man könne immer Lösungen finden, so Kraus, aber bevor und nicht nachdem gebaut worden sei. 

Das Gremium wies den Antrag mit 6:3 ab. 3. Bürgermeister Alfred Schelhas (SPD), Marie-Luise Ganter (SPD) und Gabriele Rau (Die Grünen) stimmten aufgrund der Rechtslage zu; Dr. Meinolf Schöberl (Freie Wähler Prien, FW), Tobias Ihm (Bürger für Prien, BfP), Michael Schlosser (Überparteiliche Wählergemeinschaft, ÜWG), Michael Anner (CSU), Gunther Kraus (CSU) und Annette Resch (CSU) lehnten ab. Nun wird die übergeordnete Instanz, das Landratsamt Rosenheim, über den Antrag entscheiden müssen.

Verlängerungen und Nutzungsänderungen 

Anträge auf Verlängerungen der Baugenehmigungen wurden zur Errichtung eines Einfamilienhauses in der Ernsdorfer Straße, zum Teilabbruch und Neubau eines Mehrfamilienhauses im Rafenauer Weg sowie die der Befristung der aufgestellten Funktionsräume in Modulbauweise (Container hinter der Klinik St. Irmingard) gestellt, denen allen einstimmig das Einvernehmen erteilt wurde. Auch der Antrag auf Nutzungsänderung eines bestehenden Verkaufsraums in eine Kaffeerösterei in der Schulstraße stieß auf einhellige Zustimmung. 

Hier soll nur der bestehende Kamin wiederhergestellt werden, weitere bauliche Veränderungen seien nicht geplant, so Lindner. Dem Antrag auf Nutzungsänderung eines Lagers in einen Verkaufsraum in der Wendelsteinstraße empfahl Thomas Lindner zuzustimmen, auch wenn der benötigte Stellplatz nicht vorhanden sei. Er schlage eine Ablöse vor. 3. Bürgermeister Alfred Schelhas (SPD) bemerkte, dass der Wendelsteinparkplatz gleich daneben liege. 

Michael Anner (CSU) verwies auf einen ähnlich gelagerten Fall in der Nähe, wo das Gremium eine Ablöse verweigert habe. Er stimme aus einem Gleichheitsaspekten nicht zu, dem schloss sich Gunther Kraus (CSU) an, so dass die Abstimmung 2:7 für den Antrag ergab.

Erschließung des Neubaus muss gesichert sein 

Beim Antrag auf Vorbescheid zur Errichtung eines Wintergartens im Margeritenweg herrschte Einigkeit; ihm wurde einhellig das Einvernehmen erteilt. Der zur Errichtung eines Zweifamilienwohnhauses Nähe Osternacher Straße führte zu einer Diskussion. Die Erschließung des betreffenden Grundstücks sei nicht gesichert, da es nicht an einer öffentlichen Straße liege. 

Die Bauherrin beantrage deshalb ein Geh-, Fahr- und Leitungsrecht auf dem Grundstück, das der Gemeinde Prien gehöre, erläuterte Lindner den Sachverhalt. Michael Anner (CSU) begegnete dem, die Erteilung eines solchen Rechts gehöre in den Hauptausschuss. Dr. Meinolf Schöberl (FW) meinte, zuerst müssten die Konditionen verhandelt werden, erst dann könne man dem Antrag zustimmen. Tobias Ihm (BfP) versuchte zu klären: "Wir entscheiden heute, unter welchen Bedingungen sie bauen darf, nämlich dann, wenn sie die Grunddienstbarkeit erhält, dies wird im kommenden Hauptausschuss verhandelt!", fasste er zusammen. Dem entsprach das Gremium einstimmig.

Garage darf Sicht nicht behindern 

Der Antrag auf Vorbescheid zum Bau eines Doppelhauses mit zwei Doppelgaragen in der Weißdornstraße beziehe sich auf ein Gebiet, für das ein Bebauungsplan gelte, dessen Festsetzungen nicht eingehalten würden, so Lindner. Die Garagen hielten die Baugrenzen nicht ein, es gäbe allerdings Bezugsfälle.

Michael Anner (CSU) erachtete die Überschreitung vor allem der östlichen Garage als nicht tolerierbar, da diese den bereits jetzt unübersichtlichen Straßenverlauf weiter gefährde. Das Gremium nahm dieses Argument auf und stimmte dem Vorhaben einhellig unter der Auflage zu, dass die östliche Garage drei Meter Abstand zur Fahrbahn einhalten müsse.

Fünfeckiges Haus am Marktplatz 

Der nächste Tagungspunkt hatte wieder Zündstoff. Der Bauherr beantragte einen Vorbescheid zum Neubau eines dreistöckigen, rund zehn Meter hohen Geschäfts- und Wohngebäudes am Rande des Marktplatzes nahe der Prien mit einer Grundfläche von 326 m2. Das Erdgeschoss solle zum Schutz vor Hochwasser einen halben Meter über dem Bodenniveau liegen. Dies sei bereits mit dem Wasserwirtschaftsamt Rosenheim besprochen. 

Geplant sei auch eine Tiefgarage, da die Nutzung noch nicht klar sei, wisse man nicht, wie viele Stellplätze bereitgestellt werden müssten. Sie würden in jedem Fall in der Tiefgarage ausgewiesen. Rechne man die Zufahrt mit ein, besitze der Neubau eine Fläche von 517 m2, so Lindner. Tobias Ihm (BfP) meinte, er könne sich diesen fünfeckigen Bau an dieser Stelle nahe des Heimatmuseums nicht vorstellen. 

"Denkmalschutz hört nicht an der Mauer auf, sondern bezieht auch die nähere Umgebung mit ein", so seine Meinung. Er plädierte deshalb dafür, eine 3D-Ansicht und eine Fotomontage anzufordern, um sich die optische Wirkung besser vorstellen zu können. Lindner erklärte, dass der Bauausschuss grundsätzlich nur noch Art und Maß der baulichen Nutzung zu entscheiden habe. Die Optik werde mit der Ortsgestaltungssatzung festgelegt. Auch Michael Anner (CSU) sagte, dass für den Vorbescheid keine detaillierten Planungen nötig seien. Ihm blieb bei seiner Ansicht, dass er jetzt nicht mit Ja stimmen und dann beim Bauantrag den Bau mit den fünf Außenwänden ablehnen könne. Die Abstimmung ergab ein 1 (Ihm):8 für einen positiven Vorbescheid.

Baumfällung im Eichental 

Nach der Zustimmung zur Sanierung der Außentreppe der Christuskirche im Kirchenweg kam unter Verschiedenes die Sanierung der baufälligen Fußgängerbrücke im Eichental im September dieses Jahres zur Sprache. 

Um eine neue neben der alten zu errichten, müssten vier Bäume an der Böschung gefällt werden, was nur im Winter, nicht aber in der Zeit vom 28. Februar bis Anfang Oktober wegen der Vogelbrut möglich sei. Dies werde in den nächsten Wochen geschehen, informierte Lindner, bevor Schelhas den öffentlichen Teil beendete.

Pressemitteilung Gemeinde Prien am Chiemsee

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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