Priener Reha-Klinik: Chefarzt weist Kritik zu Abstand und Hygiene zurück

Unschöne Ansichten ehemaliger Patientin: „Lasche Handhabe“ von Corona-Regeln im Medical Park?

Hasso Balasch, Chefarzt der Orthopädie im Medical Park Prien
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Hasso Balasch, Chefarzt der Orthopädie im Medical Park, nimmt Stellung zu den Vorwürfen einer ehemaligen Patientin in Bezug auf Abstand und Hygiene im Rahmen eines Covid-Ausbruchs in der Reha-Klinik in Prien.

Prien am Chiemsee - Nicht-Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln, keine Masken, mangelnde Therapie-Organisation - die Vorwürfe einer ehemaligen Patientin an den Medical Park nach dem Corona-Ausbruch wiegen schwer. Wir haben den Chefarzt der Reha-Einrichtung um eine Stellungnahme gebeten.

Anfang November fuhr der Medical Park seinen Betrieb herunter, Patienten wurden nach Hause entlassen oder in andere Krankenhäuser verlegt, Seit Mittwochmorgen (18. November) darf die Reha-Klinik wieder Patienten aufnehmen. Das erklärt Pressesprecher Heiko Leske auf Nachfrage von rosenheim24.de Sollten noch positive Ergebnisse ans Licht kommen, werde man sich noch einmal mit dem Gesundheitsamt absprechen.

Dass in der Einrichtung im Herzen der Chiemseegemeinde ein Covid-Ausbruch erfolgt ist, wundert eine Münchnerin nicht, wenn sie an die Zustände im Medical Park zurückdenkt. Sie war selbst im September dort Patientin und hatte gleich mehrere Aspekte zu bemängeln, wie sie in einem Schreiben an die Redaktion mitteilt. Ihr Fazit: Die gesamte Problematik rund um Corona unterlief einer „äußerst laschen Handhabe“.

Kein Abstand, keine Maske, Kontakte außerhalb der Klinik

Von Abstandsregeln habe man „nur träumen“ können, das sei bei einem „voll besetzen Haus mit 200 Patienten auch gar nicht möglich, in den Gängen nicht und auch nicht im Aufzug“. Immer wieder habe man Patienten gesehen, die die Maske unter der Nase getragen hätten, das Personal habe darauf nicht geachtet.

Auch außerhalb der Klinik, direkt vor der Tür, habe man sich als Patient mit anderen Leuten im Ort, im Restaurant oder im Supermarkt treffen können, „so oft und mit wie vielen man wollte“. Mit so vielen Kontakten habe man sich „selbstverständlich jederzeit anstecken und das Virus in die Klinik tragen“ können. Wenn Pressesprecher Leske sagt, er wüsste nicht, wie das Virus in die Klinik gelangte, dann sei das einigermaßen blauäugig. Das nehme ich ihm nicht ab.“

Vorwürfe zu Maske und Abstand: So reagiert Chefarzt Balasch

Hasso Balasch, Chefarzt der Orthopädie im Medical Park, kann die Vorwürfe, mit denen ihn rosenheim24.de konfrontiert, nur bedingt nachvollziehen. Neben dem Aufnahmestop herrsche derzeit ein Besuchsverbot. Damals habe man sich durchaus mit Leuten außerhalb der Klinik treffen können, da es damals noch keine Verbote gegeben habe. „Es gibt sowohl frisch operierte Patienten, die sich primär nur auf dem Klinikgelände aufhalten, wir haben aber auch einen Teil mobiler Patienten, die sich durchaus mal im Ort aufhalten oder spazieren gehen“, erläutert Balasch.

„Auf den Gängen und am Aufzug ist ein dauerhafter Abstand von über 1,50 Meter nicht einzuhalten“, räumt er ein und verweist auf die baulichen Gegebenheiten, die Gänge seien etwa zwei Meter breit. „Dass man sich da kurz vis-à-vis begegnet lässt sich nicht vermeiden. Mitarbeiter sowie Patienten tragen einen medizinischen Mund-Nasen-Schutz. Keiner hat sich ohne Abstand auf den Gängen länger unterhalten.“ Darüber hinaus habe man Patienten auch aktiv darauf hingewiesen, ihre Mund-Nasen-Bedeckung korrekt zu tragen und sich an die Hausordnung zu halten - im Wiederholungsfall der Missachtung würden Patienten auch heimgeschickt werden.

Ebenfalls ein Dorn im Auge der ehemaligen Patientin: Es gebe nur einen Aufzug, der alle Stockwerke anfahre und während ihres Aufenthaltes mehrfach außer Betrieb gewesen sei. Darüber hinaus sei er langsam und - außer am Wochenende - meistens voll.

„Das stimmt so nicht“, widerspricht Balasch. Man habe drei Aufzüge. In dem Zeitraum, in dem die Patientin im Haus gewesen sei, sei einer tatsächlich zweimal für kurze Zeit außer Betrieb gewesen, während der Reparatur habe man diesen aus Sicherheitsgründen nicht nutzen können. Vom Keller bis in den vierten Stock brauche der Aufzug circa zwei Minuten, betont Balasch. „Das ist nicht ideal, aber auch nicht anders zu lösen - aus Sicht der Patientin ist das freilich nachvollziehbar, dass der Ausfall für sie nicht so toll war.“

Schlechte Thearapie-Organisation: Chefarzt weißt Kritik zurück

Der nächste negative Punkt der Dame: Vor den Therapie-Zentren müsse man „wie die Hühner auf der Stange warten“, bis man aufgerufen werde - dies habe sich ferner in die Länge gezogen. Nebenbei sei die Therapie-Organisation schlecht gewesen, ständig Einheiten umgelegt worden. Oft habe man „keine Chance“ gehabt, rechtzeitig den neuen Termin zu erfahren. Bei ihr sei das zweimal der Fall gewesen, ohne dass es einen Ersatz gegeben habe.

Diesen Vorwurf kann Balasch zurückweisen: „Die Stühle in den Wartebereichen sind auseinandergestellt, lediglich an zwei Stellen haben wir aus Brandschutz- und Hygienegründen miteinander verschraubte Stühle. Aufgestellte Schilder, dass nur jeder zweite Platz besetzt wird, wurden hier aber teilweise leider ignoriert. Wir haben uns bemüht, die Vorschriften so gut es geht einzuhalten, aber dass sich hier zwei Personen einmal zu nah begegnen, kann nicht ausgeschlossen werden. Die Wartezeiten an sich jedoch waren nicht zu lange.“

Der Medical Park habe in der Pandemie ein unternehmenseigenes Konzept für eine sichere Reha entwickelt. Darin enthalten unter anderem die Gruppengröße für Therapien oder ersatzlose Streichungen gewisser Einheiten. Alle Patienten aber würden über Änderungen in der Organisationsstruktur einzelner Therapie-Einheiten informiert, dazu gebe es an der Rezeption eigene Fächer für jeden Patienten, in denen neue Stundenpläne zu finden seien. Freilich seien aber Organisationsprobleme oder logistische Probleme seitens der Klinik nicht auszuschließen - gerade im Rahmen der Umstrukturierung wegen Corona.

„Zusammenhang zwischen den Vorwürfen weder zeitlich noch inhaltlich“ herstellbar

Seit die Dame Ende September entlassen worden sei, habe man schon neue Patientenströme bis zum Corona-Ausbruch verzeichnet. Im Schnitt belaufe sich der Aufenthalt der Patienten auf bis zu 22 Tage. Grundsätzlich sei es Balasch zufolge so, dass die ehemalige Patientin Dinge vor dem Covid-Ausbruch anprangere.

„Es ist ein bisserl abenteuerlich von einem Reha-Aufenthalt im September auf ein Ausbruchgeschehen im November Rückschlüsse ziehen zu wollen,“ schließt Balasch seine Erläuterungen. „Wir hatten im September bereits ein Konzept, mit Erfahrungen aus der ersten Welle im Frühjahr, das wir umgesetzt haben. Einen Zusammenhang zwischen den Vorwürfen kann ich weder zeitlich noch inhaltlich direkt herstellen. Freilich bedeutet auch der Mitarbeiter der Klinik ein gewisses Risiko, wir achten zwar alle drauf, aber eine Ansteckung lässt sich nicht hundertprozentig vermeiden.“

mb

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