Podiumsdiskussion im kleinen Kursaal

"Nationalpark Chiemgau" errichten?

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Prien - Im Rahmen einer Podiumsdiskussion stand die Frage im Raum, warum ein Nationalpark rund um den Chiemsee wichtig sein kann.

"Weltnaturerbe/Nationalpark Chiemgau und bayerisches Voralpenland - ein anstrebenswertes Ziel für die Zukunft unserer Kinder und Enkel?!" So lautete der Titel einer Podiumsdiskussion im kleinen Kursaal, die das Institut für Internationale Ökologische und Ökonomische Forschungen und Untersuchungen mit Sitz in Rimsting veranstaltet. Initiator Clemens Grill, der auch dritter Sprecher der Bürgerinitiative "Gegen Gasbohrungen unter dem Langbürgner See/Eggstätter Seenplatte" gewesen war, brach eine leidenschaftliche Lanze für die Idee, einen Nationalpark im Chiemgau und bayerischen Voralpenland zu errichten.

Auf dem Podium ebenfalls Platz genommen hatten Peter Stocker, Vorstand der Interessengemeinschaft Tourismus Region 18, Karin Frank vom Autarkie Forum Chiemsee (AFC), Diplom-Physiker Hans Niedzballa, der als Berater in der alternativen Energiewirtschaft tätig ist, Simon Frank, Bachelor of Science Engineering sowie Karl Lindner, der sich auch schon in der Bürgerinitiative "Rettet den Geigelstein" vor einigen Jahren stark engagierte.

Auch die neuesten Entwicklungen im Rahmen des Themas Gasbohrungen waren ein Kernthema der Veranstaltung. Clemens Grill, der über 20 Jahre bei der Salzgitter AG für Bohrungen und Bohrtechnik zuständig war, aber auch die übrigen Experten auf der Empore waren sich darüber einig, dass der angekündigte Rückzug der österreichischen Firma RAG, die sich die Bohrrechte in diesem Bereich gesichert hatte, nur als vorläufig zu betrachten sei. "Die kommen wieder", war sich Grill, wie er sagte, hundertprozentig sicher. Als möglichen Schutz der Natur und vor allem des Trinkwassers in der ganzen Region plädierte er für die Schaffung eines Status als "WeltNaturerbe" oder zumindest für die Ausweisung eines Nationalparks.

In der Diskussion mit dem Publikum brachte ein Mann aus Eggstätt die Alpenkonvention ins Spiel, ein Übereinkommen der Anrainerstaaten des Alpenraumes, das eigentlich zum Ziel hat, die Natur zu schützen. 1992 habe auch Deutschland dieses Vertragswerk ratifiziert. Dadurch seien solche Bohrungen gar nicht erlaubt, betonte der Eggstätter. Gerold Schwarzer, Vorsitzender der Ortsgruppe Rimsting, des Bund Naturschutz plädierte für die Ausweisung eines Naturparks rund um den Chiemsee. "Wir haben wirklich viel, was wir in die Waagschale werfen können", verwies Schwarzer unter anderem auf das Achendelta, den Chiemsee, die Inseln und die Eggstätter Seenplatte. Zuvor hatte Klaus Thiele, gut 20 Jahre stellvertretender Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald, die Voraussetzungen für die Schaffung eines Nationalparks aufgelistet. "Sie brauchen mindestens 75 Prozent Wildnis", damit so etwas zur Disposition stehe. Und auch bei der Einstufung als Naturpark zog er einen Vergleich, denn der Schutz der Natur sei besser als in einem großen Landschaftsschutzgebiet, aber eben auch nicht vollständig. Karl Lindner sah auch die Außenwirkung, wenn im Chiemgau ein Naturpark ausgewiesen werden könne. "Das wäre ein echtes Aushängeschild", war sich Lindner sicher.

"Nicht nur reden, sondern handeln"

Podiumsteilnehmer und Besucher waren sich einig, dass die Veranstaltung auf jeden Fall als Initialzündung für weitere Treffen und Aktionen zu werten sei. "Wir müssen nicht nur reden, sondern handeln", fasste es Clemens Grill am Ende des Abends zusammen. daa

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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