Die Besten blieben im Dunkeln

Rektor Hans-Joachim Reuter (rechts) mit den besten Quali-Absolventen: Lukas Grasshoff, Georg Gmeiner, Thomas Wilhelm, Johanna Estner, Michael Rieder, Franz Fischer, Michael Kreipl und Christoph Hartl (von links). Fotos berger

Prien - Die Abschlussfeier am Donnerstagabend wird in die Annalen der Franziska-Hager-Hauptschule eingehen. Sie war nicht nur die letzte vor der Ernennung zur Mittelschule, sondern fand großteils bei Kerzenschein statt.

Just bei der Ehrung der Jahrgangsbesten ging das Licht in der Turnhalle aus. Das Raunen von mehreren hundert Gästen galt in diesem Moment wohl weniger den Noten der Absolventen, die Rektor Hans-Joachim Reuter bekannt gab, sondern der unvermittelten Dunkelheit. Nach einer kurzen organisatorischen Pause waren ein Mikrofon samt Lautsprechern mit Akku-Betrieb und ein paar Kerzen gefunden. Deshalb war die Atmosphäre bei der Zeugnisübergabe nicht nur feierlich, sondern auch heimelig. Während die Gäste gelassen blieben, bewies die Schule Flexibilität. Denn kurzerhand verlieh im Dunkeln und "unplugged" eine Bläsergruppe unter Leitung von Georg Leidel der Feier einen würdigen Abschluss.

Reuter hatte angesichts der drückenden Schwüle im Saal gleich zu Beginn die Kleiderordnung aufgehoben und die Faltblätter mit dem Programm als Fächer angepriesen. Der Rektor ließ die Schulzeit der Absolventen Revue passieren, mehrfach unterbrochen von einem "Oh happy day" der beiden Lehrer Hugo Huber und Christoph Kerscher. "Bewahrt euch immer Träume und Ziele in eurem Leben", gab der Rektor den scheidenden Schülern mit auf den weiteren Lebensweg und endete mit einem passenden Gedicht von Helmut Zöpfl auf Bairisch.

Topaktuell zum prasselnden Geräusch des einsetzenden Gewitterregens fragte die Schulband "Who'll stop the rain".

Bürgermeister Jürgen Seifert machte der Schule im Namen seiner Amtskollegen im Auditorium und in seiner Eigenschaft als Schulverbandsvorsitzender Komplimente für die "großartige Schulphilosophie". Als er vom letzten Jahrgang in der "alten" Hauptschule vor der Umwandlung zu einer der ersten Mittelschulen im Landkreis sprach, konnte Seifert noch nicht ahnen, dass der Abend auch in anderer Hinsicht besonders werden würde. Keine halbe Stunde später kümmerte er sich darum, dass die Feuerwehr anrückte, um zumindest zum Stehempfang Halle und Nebenräume mit Scheinwerfern auszuleuchten, die über Notstromaggregate gespeist wurden.

Seifert lobte auch die "Zielstrebigkeit" der Schule, auch diesen Abschluss trotz der zwangsläufigen Einschränkungen durch die umfangreichen Sanierungsarbeiten "zu einem guten werden zu lassen". Elternbeiratsvorsitzende Petra Wörndl, die ihr Amt abgeben wird, machte den Absolventen Mut: "Lasst euch nicht entmutigen, traut euch etwas zu."

Noch wie geplant dankte Reuter den drei Schülersprechern mit Gutscheinen für ihr Engagement und ehrte die drei besten "Quali"-Absolventen: Lukas Grasshoff (Notenschnitt 1,33), Georg Gmeiner (1,44) und Thomas Wilhelm (1,55). Just als der Rektor die drei Besten aus der M-Klasse für ihre Leistungen bei den Mittlere-Reife-Prüfungen auf die Bühne gerufen hatte, um sie zu ehren, ging das Licht aus. Georg Estner, Juli Heller (beide 2,13) und Corinna Mayr (2,25) nahmen ihre Auszeichnungen im Dunkeln entgegen. Dazu blitzten nur die Fotoapparate wie draußen das Gewitter.

So blieb die Atmosphäre auch, als die insgesamt 41 "Quali"- und die 22 Mittlere-Reife-Absolventen auf der Bühne im Kerzenschein ihre Zeugnisse überreicht bekamen. Jeder bekam verdienten Applaus. Das Festtagsgewand, das die allermeisten eigens übergestreift hatten, blieb den Blicken der Gäste in der Halle allerdings verborgen.

db/Chiemgau-Zeitung

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