Baugrund musste verlost werden

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Prien - Bezahlbarer Baugrund ist rar in Prien. Deshalb war das Interesse groß an den sechs Parzellen für Doppelhaushälften auf dem Areal des Haus für Kinder Marquette.

Sie waren zwar nicht zu Konditionen nach dem Einheimischenmodell, aber günstiger als auf dem freien Markt zu haben. Die Grundstücke mussten im Losverfahren vergeben werden.

Die Vergabe nach sozialen Kriterien an junge Familien mit kleinen Kindern war ein entscheidendes Kriterium dafür, dass das Landratsamt den Bebauungsplan am Rande des Geltungsbereichs der Chiemseeschutzverordnung genehmigt hatte. Das langwierige Verfahren wurde Ende vergangenen Jahres abgeschlossen und der Bebauungsplan rechtskräftig.

Auf dieser Grundlage konnte die Marktgemeinde daran gehen, die Parzellen zu Geld zu machen. Der Verkaufserlös dient zur teilweisen Finanzierung des Neubaus vom Haus für Kinder Marquette nebenan. Er ist auf 2,35 Millionen Euro veranschlagt, 1,17 Millionen davon fließen als Zuschuss.

Die Zahl der Bewerber für die Parzellen war offenbar um ein mehrfaches höher als die Zahl der Grundstücke, ließ Bürgermeister Jürgen Seifert auf Nachfrage durchblicken.

Darunter waren wohl auch viele, die seit Jahren auf ein Grundstück im Einheimischenmodell hoffen. Die Warteliste ist lang. Unter den Bewerbern für ein Grundstück auf dem Marquette-Areal waren wohl auch manche Einheimische, die die speziellen Kriterien inzwischen nicht mehr erfüllen, nämlich ein oder mehrere Kinder im Alter bis sechs Jahren in der Familie zu haben.

Aber auch nach der Überprüfung, welche Interessenten die Kriterien erfüllen, gab es noch mehr Kandidaten als Parzellen. Deshalb wurden die übrigen Kandidaten ins Rathaus geladen zur Auslosung. Wie die Chiemgau-Zeitung erfuhr, gab es für jede der sechs Parzellen ein Los im Topf, der Rest waren quasi Nieten.

Die genauen Quadratmeterpreise, zu denen die Grundstücke nun den Besitzer wechseln sollen, wollte Seifert nicht öffentlich nennen. Er deutete aber an, dass sie etwa in der Mitte zwischen denen für Einheimischengrundstücke und denen auf dem freien Markt liegen. Ende dieses Monats sollen die Verkäufe notariell besiegelt werden.

Im gemeindlichen Haushalt 2012 waren 1,5 Millionen Euro als Erlös aus Grundstücksverkäufen eingeplant. Seifert hatte in der Bürgerversammlung darauf verwiesen, dass ein entsprechender Betrag in den Rücklagen zur Überbrückung bereitstehe, sollten die Verkäufe nicht bis zum Jahresende realisiert werden können. Er unterstrich, dass das Gesamtprojekt ohne jegliche Neuverschuldung realisiert werden könne.

Der Neubau des Haus für Kinder Marquette liegt derweil gut im Zeitplan. Auf jeden Fall noch vor den Sommerferien sollen die beiden quadratischen Gebäude, die durch einen Zwischenbau verbunden sind, bezugsfertig sein, versicherte der Bürgermeister. Allerdings sind noch nicht alle Fragen der Innenausstattung und der Gestaltung der Außenanlagen geklärt, schränkte er ein.

Zudem kann der Abriss des unmittelbar benachbarten Altbaus erst nach Bezug des Neubaus erfolgen und die freiwerdende Fläche umgestaltet werden.

Mit dem neuen Haus für Kinder Marquette erfüllt die Marktgemeinde auch eine gesetzliche Verpflichtung. Ab August dieses Jahres haben alle Eltern mit Nachwuchs bis drei Jahren einen Anspruch auf einen Betreuungsplatz. Kommunen, die dies nicht in ihren Einrichtungen abdecken können, droht die Gefahr, Alternativen bezahlen zu müssen, zum Beispiel Tagesmütter.

Der örtliche Bedarf, insbesondere die seit Jahren stetig steigende Nachfrage nach Krippenplätzen, muss regelmäßig abgefragt werden. Im Turnus von drei Jahren müssen Kommunen den Bedarf ermitteln. Die Zahlen, die in Prien zugrunde liegen, stammen aus dem Jahr 2009.

Im vergangenen Jahr wurde zwar wieder im ganzen Ort flächendeckend abgefragt, die Rückmeldungen sind aber im Rathaus noch nicht abschließend ausgewertet. Die exakte Bedarfsermittlung erfolgt in Abstimmung mit allen örtlichen Betreuungseinrichtungen. Eine Schwierigkeit besteht darin, dass manche Eltern ihre Kinder in zwei oder sogar drei Einrichtungen gleichzeitig anmelden, in der Hoffnung, dass dann die Chancen steigen, tatsächlich irgendwo einen Platz zu bekommen.

Das neue Haus für Kinder Marquette wird 36 Krippenplätze haben, was aber nicht identisch ist mit der Zahl der Kinder, die in den dann drei Gruppen von Fachpersonal des Diakonischen Werks Rosenheim betreut werden können. Das sind mehr, denn viele Eltern melden ihren Nachwuchs nur für bestimmte Wochentage oder Tageszeiten an, so dass Plätze dann mehrfach genutzt werden können.

Inwieweit der offiziell ermittelte Bedarf mit der aktuellen Realität übereinstimmt, lässt sich wohl nach dem 25. Januar einschätzen. Beim Tag der offenen Tür von 14.30 bis 16.30 Uhr bietet das Marquette nämlich auch die Möglichkeit, ein Kind für einen Platz im nächsten Kindergartenjahr ab September vormerken zu lassen.

Neben den Krippengruppen entstehen im Neubau auch Räume für zwei Kindergartengruppen und eine Hortgruppe.

db/Chiemgau Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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