Energiekosten um die Hälfte gedrückt

Prien - Die Klinik St. Irmingard hat am Donnerstag ihr neues gasbetriebenes Blockheizkraftwerk offiziell in Betrieb genommen.

Die Energiekosten können mit der 450000-Euro-Investition voraussichtlich um die Hälfte gesenkt werden. In vier Jahren wird sich das Blockheizkraftwerk (BHKW) amortisiert haben. Strom, Heizung und Warmwasser sind gerade in einer Klinik einer der größten Kostenfaktoren. Schon deshalb freute sich Dietolf Hämel, Vorstandsvorsitzender der Gesundheitswelt Chiemgau (GWC), zu der das Haus gehört, über das gelungene Zusammenspiel von Ökologie und Ökonomie.

Denn durch das BHKW wird auch der Kohlendioxidausstoß um 340 Tonnen im Jahr beziehungsweise fast ein Drittel reduziert. Das entspricht dem Verbrauch von 90 Pkw mit einer Laufleistung von 20000 Kilometern jährlich oder 50 durchschnittlichen Einfamilienhäusern, rechnete Thomas Jung vor. Der Chef des Gebäude- und Energiemanagements der GWC hat das Projekt seit den ersten Planungsschritten vor rund zwei Jahren geleitet.

Die Irmingardklinik hing seit ihrer Gründung vollständig am Erdöl-Tropf und ist vor dem Hintergrund kletternder Öl- und Strompreise jetzt auf Gas umgestiegen. Durch die sogenannte Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) wird es mittels Wärmetauscher und Generator in Wärme und Strom umgewandelt. Für diese effiziente Technik gibt es Boni auf den Strompreis. Das heißt, die Klinik bekommt künftig einen Teil des Geldes zurück, das sie ausgeben muss, damit die medizinischen Geräte laufen und die Lichter brennen.

Mit einem Wirkungsgrad von über 90 Prozent ist die neue Anlage fast dreimal so effektiv wie ein Großkraftwerk, rechnete Franz-Xaver Sepp den zahlreichen Gästen gestern Mittag vor. Der Energieingenieur vertrat die Firma Siemens, die beim rund fünfmonatigen Neu- und Umbau federführend war.

Denn die GWC hat an ihrem Priener Standort nicht nur ein BHKW gebaut, sondern auch einen Großteil der alten Technik erneuert, zum Beispiel den Kessel ausgetauscht und den alten Warmwasser- durch einen Heizwasserspeicher mit acht Kubikmeter Fassungsvermögen ersetzt. Produziert das BHKW also manchmal mehr Wärme als benötigt, kann ein Teil zum späteren Heizen zwischengespeichert werden.

Die Fachleute rechnen damit, dass zu der Senkung der Energiekosten um gut 40 Prozent nochmal zehn bis 15 Prozent durch die Effizienz modernerer Systeme dazukommen, sodass unterm Strich etwa die Hälfte weniger Kosten anfallen wie bisher. Zwar machten die Verantwortlichen gestern dazu keine Angaben, aber es dürfte sich um mehrere 100000 Euro im Jahr handeln, die in der Irmingardklinik bisher für Wärme und Strom ausgegeben werden müssen.

Das BHKW ist von seiner Leistung so ausgelegt, dass es in den Sommermonaten nahezu den gesamten Bedarf an Strom und Wärme der Klinik mit ihren gut 200 praktisch immer voll ausgelasteten Betten und 180 Mitarbeitern decken kann. So soll eine Betriebszeit von 8000 Stunden jährlich erreicht werden. Vor allem in den kalten Wintermonaten wird entsprechend überwiegend mit Erdgas geheizt. Der Hausanschluss ans Erdgas-Leitungsnetz wurde im Zuge der Arbeiten geschaffen.

Bürgermeister Jürgen Seifert beglückwünschte die Klinik im Namen der Marktgemeinde Prien zu "einem Stück weit mehr Unabhängigkeit". Der Weg in Richtung energetische Unabhängigkeit sei definitiv der richtige.

Vor der feierlichen Inbetriebnahme war das BHKW technisch offiziell abgenommen worden, nachdem es unter Federführung von Haustechniker Werner Naumann und seiner Mannschaft schon einige Wochen Probebetrieb erfolgreich durchlaufen hatte.

db/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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