Debatten als Deutsch-Schulaufgaben

Prien - Mit genau 1000 Schülern in zumeist recht kleinen Klassen geht das Ludwig-Thoma-Gymnasium (LTG) ins neue Schuljahr.

124 Fünftklässler werden in fünf Eingangsklassen verteilt. Im 86-köpfigen Kollegium gibt es 16 neue Gesichter und einige Rückkehrerinnen.

24 oder 25 Kinder werden jeweils die fünf fünften Klassen bilden, die Oberstudiendirektor Günther Madsack am 16. September als Neulinge am LTG begrüßen wird. Eine wird eine Chorklasse sein, in der die Kinder zusammengefasst sind, deren Eltern bei einer Abfrage diesen musikalischen Schwerpunkt gewünscht hatten. Um die Stimmbildung der Mädchen und Buben in zusätzlichen Musikstunden wird sich Kirchenmusiker Rainer Schütz kümmern.

Kinder und Eltern dürfte es freuen, dass heuer nur zwei Klassen überhaupt 30 beziehungsweise 31 Schüler haben. Der Schnitt aller Klassen liegt unter 27, berichtete Madsack im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Obwohl sich der Strom aus den Grundschulen im Einzugsbereich etwas abgeschwächt hat im Vergleich zu den Vorjahren, hat sich das LTG entschlossen, seine 124 Neulinge nicht in vier großen Klassen zusammenzufassen. "Wir möchten, dass ein vernünftiger Anfang möglich ist", bekräftigt der Direktor.

Madsack muss auch heuer nicht nur 124 Kinder, sondern auch viele Lehrkräfte in die LTG-Familie integrieren. 16 Damen und Herren kommen neu ins 86-köpfige Kollegium. Dazu kommen einige Rückkehrerinnen aus dem Erziehungsurlaub. In den letzten Jahren nahmen sich Madsack zufolge fünf Lehrerinnen pro Schuljahr eine Babypause.

110 der 1400 Unterrichtsstunden pro Woche, deren Verteilung auf Pädagogen und Räume den Stundenplanern Michael Herden und Winfried Kober obliegt, sind durch Lehrkräfte abgedeckt, die zeitlich befristete Verträge auf Stundenbasis haben. Mit Abstand am schwierigsten ist seit Jahren die Verteilung der Sportstunden. Die alte Zweifachhalle des LTG ist zu klein, um alle Pflichtstunden dort abhalten zu können, zumal Mädchen und Buben jeder Klasse getrennt Sport haben. Das LTG muss in die nahe Franziska-Hager-Schule, nach Bernau, Bad Endorf und ins Prienavera ausweichen.

Auch heuer gibt es Änderungen im Lehrplan, die laut Madsack besonders die Fächer Biologie und Geschichte in der Oberstufe betreffen. Am dritten Ferientag kamen die entsprechenden Informationen aus dem Kultusministerium. In Zeiten von Internet und E-Mail konnten sie umgehend an die Lehrer weitergeleitet werden.

Das freiwillige Zusatzjahr in der achten Jahrgangsstufe, auf das sich Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle mit Vertretern der Lehrerverbände und Schülerschaft Mitte Juli verständigt hatte, betrifft das LTG frühestens 2013/14. Madsack glaubt aber nicht, dass die Nachfrage groß sein wird.

Seit einigen Jahren haben Gymnasien im Freistaat gewisse gestalterische Spielräume im Rahmen von einzelnen Budgets für Unter-, Mittel- und Oberstufe. Das LTG nutzt das zum Beispiel heuer in der achten Jahrgangsstufe, um eine Wochenstunde mehr Mathe und in der zehnten, um eine Stunde mehr Deutsch anbieten zu können. Denn Schulleitung und Kollegium finden ebenso wie Elternbeirat und Schulforum, also die Vertretung der Schüler selbst, dass die gekürzten Regel-Unterrichtsstunden nicht mehr ausreichen, um den Stoff ausreichend einüben zu können.

Der Beginn des Schuljahrs bedeutet auch die Einführung neuer oder Fortsetzung erfolgreicher Projekte. Als eines von sechs bayerischen Gymnasien schickt das LTG zwei achte Klassen auf eine "Mission to Mars" (wir berichteten). Die Schüler sollen fächerübergreifend (Bio/Physik/Chemie) experimentieren und ein Zukunftsthema aufbereiten.

In Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz startet die Aktion "Schüler führen Schüler auf dem Weg zum Grundgesetz", das bekanntlich auf der Herreninsel entstanden ist.

Fortgeführt wird die freie Kunstwerkstätte in der Mittagszeit, die laut Madsack im vergangenen Schuljahr von 40 bis 50 Schülern besucht worden war. Die "Zukunftswerkstatt", eine Plattform für Bastler mit Ideen, hat ebenfalls wieder ihren Platz im LTG-Angebot gefunden.

Bewährt habe sich 2011/12 auch "Jugend debattiert", eine alternative Prüfungsform in den neunten Klassen. Statt einer herkömmlichen Schulaufgabe müssen die jungen Damen und Herren in Dreier-Teams zu verschiedenen Themen argumentieren, wobei sie erst kurz vorher erfahren, ob sie zum jeweiligen Thema eine Pro- oder Kontra-Position einnehmen müssen.

Die Offene Ganztagsschule (OGS) wird das LTG heuer erstmals allein anbieten, nachdem sich der bisherige Partner Realschule im Zuge eines Kooperationsmodells mit der Mittelschule (eine Grundlage für die Gründung der neuen, staatlichen Realschule) anderweitig orientiert. Das LTG arbeitet bei der Betreuung weiter mit dem Diakonischen Werk zusammen, wird aber laut Madsack aus Platzgründen die Pavillons der Realschule auf dem Kursaal-Parkplatz nutzen.

Während der Ferien wurde eine Reihe weiterer Unterrichtsräume mit "Beamern" und Audioanlagen ausgestattet. Waren es vor Jahren noch EDV-Räume mit Rechnern und Bildschirmen, die es einzurichten galt, bringen heute die meisten Lehrer und auch immer mehr Schüler, zum Beispiel bei Referaten, ihre Laptops oder "I-Pads" mit. Gefragt sind deshalb die Präsentationsmöglichkeiten.

In der Oberstufe hat die technische Entwicklung inzwischen dazu geführt, dass bei Prüfungen Handys, "I-Phones", "Smartphones" und Tablet-PCs abgegeben werden müssen, um der Versuchung zum unlauteren Wettbewerb vorzubeugen.

Dirk Breitfuß/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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