Lob und Tadel für den Planentwurf

+

Prien - Im Ortsteil Ernsdorf soll ein neues Wohngebiet entstehen. Der Bauausschuss befasste sich jetzt mit den Kommentaren aus der Bevölkerung

Geplant sind auf dem rund 40.000 Quadratmeter großen Areal 14 Bauparzellen, die von der Ernsdorfer Straße aus über den Klausenweg - dann als Ringstraße ausgebaut - erschlossen werden. Ein entsprechendes Bebauungsplanverfahren brachte der Bauausschuss des Marktgemeinderats bereits im Mai 2011 auf den Weg. Nach öffentlicher Auslegung des Planvorentwurfs lagen dem Gremium in jüngster Sitzung auf mehr als 30 Seiten nun die Stellungnahmen der Öffentlichkeit und Behörden mit Einwendungen und Anregungen vor, die es abzuwägen galt. Im Wesentlichen hatten sich nur wenige betroffene Anlieger zu Wort gemeldet; seitens der Behörden gab es marginale Hinweise.

Probleme mit der Ableitung des Regenwassers aus dem neuen Wohngebiet sieht ein langjähriger Einwohner auf den Ortsteil Harras zukommen. Die Entsorgung Ernsdorfs über Harras laufe durch ein Rohrnetz, das in den 1960er Jahren verlegt worden sei. Bedingt durch "einen Bauboom" sei die Zahl der "Regenwassereinleiter" mittlerweile aber enorm gestiegen und das Netz stoße an seine Kapazitätsgrenzen. Gerade bei extremem Starkregen könne der Kanal in der nordöstlichen Ernsdorfer Straße schon seit Jahren nicht mehr die Wassermassen fassen, wie es weiter heißt. Es sei zu erwarten, dass sich durch die zusätzliche Regenwassereinleitung aus dem Neubau-Areal die Situation verschärfen werde.

Bürgermeister Jürgen Seifert sowie Laurentius Fischer von der Bauverwaltung machten aber deutlich, dass durch das Planverfahren eine Entlastung Ernsdorfs bezüglich des Hochwassers sichergestellt werde. Quer durch das neue Wohngebiet verlaufe der bislang verrohrte Ernsdorfer Hanggraben, der in diesem Bereich geöffnet und naturnah gestaltet werden soll. Das gesamte Oberflächenwasser werde so von Osten nach Westen aufgefangen, unterirdisch abgezogen und in Rückhaltebecken geführt. Von dort aus werden die Wassermengen "gedrosselt" - das heißt mit vier Litern pro Sekunde - in Richtung Chiemsee weitergeleitet.

In diesem Zusammenhang fordert das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim, den Querschnitt des freigelegten Gewässers so zu dimensionieren, dass bei einem hundertjährlichen Hochwasserereignis das Wasser ausreichend abgeführt werden kann.

Dementsprechend soll der Plan überarbeitet werden, legte der Bauausschuss fest.

Das soll laut Beschluss des Gremiums geschehen wie auch die Forderung der Polizeiinspektion Prien beachtet wird, im Bereich der neuen Klausenweg-Ausfahrt die erforderlichen Sichtdreiecke für Autofahrer freizuhalten.

Obwohl er die geplante Bebauung bedaure, hätten ihn "viele positive Inhalte" des Planentwurfs überrascht, schreibt ein weiterer Anlieger; unter anderem das Bemühen, den Grundcharakter des Ernsdorfer "Zwickels" zu erhalten. Zu diesem Grundcharakter gehöre die lockere, weiträumige Bebauung sowie das Nebeneinander bäuerlicher Anwesen und "reiner" Wohnhäuser, aber auch die landwirtschaftliche Nutzung von Flächen. Kritisch dagegen geht der Anlieger mit der "ungünstigen Art der Ausweisung des Baurechts ohne Grundflächen- und Geschossflächenzahl" um. Durch die Festlegung der überbauten Fläche sowie der Größe der Gebäude (160 Quadratmeter Grundfläche, zwei Etagen bei einer maximalen Wandhöhe von 6,40 Meter) werde ein "unnötiger Zwang" auf die Bauherren ausgeübt. Gerade bei der Größe der Grundstücke würde doch eine "gemischte Ausrichtung" der Häuser besser zum Charakter des Ortsteils passen.

Bauverwaltung wie auch der Ausschuss sind anderer Meinung. Um übergroße Gebäude aufgrund der großflächigen Parzellen zu verhindern, sei die Dimensionierung der Häuser über Grundflächen- und Geschossflächenzahl schwierig. Der Bebauungsplan werde aber dahingehend überprüft und die Festsetzungen so gestaltet, dass ein "angemessenes" Baurecht entsteht und dadurch der Gebietscharakter erhalten bleibt, beschloss das Gremium.

Verärgert zeigt sich der Ernsdorfer in seinen Einwendungen zudem über die Ausweisung von fünf Häusern im "unseligen Toskanastil", deren quadratische Hausform mit Walmdach er als völlig unpassend und eine "Bausünde im Alpenraum" bezeichnet.

Dem hält die Bauverwaltung entgegen, dass die umliegende Bebauung des Plangebietes unterschiedliche Baustile aufweise. Zeltdächer - ein Merkmal der sogenannten Toskanahäuser - seien seit jeher in der Priener "Baulandschaft" als Dachform bei älteren, villenähnlichen Gebäuden zu finden.

Ein Anwohner am Klausenweg brachte seine Bedenken und Einwendungen zum Bebauungsplanentwurf über einen Anwalt ein. Grundsätzlich sei der Entwurf des Bebauungsplans rechtswidrig, weil unter anderem die Belange des Umweltschutzes "nicht in der erforderlichen Tiefe" eingehalten worden seien, hieß es einleitend. So hätte zum Beispiel eine artenschutzrechtliche Prüfung im Bereich der Tier- und Pflanzenwelt erfolgen müssen. Auch die Entsorgung des Oberflächenwassers sei nicht hinreichend geklärt, wie es hieß. Der weitere kritische Inhalt des umfassenden Schreibens bezog sich auf nahezu jeden Bereich der Planung. Deshalb ließ die Marktgemeinde Prien Punkt für Punkt des Planentwurfs gutachterlich prüfen und beauftragte die Rechtsanwaltskanzlei Glock, Liphart, Probst und Partner in München mit der entsprechenden Abwägung der Bedenken. Alle Einwendungen des Klausenweg-Anwohners seien dabei ausgeräumt worden, erklärte Fischer in der Sitzung.

Nach Einarbeitung der Bauausschuss-Beschlüsse wird im weiteren Verfahrensschritt die neue Fassung der Bebauungsplanung öffentlich ausgelegt.

ul/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser