Waldorfschule brachte Geldgutscheine in Umlauf

Aus der Region nicht mehr wegzudenken

+
Das zehnjährige Bestehen der Regionalwährung Chiemgauer feierten unter anderem auch (von links) Lukas Hertkorn (ehemaliger Schüler), Peter Fochler (Regionalbüro Prien), Christophe Levannier (Regionalbüro Traunstein), Theresa Landstorfer (ehemalige Schülerin) und Christian Gelleri (Vorstand der Regios e.G., kniend).

Prien - Seit nun schon zehn Jahren gibt es den "Chiemgauer". Die Regionalwährung macht mittlerweile auch international Karriere!

"Wer kennt den Chiemgauer nicht?", fragte Christian Gelleri, ehemaliger Wirtschaftslehrer, bei seinem Jubiläumsbesuch an seiner alten Wirkungsstätte, der Freien Waldorfschule Chiemgau. Und er freute sich, dass sich kein einziger Schüler meldete.

30. Januar 2013: Der Chiemgauer, die Regionalwährung, die längst auch international Karriere macht, feierte Geburtstag. Auf den Tag genau zehn Jahre war es her, dass die Geldgutscheine der gerade neu gegründeten Schülerfirma zum ersten Mal in Umlauf gingen. Ein Grund zum Feiern - alle Mitglieder des Vereines, Freunde und Förderer und die Schulgemeinschaft waren in die Waldorfschule nach Prien zu einer Feierstunde eingeladen, wo der Siegeszug des Chiemgauers einst begann. Für das musikalische Rahmenprogramm sorgten die beiden Sängerinnen Anja Schwarze-Janka und Katharina Gruber-Trenker.

"Ich bin viel in Deutschland unterwegs, und wo ich hinkomme, werde ich auf unseren Chiemgauer angesprochen", erzählte Klaus Pasedag, Lehrer an der Schule, in seiner Gratulationsansprache. Er gehörte zu den ersten Unterstützern der Schülerfirma, der Unternehmer im Ort anwarb mitzumachen.

Heute sind es sage und schreibe 630 Firmen und Dienstleister, bei denen der Umsatz über die Regionalwährung bestens funktioniert. Mehr als 3000 Mitglieder zählt der "Chiemgauer e.V." inzwischen. So bleibt das Geld in der Region, fördert kurze Transportwege und Arbeitsplätze vor Ort, bleibt in einem raschen Kreislauf und mit den Prozenten von Umtausch und Verbrauch werden obendrein gemeinnützige Projekte unterstützt. Allein die Waldorfschule Chiemgau erhielt dadurch bis heute über 17.000 Euro. 625.000 Chiemgauer insgesamt waren im vergangenen Jahr in Umlauf. "Anfangs tauschten die Geschäfte 100 Prozent ihrer Chiemgauer in Euro zurück. Heute ist bereits ein so großes Netzwerk entstanden, dass nur noch rund ein Viertel zurück getauscht wird", berichtete Christian Gelleri.

"Wir wollten eine Schülerfirma gründen, die etwas Sinnvolles, Nachhaltiges macht und auch noch unsere Schule und andere unterstützt", erzählte Theresa Landstorfer, eine Schülerin der ersten Stunde. Die Schüler hatten Sicherheitszeichen ausgetüftelt, die Geldgutscheine geschnibbelt, am Umlaufsystem gebastelt und das Logo entworfen, das bis heute den Auftritt des Chiemgauers prägt.

Anfangs wurden die Scheine mit der Post an die Abonnenten verschickt. "Dann sind wir durch Prien gezogen und haben sie bei den Geschäften wieder eingesammelt", erinnerte sich Lukas Hertkorn schmunzelnd. Er gehörte zur zweiten Schülergeneration und stieß in der achten Klasse dazu. Heute macht er eine Lehre als Bankkaufmann, seine Sparkasse wurde inzwischen Ausgabestelle für den Chiemgauer. Miriam Fochler, ebenfalls Mitgründerin der Regionalgeld-Schülerfirma, studierte nach ihrem Abitur an der Waldorfschule Wirtschaftswissenschaften.

Inzwischen ist der Chiemgauer aus der Region nicht mehr wegzudenken. In Prien, Rosenheim und Traunstein gibt es Regionalbüros, mit der Gründung der Regios e.G wurde eine Genossenschaft im Hintergrund des regionalen Geldverkehrs gegründet, die inzwischen auch die Mikrokredite der Bundesregierung vergibt.

Die Feier zum zehnjährigen Geburtstag war der Auftakt ins Jubiläumsjahr. Mit dem fünften öffentlichen Regionalgeldkongress, der diesmal zum ersten Mal in Traunstein stattfinden wird, soll vom 3. bis 5. Mai ein glanzvoller Höhepunkt gesetzt werden.

"Noch ist es nicht selbstverständlich, dass alle Menschen in unserer Region den Chiemgauer benutzen", sagte Christophe Levannier, der Leiter des Regionalbüros Traunstein. "Es ist an uns, diese Idee selbstbewusst weiterzugeben."

pp/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser