Rohbau fürs Leitbild

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Prien - "Es ist viel Blech da und wenig Mensch." So hat Professor Wedig Pridik seine optischen Eindrücke aus dem Priener Zentrum zusammengefasst.

Die Lösung des Verkehrsproblems ist für ihn die zentrale Herausforderung für die Zukunft des Ortes. Pridik genießt seit einem Jahr seinen Ruhestand in Prien und hat sich bereit erklärt, für einen Gotteslohn die Grundlagen für ein Leitbild zu erarbeiten. Im Marktgemeinderat stieß dieser "Rohbau" auf ein durchwegs positives Echo.

Auf hunderten Fotos hat Pridik seine Eindrücke festgehalten und sie dem Gremium quasi als Spiegel vorgehalten. Pridik sieht Prien noch "mit den Augen eines Touristen". Deshalb fällt ihm manches auf, was Einheimische aus Gewohnheit schlichtweg übersehen. Dass der ehemalige Inhaber eines Lehrstuhls an der Technischen Fachhochschule (THF) Berlin der Marktgemeinde unterm Strich sehr viel Positives abgewinnen kann, liegt auf der Hand. Sonst hätte er die Chiemseemetropole wohl kaum als Altersruhesitz gewählt.

"Prien macht Lust auf Me(e)r!"

Parallel dazu hatte sich die Kommunalpolitik auf Antrag der Fraktion der Bürger für Prien (BfP) darauf verständigt, im Dialog mit der Bürgerschaft ein Leitbild als Grundlage für die langfristige Ortsentwicklung zu erarbeiten. Als Pridik bei Bürgermeister Jürgen Seifert vorstellig wurde, weil er wissen wollte, was er für die Gemeinde tun könne, um seine Zeit sinnvoll zu nutzen, war schnell klar: Der ausgewiesene Fachmann schafft den "Rohbau" für das Leitbild.

"Es fehlt die Langsamkeit"

"Prien am Chiemsee macht Lust auf Me(e)r!" Unter dieses Motto, das einem Werbeslogan der Priener Tourismus GmbH (PTG) nahe kommt, stellt Pridik seine Visionen. Fotos von leeren und engen Gehwegen im Zentrum, vollgestellten großen und kleinen Parkplätzen, wuchtigen Lkw auf der Ortsdurchfahrt, aber auch von grünen Wiesen und lauschigen Spazierwegen ließen schnell ahnen, wohin die Bilderreise geht.

"Es fehlt die Langsamkeit, die Ruhe zum Bummeln", fasste der Professor seine Impressionen aus dem verkehrsbelasteten Ortskern zusammen. Er schlug eine Bilderbogen nach Stock, um die Seestraße sogleich in einer Skizze als künftige Promenade zwischen Zentrum und Hafen schmackhaft zu machen. "Der lange Weg nach Stock muss spannender werden." Sein zweigeteilter Vorschlag sieht zum einen "grüne Trittsteine" zwischen Kurpark und Hafen vor, also kleine, parkähnliche Anlagen zum Verweilen, zum anderen eine "Eventschiene" zwischen Marktplatz und Hafen.

Eine ganze Reihe weiterer Denkanstöße gab Pridik den Gemeinderäten mit auf den Weg. Die sollen das Ganze laut Seifert nun erstmal "setzen lassen". Dann wird es im Gremium darum gehen, einen Fahrplan für die Entwicklung des Leitbilds aufzustellen. Auch die Bürgerschaft soll in diesen Prozess eingebunden werden.

Spätestens in zwei Jahren sollte nach Pridiks Überzeugung mit einem "Starterprojekt" ein Signal für die Umsetzung gesetzt werden, denn "jede Aktivität braucht ein zeitnahes Projekt, sonst verpufft das Engagement".

Seine Präsentation fand quer durch alle Fraktionen des Marktgemeinderats große Anerkennung.

Oberbayerisches Volksblatt

Rubriklistenbild: © OVB

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