Nehberg kämpft gegen Genitalverstümmelung

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+

Prien - Früher war er Konditor, heute kämpft Menschenrechtler und Survival-Experte Rüdiger Nehberg gegen Genitalvertümmelung. Im Kursaal erzählte er im Rahmen der "Grenzerfahrungen" von seinen Zielen.

Verrückt, riskant und sinnvoll - So muss eine Aufgabenstellung sein, damit Survival-Experte Rüdiger Nehberg ins Schwärmen und damit in Bewegung kommt.

Dass die Ziele, die sich der einstige Konditor stellt, eher als mächtige Herausforderungen anzusehen sind, davon konnten sich die Besucher im kleinen Kursaal in Prien während der Vortragsreihe zu Grenzerfahrungen ein Bild machen. Unterhaltsam und kurzweilig berichtete der 78-Jährige in einer Multivisionsshow aus seinem spannenden wie skurrilen Leben.

Was zunächst mit Aktionen wie "1000 Kilometer ohne Nahrung durch Deutschland" sowie der Erstbefahrung des "Blauen Nils" der Abenteuerlust und dem Überleben in der Wildnis galt, wurde mit der Zeit zum engagierten Kampf um Menschenrechte. Die Begegnung 1982 mit den Yanomami-Indianern aus dem brasilianischen Regenwald wurde zu seinem Schlüsselerlebnis. Das Leben des ursprünglichen Naturvolks war massiv durch kriminelle Goldsucher bedroht. Um ihnen Hilfe zu leisten, erhöhte Nehberg seinen Bekanntheitsgrad, indem er Survival-Bücher schrieb und spektakuläre Aktionen unternahm wie die Atlantiküberquerung mit einem riesigen Baumstamm. Dokumentationen, die Begleiter mit versteckter Kamera vor Ort drehten und internationalen Organisation wie dem WWF, der Weltbank und der UNO vorführten, waren weitere Meilensteine, um den Indianern das Überleben zu sichern. 2000 war Rüdiger Nehberg am Ziel - die Yanomami-Indianer erhielten seitens der Regierung Schutz und Frieden.

Nun suchte Nehberg eine neue Herausforderung, die "verrückt, riskant und sinnvoll" sein musste. In Anbetracht seiner aktuellen Aufgabe erscheinen seine bisherigen Abenteuer beinahe nur als Trainingseinheiten: Denn Rüdiger Nehberg hat sich dem Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung im Islam verschrieben. Sein Weg dahin: Nichts Geringeres, als die höchsten muslimischen Autoritäten um einen Tisch zu versammeln und sie zu einer Erklärung zu veranlassen, die dieses Ritual als unvereinbar mit der Ethik des Islams und somit als Sünde bezeichnet.

Er gründete die Menschenrechtsorganisation "Target" und begann - wieder mit versteckter Kamera -, die grausamen Bilder der Verstümmelungen festzuhalten. Achtjährige, denen, von ihren Müttern gehalten, die Klitoris und, bei der pharaonischen Beschneidung, die Schamlippen mit Rasierklingen oder Dosendeckeln ohne Betäubung herausgeschnitten werden. Anschließend werden die stark blutenden Wunden primitiv mit Nadel und Faden bis auf eine kleine Öffnung zum Urinieren zugenäht und die Beine zusammengeschnürt, damit alles wieder zuwächst, was erst der Ehemann - auch mittels Gewalt - später wieder öffnen darf. Etwa ein Drittel der Kinder würden bei diesem Gemetzel sterben oder an Folgeschäden leiden, so der Referent. Viele verlören aufgrund des Traumas die Sprache oder später bei der Erstgeburt aufgrund großer Narben ihr Kind.

Mit solchem Beweismaterial gelang es Nehberg, den ersten Sultan zu überzeugen. Er stellte den Brauch unter Strafe. So bestärkt, vollzog Nehberg den nächsten Schritt. 2006 gelang es ihm, in Kairo die "Internationale Konferenz Islamischer Gelehrter" einzuberufen. Nach ausführlichen Berichten und Dokumentationen ächteten dort die höchsten muslimischen Theologen die "weibliche Genitalverstümmelung als ein mit ihrer Religion unvereinbares Verbrechen".

Doch damit nicht genug. Nehberg gibt sich erst zufrieden, wenn der Brauch völlig verschwunden ist. Erst dann habe sich sein Leben gelohnt, bekannte der Hamburger Menschenrechtler in Prien. Seine Vision: In Mekka wolle er ein meterlanges Transparent spannen, das Millionen von Pilgern über das Verbot informiere. Seinen ergreifenden Vortrag schloss er mit der Präsentation dieses Plakats in Miniatur - unter dem begeisterten Applaus einer nachdenklich gewordenen Zuhörerschaft.

wp/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser