Erneute Einwendungen von Anliegern: "Ableitung ungenügend geregelt" - Begehung mit Bauverwaltung

Sorgen um Wasserablauf aus Baugebiet

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Ein Blick auf den Ernsdorfer Hanggraben am Samstagnachmittag unterhalb des geplanten Wohngebiets nach dem Starkregen: Zukünftig soll das Regenwasser in einem Rückhaltebecken aufgefangen und gedrosselt abgeleitet werden. 

Prien - Von der Behördenseite gibt es beim neuen Priener Wohngebiet Ernsdorf-Ost nichts Neues, von den Anliegern kamen aber erneut einige Einwendungen:

Eine lange Themen-Liste hatte der Bauausschuss des Marktgemeinderats Prien in seiner jüngsten Sitzung schon abgearbeitet - aber mit dem Tagesordnungspunkt 13, Bebauungsplan "Ernsdorf Ost", wurde die Geduld der Ausschussmitglieder einmal mehr auf eine Probe gestellt. Zum wiederholten Male musste sich das Gremium unter Vorsitz von Bürgermeister Jürgen Seifert nach erneuter Auslegung der Planungen mit den Einwendungen und Anregungen aus der Beteiligung von Öffentlichkeit und Behörden auseinandersetzen, zusammengefasst von der Bauverwaltung in einer rund 30 Seiten starken Sitzungsvorlage. Nach Einarbeitung der im Wesentlichen geringfügigen Änderungen wird der Bebauungsplan nochmals kurzzeitig ausgelegt, beschloss das Gremium bei einer Gegenstimme.

Am Grabenrand im weiteren Verlauf Richtung Harrasser Moos ist der Hochwasserstand vom Morgen zu erkennen.

Neues von Behördenseite gab es nicht, erneut standen aber die Eingaben von Anliegern des Bebauungsgebiets zum Thema Wasserentsorgung im Mittelpunkt. In dem neuen Wohngebiet im Priener Ortsteil Ernsdorf sollen auf einem etwa 40.000 Quadratmeter großen Areal zwischen der Ernsdorfer Straße und der Rauschbergstraße zwölf freistehende Wohnhäuser entstehen. Sorgen bereitet einigen Süd-Anliegern nach wie vor die ihrer Meinung nach ungenügend geregelte Ableitung des Oberflächenwassers aus diesem Bereich, die laut Planungen über den freizulegenden Ernsdorfer Hanggraben erfolgen soll. Sie haben nach wie vor Angst, dass durch die Bebauung die Hochwassersituation für sie als Unterlieger noch verschärft wird. So vermissen sie in den Planungsunterlagen eine Größenangabe des vorgesehenen Regenwasserrückhaltebeckens. "Nur wer die Situation vor Ort kennt, weiß, welche Wassermassen aus dem gesamten, nach Süden abfallenden Bereich von Ernsdorf zusammenkommen", heißt es unter anderem. Deshalb sei eine entsprechend große Dimensionierung des Auffangbeckens "dringend erforderlich".

Zudem monieren die Unterlieger, dass der Ernsdorfer Hanggraben für einen "normalen Abfluss völlig ungeeignet ist", da er im unteren Teil ihres Grundstückes zweimal im rechten Winkel seine Richtung ändert. "Diese Biegungen wirken wie ein Stau", argumentieren sie. Der weitere Verlauf des Grabens im Harrasser Moor sei sozusagen als stehendes Gewässer anzusehen, aus dem bislang bei "großer Wasserführung vom Baugebiet her regelmäßig die angrenzenden Grundflächen überflutet werden". Vor diesem Hintergrund fordern sie, die Verpflichtung der Gemeinde zur Grabenräumung über eine Dienstbarkeit abzusichern.

"Um deutlich zu machen, dass der Markt Prien das Thema Hochwasser nicht auf die leichte Schulter nimmt, sind wir auf den Vorschlag eingegangen, vor Ort die Situation zu besichtigen", erklärte in der Sitzung Laurentius Fischer von der Bauverwaltung. Bei der gemeinsamen Begehung bis zur Mündung des Hammergrabens im Chiemsee mit Landschaftsplaner Rupert Schelle und Anliegern sei der Grabenzustand begutachtet worden. Mögliche Verbesserungen des Verlaufs sollen bei den Erschließungsarbeiten erledigt werden. Fischer betonte, dass die Marktgemeinde verpflichtet sei, den Graben regelmäßig zu räumen.

Drei Gräben laufen im Harrasser Moos zusammen: der Hammergraben, der Ernsdorfer Hanggraben, der dritte kommt aus dem Bereich Ernsdorf Forst, für den derzeit ebenfalls eine Bebauungsplanänderung ansteht und auch ein Regenrückhaltebecken vorgesehen ist. Bislang gibt es dort, wo die Gräben im Moos aufeinander treffen, bei Starkregenereignissen in kürzester Zeit ein hohes Wasseraufkommen und durch den unkontrollierten Abfluss auch Überschwemmungen, so Fischer auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung. Diese Gefahr werde nach den Erschließungen beider Baugebiete so nicht mehr bestehen.

Den Anliegern sei bei der Begehung die geplante Entwässerung erklärt worden. So werde das Wasser des geöffneten Ernsdorfer Hanggrabens in ein knapp 1300 Kubikmeter fassendes Regenrückhaltebecken geleitet. Die Berechnung für ein 100-jährliches Hochwasserereignis (das in seiner Wahrscheinlichkeit nur alle 100 Jahre eintrifft) habe ein erforderliches Volumen von etwa 980 Kubikmetern ergeben. Somit liege man mit der Auffangkapazität deutlich auf der sicheren Seite. Das Wasser fließe aus dem Becken kontinuierlich ab, aber gedrosselt auf vier Liter pro Sekunde. Auch die Wassermassen aus Starkregenfällen würden so aufgefangen, sagte der Bauexperte. Das Oberflächenwasser aus dem jetzigen Bestand im Bereich des Klausenwegs werde über einen Regenwasserkanal abgeleitet und auch die komplette Straßenentwässerung über einen Kanal entsorgt.

Die Anlieger hätten sich nach der Begehung mit den geplanten Maßnahmen einverstanden erklärt und sie - so sie denn funktionieren werden - als eine Verbesserung angesehen, sagte Fischer. Er versicherte, dass die gesamte Wasserentsorgung vom Wasserwirtschaftsamt nochmals überprüft werde. Erst wenn die Behörde grünes Licht gebe, dürfe gebaut werden.

Nicht einverstanden mit dem Vorgehen der Verwaltung zeigte sich Georg Fischer (CSU-Fraktion, parteilos). Er stimmte gegen den Beschluss, die Maßnahmen der Bauverwaltung zu übernehmen. Seiner Ansicht nach wurde während der Aufstellungsphase des Bebauungsplans nicht mit den Anliegern gesprochen und ihre Interessen seien nicht berücksichtigt worden.

ul/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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