Umweltminister Dr. Marcel Huber: Die Energiewende muss in den Köpfen der Menschen ankommen

"Sparen, sparen und nochmals sparen"

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In Bayern liegt die Messlatte hoch: Bis 2022 will der Freistaat laut Umweltminister Dr. Marcel Huber die Hälfte des Strombedarfs aus regenerativen Energiequellen bereit stellen.

Prien - Einen schonenderen Umgang mit Energieressourcen hat der bayerische Umweltminister Dr. Marcel Huber am Montagabend in Prien gefordert.

In seinem Gastreferat vor rund 60 Mitgliedern des Rotary Clubs Chiemsee zum Thema "Energiewende in Bayern - Politik im Grenzbereich" machte der Minister im Chiemsee Yacht Club deutlich, dass die propagierte Energiewende nur zu schaffen sei, "wenn sie in den Köpfen der Menschen angekommen ist".

Nicht wirklich im Mittelpunkt der öffentlichen Wahrnehmung stehe derzeit die Frage, welche Maßnahmen dringlichst umzusetzen sind, um den fortschreitenden Klimawandel einzudämmen. "Verglichen mit Bozener Wetterverhältnissen werden irgendwann einmal Palmen auf dem Marienplatz in München gedeihen - eigentlich keine so schlechte Vorstellung", so Huber. Aber die Kehrseite der Medaille: Die extremen Unwetter in der Region mit Starkregen werden zunehmend heftiger mit höheren Pegeln daherkommen als vor 15 Jahren noch vermutet.

Als ein weiteres Warnzeichen und "gewaltiges Thema" für den gesamten alpinen Raum bezeichnete der Umweltminister den Rückgang des Permafrostes. Huber: "Ich will kein Horrorszenario aufbauen, aber die Folgen des Klimawandels können in vielen Ländern der Welt für Millionen von Menschen den Lebensraum verändern und einschränken. Die Anbauflächen für Nahrungsmittel werden weltweit schrumpfen und die Trinkwasserversorgung wird zu einem solch großen Problem, dass es zu Völkerwanderungen mit zig Millionen Menschen kommen kann. Das wird den Weltfrieden ernsthaft gefährden: mit Kriegen um Wasser und um Lebensraum."

Dieses Zukunftszenario sei Triebfeder dafür, sich Gedanken zu machen um eine nachhaltige Bewirtschaftung der Welt, so der Umweltminister. "Wir haben in Bayern den niedrigsten CO2-Ausstoß: Pro Jahr und Bürger liegen wir bei knapp unter sieben Tonnen, deutschlandweit liegt die Zahl bei etwa zehn Tonnen, in den USA über 20 Tonnen."

Mit der Entscheidung, aus dem Einsatz der Kernkraft zur CO2-freien Stromerzeugung auszusteigen, stehe der Staat jetzt vor der Aufgabe, für Ersatz durch die Bereitstellung regenerativer Energien zu sorgen. Es sei ein ehrgeiziger Weg: Bis 2022 sollen nach IsarI die restlichen vier bayerischen Atomkraftwerke abgeschaltet werden, aber nach wissenschaftlicher Vorgabe derart, dass die Stromversorgung für Industrie und Privathaushalte gesichert bleibt.

Dazu stellte Huber drei Wegweiser zur Orientierung auf. Auf dem ersten stehe die Versorgungssicherheit mit wenig Ausfallzeiten. Das heiße aber nicht, dass bei Engpässen der Strom aus dem Ausland importiert werden dürfe. Der zweite Wegweiser zeige auf, dass die gewählte Stromerzeugung nicht die Umwelt gefährden dürfe. Huber: "Wir wollen die Energiewende, aber nicht auf Kosten von Natur und Umwelt."

Und drittens: "Der Preis für die Energiewende darf nicht in eine Dimension entgleiten, die den Wirtschaftsstandort gefährdet und sich unsozial auf Privathaushalte auswirkt."

Vor allem stehe aber die Maxime: "Energie sparen, sparen und nochmals sparen. Ich kann Regeln aufstellen, Strafen androhen, Anreize schaffen - all das nutzt nichts, wenn eins nicht klar ist: Die Energiewende schaffen wir nur, wenn sie in den Köpfen der Menschen angekommen ist. Da sind alle aufgefordert: Kommunen, Industrie und Privathaushalte."

Eine weitere Forderung richtete Huber hauptsächlich an die Industrie: "Energieressourcen schonen und Effizienzsteigerung in der Produktion."

Bei der Schaffung von regenerativer Energiekapazität sei der Freistaat gut aufgestellt. Der Bund wolle insgesamt 35 Prozent des Strombedarfs bis 2022 aus regenerativen Energiequellen bereitstellen. "Wir in Bayern haben uns die Messlatte höher gesetzt, nämlich mit 50 Prozent." Zum Ende des Jahres sei bereits die Marke von 33 Prozent überschritten worden.

"Geht der Wind gut, brennt die Sonne heiß - wohin dann mit den Stromüberschüssen aus Solaranlagen oder Windkraftanlagen?" Das technische Problem sei, diese Energiespitzen so zu konservieren, dass sie Unterversorgungen im Netz auch ausgleichen können, sagte Huber. Hier sind seiner Ansicht nach Pumpspeicherkraftwerke ein Ansatz, aber auf Grund topografischer Voraussetzungen nicht als Ersatzlösung zu sehen.

Als zukunftsträchtig bezeichnete der Umweltminister die chemische Energiegewinnung zum Beispiel mittels Brennstoffzellen. Allerdings sei die technische Entwicklung in dieser Hinsicht noch nicht so weit gediehen, um sie effizient nutzen zu können. Ähnlich sei die Situation beim Einsatz von Methan- oder Wasserstoffgas.

Der größte Teil der Menschheit rund um den Globus wolle wirtschaftlich dahin kommen, "wo wir mit unserem Wohlstand bereits stehen". Das koste Energie, und die werde weiterhin auch aus fossilen Brennstoffen gewonnen. Es sei eine große Herausforderung, regenerative Energieerzeugung auch in jenen Ländern zum Thema zu machen. "Deutschland sollte es schaffen, mit seiner Hochtechnologie hier Fuß zu fassen", forderte der Politiker abschließend. Das könnte für rund eine Million neue Arbeitsplätze sorgen. Huber: " Wer soll das schaffen, wenn nicht wir?"

ul/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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