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Tuchel ist nicht mehr BVB-Trainer 

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Gerüst wird ganze Halle ausfüllen

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Das Erlebnisbecken (links) ist mit grünem Teppichboden ausgelegt, das Schwimmerbecken bereits mit Sperrholzplatten, um die Böden bei den Bauarbeiten zu schonen. 

Prien - In ein paar Wochen wird das wohl größte Gerüst stehen, das es in Prien je gegeben hat. Für die Erneuerung des Prienavera-Daches muss die Schwimmhalle vollständig eingerüstet werden.

Erschwerend kommt hinzu, dass die gewaltige Stahlrohrkonstruktion nicht auf einer ebenen Fläche aufgestellt werden kann, sondern bis auf den Grund der einzelnen Becken reichen muss.

Am Sonntagabend um 21 Uhr "haben wir den Stöpsel gezogen", berichtet Betriebsleiterin Heike Kunze. Als die letzten Badegäste das Prienavera vor der sanierungsbedingten Schließung verlassen hatten, wurde das Wasser abgelassen. Knapp acht Stunden dauerte es, bis die gut 1100 Kubikmeter in die Kanalisation abgeflossen waren.

Unmittelbar darauf wurden Liegen und Pflanzen eingelagert, Beckenböden und die Fliesenflächen der Liegebereiche wurden mit Teppichen ausgelegt. Darüber wurden Holzbretter verlegt, damit der Boden bei den Bauarbeiten keinen Schaden nimmt.

Die Spezialisten der "Michael Fritsch Gerüstbau GmbH" aus München werden nun eine für Priener Verhältnisse wohl einmalige Stahlrohrkonstruktion aufstellen. Das Unternehmen selbst hat mit derartigen Dimensionen Erfahrungen. Es kann als Referenzen auf seiner Internetseite unter anderem auf die "Allianz Arena", das "Maximilianeum" und die "Tower" des Flughafens der Landeshauptstadt verweisen.

In Prien stehen die Fachleute insofern vor einer besonderen Herausforderung, weil der Boden in der Halle alle andere als eben ist. Das Gerüst muss auf den Böden der Becken stehen, die noch dazu unterschiedlich tief sind und nur an bestimmten Stellen mit entsprechendem Unterbau ausreichend tragfähig für die Tonnen schwere Stahlrohrkonstruktion.

Bis Ende März wird das Gerüst laut Christian Fellner vom Priener Marktbauamt wohl so weit stehen, dass an der Südseite mit der eigentlichen Dacherneuerung begonnen werden kann. Zuvor müssen unter anderem auch noch alle Lampen und Spiegel an Decken und Balken abmontiert werden.

Vorher werden an den tragenden, Hallen überspannenen Holz-Leimbindern außerdem noch einzelne Risse "verpresst", also mit Kunstharz gefüllt. Diese Arbeit wird vorgezogen, weil die Temperatur dafür auch nachts nicht unter fünf Grad sinken darf - was bei einem offenen Dach nicht garantiert wäre.

Das muschelförmige Dach besteht aus 17 so genannten Feldern mit jeweils drei übereinander liegenden Folienschichten. Diese werden ab Ende März dann Feld für Feld, also jeweils in voller Hallenbreite abmontiert. Bevor es soweit ist, muss die beauftragte Firma, "Temme//Obermeier" aus Raubling, die einzelnen Felder exakt vermessen, um die neuen Folien passgenau anfertigen zu können.

Das Unternehmen hat unter anderem die "Allianz Arena", das Nationalstadion in Peking und die Olympia-Schwimmhalle in München mit Foliendächern und -verkleidungen ausgestattet.

Im Vergleich mit den 62.000 Quadratmetern, die am Münchener Fußballstadion verbaut wurden, nehmen sich die 1300 Quadratmeter Dachfläche des Prienavera ziemlich klein aus. Dafür wird das Erlebnisbad aber mit vier neuen, übereinander liegenden Folienschichten eingedeckt, einer mehr als bisher. Durch die zusätzliche Schicht erhoffen sich Gemeinde, Priener Tourismus GmbH (PTG) als Betreiber und Planer künftig Einsparungen im Energieverbrauch. Zwar behält das Erlebnisbad eines seiner Markenzeichen, nämlich ein transparentes Dach, durch das sich dem Badegast der Blick in den Himmel erschließt. Aber künftig wird jedes zweite Feld mit einer Schicht ausgestattet, die leicht "getönt" ist. Sie soll im Sommer das Sonnenlicht abhalten, damit es im Innern nicht zu heiß wird, und umgekehrt im Winter die Wärme in der Halle halten.

Die Haltekonstruktion, mit der die Folien befestigt ist, wird Fellner zufolge völlig umgestaltet. Bisher wird das Dach von etwa 1500 jeweils über zehn Zentimeter langen Schrauben gehalten. Sie waren letztlich Auslöser der auf 1,8 Millionen Euro veranschlagten Baumaßnahme, die sich voraussichtlich bis Ende Juni hinziehen wird. Ein Teil der Schrauben war durch Kondenswasser korridiert und drohte, in der Folge auch die Leimbinder dauerhaft zu schädigen. Durch eine veränderte Konstruktion der Halterung soll das künftig ausgeschlossen werden. Dafür müssen 1500 neue Löcher gebohrt und die alten verschlossen werden.

Währen die ersten Bauarbeiter die Halle nun in Beschlag genommen haben, packen viele der 35 Prienavera-Mitarbeiter mit an, - sie putzen, weißeln und erledigen Kunze zufolge weitere Arbeiten. Außerdem werden Urlaubstage und Überstunden abgebaut.

Neben den reinen Baukosten müssen Gemeinde und PTG auch die Einnahmeausfälle kompensieren, die sich durch die zirka viermonatige Schließung ergeben. Allein im Monat März haben Kunze zufolge, je nach Lage der Ferienzeiten, in den vergangenen Jahren zwischen 12.000 und 20.000 Gäste das Bad besucht.

von Dirk Breitfuß/Chiemgau-Zeitung

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