Prienavera: Ein Kilometer Risse gekittet

Prien - Vier Monate muss das Prienavera geschlossen bleiben, weil es neu überdacht wird. In den tragenden Holzleimbindern wurden nun zu Beginn viele winzige Risse abgedichtet.

70 Meter lang, bis zu 35 Meter breit und über zehn Meter hoch ist das Gerüst, das die ganze Halle ausfüllt.

In diesen Tagen wurde nun damit begonnen, die alte Folienhülle zu entfernen. Die Spuren der Arbeiten aus den ersten sechs Wochen werden die Besucher nach der Wiedereröffnung Anfang Juli nie zu sehen bekommen.

41 Stufen führen in der 70 Meter langen und bis zu 35 Meter breiten Gerüstkonstruktion im Innern der Muschel unters Dach. In gut zehn Metern Höhe haben Mitarbeiter der Raublinger Spezialfirma Temme//Obermeier auf der Südseite angefangen, die drei transparenten Folienschichten abzumontieren. Jetzt weht ein erfrischendes Lüftchen durch das offene Dach ins Innere.

Schweißtreibend war zuvor die Arbeit der Zimmerer. Als das Dach noch zu war, kletterten die Temperaturen bei Sonnenschein auf den Arbeitsplattformen des Gerüsts bis auf fast 60 Grad.

Die alten Schrauben haben Rost angesetzt.

Die Aufgabe der Zimmerer war es, kleine Risse in den knapp 30 Meter langen, Hallen überspannenden Leimbindern mit Kunstharz zu füllen. Insgesamt wurden laut Christian Fellner vom Bauamt der Marktgemeinde in den Holzträgern Risse auf einer Gesamtlänge von fast einem Kilometer ausgebessert. Einzelne waren bis zu zwei Zentimeter tief.

Ursache dieser Schäden und Auslöser der Gesamtmaßnahme, die auf 1,8 Millionen Euro veranschlagt ist, waren nach Gemeindeangaben Mängel beim Bau des Erlebnisbades. Die drei Folienschichten waren mit 1500 etwa zehn Zentimeter langen Schrauben an den Leimbindern befestigt. Unterhalb der Halterungen, direkt auf den Leimbindern, verliefen Abflussrinnen für Kondenswasser. Weil die Löcher für die Schrauben in den Halterungen aus Blech nicht isoliert waren, hatte sich an vielen Schrauben Rost gebildet.

Künftig werden die Abflussrinnen oberhalb der Halterungen verlaufen, sodass die Gefahr neuerlicher Korrosion ausgeschlossen wird, erläuterte Fellner beim Ortstermin.

Auf 1300 Quadratmeter Fläche erstreckt sich das dreilagige Foliendach, das jetzt schrittweise abmontiert wird.

In vier Etappen werden jetzt die drei Folienschichten von Süden nach Norden abgetragen - insgesamt 17 Felder. Sie waren zuvor digital vermessen worden, denn die Einzelteile der neuen Hülle werden passgenau zugeschnitten. Insgesamt müssen 5200 Quadratmeter Folie befestigt werden - verteilt auf künftig vier Schichten.

Die zusätzliche Lage soll dazu beitragen, Energie zu sparen. Auf der transparenten Hülle sind bei genauem Hinsehen kleine, etwas dunklere und kreisförmige Punkte zu erkennen. Sie sind auf den neuen Folien Fellner zufolge enger angeordnet als bisher, damit sich die Halle im Sommer nicht zu stark aufheizt und umgekehrt im Winter die Wärme nicht so schnell entweicht.

In der zweiten Maiwoche soll mit der Montage der neuen Folien begonnen werden. Zuvor müssen die alten Löcher der 1500 Schrauben, die das Muscheldach halten, mit Holzstiften und Kunstharz aufgefüllt und abgedichtet sowie 1500 neue Löcher auf den Leimbindern gebohrt werden.

Die Löcher werden abgedichtet und neue gebohrt.

Das Prienavera-Team nutzt die zwangsweise Schließung, um im Innern der Muschel Verschönerungsarbeiten durchzuführen. Die bisher gelben Wände im Gang zwischen Rezeption und Umkleiden strahlen bereits hellblau, im unteren Bereich ziehen sich etwa kniehoch dunkelblaue Wellen die Wände entlang. Im Saunabereich wurde ebenfalls frisch gestrichen, die Wände ergeben Ton in Ton mit den Steinböden im Ruheraum nun ein einheitliches Bild. Zudem wurden die drei alten Solarien auf der Empore in der Schwimmhalle abgebaut. Sie werden durch zwei neue ersetzt.

Das derzeit gute Wetter kommt der Maßnahme im doppelten Sinne zugute. Zum einen regnet es durch das offene Dach nicht ins Bad, zum anderen sind die Einnahmeausfälle gerade jetzt in den Ferien nicht so hoch wie sie bei schlechtem (Hallenbad-) Wetter wären.

re/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © Berger

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