Muschel-Deckel für 1,8 Millionen Euro

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Das muschelförmige Dach des Prienavera hat sich seit der Eröffnung des Erlebnisbades zu einem Wahrzeichen entwickelt. Aber es hat Schäden und muss deshalb für viel Geld erneuert werden.

Prien - Gerade einmal elf Jahre nach seiner Eröffnung braucht das Prienavera ein neues Dach. "Offensichtliche planerische und konstruktive Mängel" haben Befestigungsschrauben korridieren lassen.

Eine vierte Folienschicht soll bei der Generalsanierung eingezogen werden und dafür sorgen, dass der Geräuschpegel in der Muschel sinkt und sie weniger Energie schluckt.

Eigentlich wollten Marktgemeinde (Eigentümer) und Priener Tourismus GmbH (PTG, Pächter und Betreiber) der Muschel schon 2010 einen neuen Deckel verpassen. Aber im Februar stoppte der Marktgemeinderat das Vorhaben in nichtöffentlicher Sitzung. Ein Ingenieurbüro hatte "offensichtliche planerische und konstruktive Mängel beim Bau" des Erlebnisbades festgestellt - so die offizielle Sprachregelung. Die Kommunalpolitik legte die Sanierung zunächst auf Eis, um "Beweise zu sichern und mögliche Schadenersatzansprüche nicht zu gefährden".

Ob solche Ansprüche inzwischen geltend gemacht wurden und, wenn ja, gegen wen, dazu wollte sich Bürgermeister Jürgen Seifert auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung nicht äußern.

Unumstößlich fest steht aber nun der Beginn der Dacherneuerung. Ab Ende Februar muss das Erlebnisbad für voraussichtlich zwölf Wochen geschlossen werden. Dann soll das 1300 Quadratmeter große Dach Schritt für Schritt erneuert werden, sodass immer nur ein Streifen offen ist und das Wetter keinen großen Einfluss nehmen kann. Zudem werden vorab die Becken leer gepumpt und alle Fliesenflächen im Innern abgedeckt.

Das Originaldach ist mit etwa 1500 zwölf Zentimeter langen Schrauben befestigt. Diese wurden seinerzeit Seifert zufolge durch die Schienen gebohrt, in denen sich unterm Muscheldach das Kondenswasser sammelt, "wie eine löchrige Dachrinne", zog er einen plakativen Vergleich. Durch das Kondenswasser korridierten die Schrauben und Feuchtigkeit drang in die so genannten Leimbinder der tragenden Holzkonstruktion ein.

Zwei Gutachten haben nach Angaben des Bürgermeisters zwischenzeitlich übereinstimmend bestätigt, dass zwar einerseits von den bisherigen Schäden keine Gefahr für die Badegäste ausgehe, andererseits aber das Risiko besteht, dass die Leimbinder nachhaltig in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn jetzt nicht gehandelt wird.

Weil die Dachsanierung ursprünglich schon 2010 angestrebt worden war, musste der Marktgemeinderat im Haushalt für 2011 "nur" noch 375000 Euro einplanen, der Rest liegt schon bereit. Insgesamt wird die Dacherneuerung auf 1,8 bis zwei Millionen Euro veranschlagt. Die Ausschreibung läuft derzeit.

Gemeinde und PTG wollen aus der Not auch eine Tugend machen. Das neue Dach soll helfen, Energie zu sparen und den Geräuschpegel im Erlebnisbad zu senken. Statt bisher drei Lagen ETFE- (Ethylen-Tetrafluorethylen) Folie sollen künftig vier gespannt werden. Die Transparenz des Daches, neben der Lage in der Sichtachse zum Schloss Herrenchiemsee ein Markenzeichen des Bades, soll auf jeden Fall erhalten bleiben. Derzeit laufen Versuche, einen Teil der vierten, unteren Folienschicht mit einem neuen, Schall schluckenden und etwas dunkleren Material auszustatten.

Die zusätzliche Schicht soll außerdem helfen, die jährlichen Energiekosten des Erlebnisbades, laut Seifert zwischen 300000 und 400000 Euro, zu senken. Deshalb wird angestrebt, die so genannten Kältebrücken, also die Verbindungsstücke als Halterungen zwischen den Folienelementen, zu verbessern, indem mehr warme Luft zwischen die Schichten geblasen wird als bisher.

Damit das Erlebnisbad während der monatelangen zwangsweisen Schließung nichts von seiner Anziehungskraft einbüßt, sondern im Gegenteil an Attraktivität gewinnt, will die Gemeinde 135000 Euro in Verbesserungsmaßnahmen stecken, die unmittelbar den Bade- und Saunagästen zugute kommen. Ein Eisbrunnen, eine Infrarotkabine und teilweise neue Liegen sollen während der Bauzeit eingebaut und aufgestellt werden.

Zum 1. Juli wird eine offizielle Wiedereröffnung angepeilt - rechtzeitig vor der Hauptsaison, in der die Muschel immer am besten besucht wird. Dann wird auch eine neue Preisstruktur greifen, von der sich die PTG zusätzliche Einnahmen erhofft. Eines soll aber blieben: Kinder bis zum sechsten Lebensjahr werden auch in Zukunft freien Eintritt haben.

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser