Regenwetter "verhagelt" Bilanz

Prien - Regenwetter im Frühjahr und Sommer hat der Priener Tourismus GmbH (PTG) die touristische Bilanz "verhagelt". Bis Ende Oktober kamen 4700 Gäste weniger als im Vorjahreszeitraum.

Die Zahl der Übernachtungen in der Marktgemeinde ging um 6,4 Prozent beziehungsweise knapp 22.000 auf 317.000 zurück.

In seiner letzten Tourismusausschusssitzung, bevor er Prien auf eigenen Wunsch verlässt, musste Ferdinand Reb diese schlechten Zahlen bekannt geben. "Wir sind ab April Ausfällen hinterhergelaufen, die wir nicht mehr aufholen konnten", fasste der Geschäftsführer der PTG zusammen.

Schon zur Jahresmitte hinkten die Zahlen nach viel Regen in den Oster- und Pfingstferien hinterher. Die Hoffnungen lagen dann auf dem Sommer, aber auch da machte das Wetter einen Strich durch die Rechnung.

In den Zahlen ist die "Parahotellerie" (Reb) mit eingerechnet, also mit Jugendherberge, Kliniken und Yachtschule Einrichtungen, deren Auslastung durch die PTG nicht beeinflussbar ist. Ohne sie liegt das Übernachtungsminus im Jahresvergleich sogar bei knapp 8,4 Prozent (2009: 210.500, 2010: 192.900).

"Enttäuschend" und "unerklärlich" nannten Reb und Bürgermeister Jürgen Seifert vor allem die "eklatanten Rückgänge bei den Hotels". Sie büßten im Jahresvergleich über acht Prozent (8400) Übernachtungen ein und verbuchten heuer in den ersten zehn Monaten nur mehr 95.000 von 37.600 Gästen. Die Campingplätze mussten Regenwetter-bedingt sogar ein Übernachtungsminus von gut 12.300 oder 12,4 Prozent verkraften.

Erfreulicher waren die finanziellen Zahlen, die Reb dem Gremium vorlegte. Mit einem Fehlbetrag von 2,12 Millionen Euro zum Stichtag 31. Oktober lag die PTG 3,8 Prozent oder 79000 Euro unter dem Betrag, der vor Jahresfrist vorausberechnet worden war, obwohl Reb zufolge auf der Ausgabenseite Instandhaltungskosten im Zuge der Revision im Prienavera mit 40.000 Euro mehr als im Plan zu Buche schlugen und auch die Energiekosten um 26.000 Euro über dem Ansatz lagen.

Dafür summierten sich die Erlöse auf knapp 2,7 Millionen Euro, fast 240.000 mehr als erhofft. Im Prienavera wurden mit knapp 1,1 Millionen rund 100.000 Euro mehr umgesetzt als kalkuliert. Das Ticketbüro erlöste knapp 412.000, 25.000 mehr als im Budgetplan. Einen großen Anteil am insgesamt positiven Ergebnis hatte das genannte Incoming-Geschäft, also der Bereich, in dem Provisionen für die Vermittlung von Unterkünften verbucht werden. Hier nahm die PTG in den ersten zehn Monaten 607.000 Euro ein - 100.000 mehr als vor Jahresbeginn kalkuliert.

Reb nutzte seine letzte Ausschusssitzung auch, um eine Zwischenbilanz des PTG-Marketingskonzepts vorzulegen. Dieses Strategie- und Maßnahmenpapier war 2007 aufgelegt worden mit einer Laufzeit von fünf Jahren, also bis Ende 2011. Von 76 darin festgelegten Zielen seien 56 erledigt, neun im Investitionsplan für 2011 fix verankert oder im Prozess der Verwirklichung. Elf Planziele sind demnach noch offen.

Dazu gehört ein öffentlich zugänglicher Erlebnisspielplatz im Bereich Prienavera und Strandbad. Seifert betonte dazu, dass die Öffnung des Strandbads aufgrund eines einstimmigen Beschlusses des Marktgemeinderates gewünscht sei und nach wie vor angestrebt werde. Anfang 2011 sollen die beauftragten Landschaftsarchitekten einen überarbeiteten Entwurf vorlegen, kündigte der Bürgermeister an.

Am Ende der Sitzung lobte Seifert den scheidenden PTG-Chef für dessen offenen Umgang, weil er "keine rosarote Schlussbilanz" vorgelegt, sondern auch das Negative aufgezeigt habe. Er schrieb Reb das Verdienst zu, innerhalb der PTG erfolgreich einen "Paradigmenwechsel" vollzogen zu haben. "Sie haben in hervorragender Weise in der PTG eine Stimmung geschaffen, die einen Aufbruch bedeutet." In sein Lob für die geleistete Arbeit schloss der Bürgermeister ausdrücklich auch die "Mannschaft" der PTG mit ein. Der Ausschuss schloss sich dem durch Applaus an. Offiziell soll Reb, der es sich trotz einer erneuten Operation wenige Tage zuvor und eines immer noch fast vollständig geschienten Beins nicht hatte nehmen lassen, an der Sitzung teilzunehmen, im Rahmen der gemeinsamen Weihnachtsfeier von Gemeinde und PTG im kleinen Kursaal verabschiedet werden.

Auf die Frage von Werner Waap (BfP) nach den drei wichtigsten Punkten, die er seinem Nachfolger Betram Vogel mit auf den Weg geben würde, antwortete Reb: "Genauso transparent mit allen umgehen; die Ressourcen, also das Können der Mitarbeiter immer optimal ausnutzen und sie das machen lassen, was sie am besten können; die Qualität der Arbeit bewahren" - auch mithilfe der sogenannten weichen Faktoren, also beispielsweise einer guten Stimmung innerhalb der PTG.

db/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © dpa

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