"Rathaus für zwei Millionen"

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Für ein neues Rathaus in Verbindung mit dem Haus des Gastes plädiert die Bürgerinitiative "Neues Rathaus zum halben Preis". Aufgegriffen und weiter entwickelt hat sie nach eigenen Angaben eine alte Planung der Gemeinde, die vor Jahren einmal Überlegungen angestellt hatte, ein Rathaus an dieser Stelle der Aschauer Straße zu bauen.

Bernau - "Neues Rathaus zum halben Preis": Diesen Namen hat sich eine Bürgerinitiative (BI) in Bernau gegeben.

In der Diskussion um die künftige Gemeindeverwaltung bricht sie eine Lanze für eine Alternative zur mehrheitlich vom Gemeinderat getragenen Planung: für ein Rathaus im Verbund mit dem Haus des Gastes. Ein Neubau dort an der Aschauer Straße sei für zwei Millionen Euro zu haben - und damit etwa zur Hälfte der Kosten, die für ein Projekt an der Chiemseestraße veranschlagt seien.

Die BI informierte am Donnerstagabend über 100 Besucher im Gasthof "Kampenwand" in Bernau. Auf dem Podium saßen Herbert Hartl, Max Herrmann, Wolfgang Schnaiter senior sowie die beiden Gemeinderäte Eduard Wierer (Überparteiliche Wählergemeinschaft) und Sepp Genghammer (Bündnis 90/Die Grünen). Die Moderation übernahm Dr. Rainer Pausch. Das Ziel der BI ist ein Bürgerentscheid über die Alternative Aschauer Straße - und zwar am gleichen Tag, da der Gemeinderat seine Planung Chiemseestraße zur Abstimmung vorlegt.

Hohe Wellen schlägt die Diskussion um den Standort des neuen Rathauses. Während die einen eine BI "Pro Chiemseestraße" gegründet haben und sich mit Nachdruck für einen Bau dort ausgesprochen haben (wir berichteten), rühren die anderen - die BI "Neues Rathaus zum halben Preis" - kräftig die Werbetrommel für die Verwirklichung des Vorhabens an der Aschauer Straße. Auf den ersten Informationsabend in Bernau lässt sie einen zweiten in Hittenkirchen am Montag, 26. September, um 20 Uhr im dortigen Landgasthof folgen.

"Wir fühlen uns dem Bürgerentscheid von 1996 verpflichtet", betonte Hartl. Und er gab sich zuversichtlich, dass die Bürger auch diesmal wieder ein neues Rathaus an der Chiemseestraße ablehnen werden. Mit ihrem Anliegen sei die BI "Neues Rathaus zum halben Preis" auf große Resonanz gestoßen.

Hart ins Gericht ging Hartl mit Bürgermeister und Gemeinderat. In der Diskussion über die möglichen Standorte habe es "keinen fairen Vergleich" gegeben. Insbesondere die Baukosten der verschiedenen Alternativen seien nicht richtig dargestellt worden. "Mit oberflächlichen Berechnungen lassen wir uns nicht abspeisen."

Die BI habe die Kosten für ein Rathaus an der Aschauer Straße von Architekten und Baufirmen ermitteln lassen. "Unsere Berechnungen sind mehrfach abgesichert." Das Ergebnis: Sie alle - Herrmann sprach nachfolgend, ohne ihre Namen zu nennen, von drei "Baumeistern" in Bernau und Übersee - hätten angegeben, dass ein neues Rathaus in Verbindung mit dem bereits bestehenden Haus des Gastes rund zwei Millionen Euro koste. Der Standort Aschauer Straße lasse sich, so Hartl, "um 1,5 oder 1,6 Millionen billiger realisieren" als ein Bau an der Chiemseestraße.

Er erinnerte daran, dass die Gemeinde im Rahmen des Kaufes des sogenannten Seilerhäusls im Jahre 1986 Überlegungen angestellt habe, ein neues Rathaus dort an der Aschauer Straße zu errichten. Diese Planung - von der im Rathaus nun keiner mehr Rede - habe die BI wieder aufgegriffen und weiterentwickelt. In einem Neubau könne man 700 Quadratmeter darstellen, in einem ebenfalls neu zu schaffenden Verbindungsbau 180. Zuzüglich 500 Quadratmeter im Haus des Gastes ergebe sich eine Gesamtnutzfläche von 1380 Quadratmetern - und damit ein Flächenangebot, das über dem für ein neues Rathaus ermittelten Flächenbedarf von 1250 Quadratmetern liege. Die rund 3000 Quadratmeter Grund, die der Gemeinde dort an der Aschauer Straße gehören, lassen laut Hartl ausreichend Platz, die erforderlichen Stellplätze sowie die wünschenswerten Grünflächen darzustellen.

"Wir wollen unser altes Dorfzentrum erhalten. Das war vor 15 Jahren so - und das ist auch heute noch so", forderte Herrmann den Bau eines Rathauses nicht "unten" an der Chiemsee-, sondern "oben" an der Aschauer Straße. Als Argument führte er außerdem auch und gerade den Baugrund ins Feld. Der Boden an der Chiemseestraße sei "miserabel". Schon vor 15 Jahren hätten Bohrungen ergeben, dass er bis in eine Tiefe von 46 Metern "schlecht" sei. An der Aschauer Straße sei der Boden hingegen viel besser.

Als "abscheulich" bezeichnete Herrmann das "Einschleusen" von drei Gemeinderäten in den Verkehrsverein. Offensichtlich wolle man jetzt den Verein auflösen - womit dann die rund 3000 Quadratmeter, die einst Theodor Sanne dem Verein zu einem günstigen Preis abgegeben habe, in den Besitz der Gemeinde falle und dann den Bau eines Rathauses im Bereich der Chiemseestraße ermögliche.

Wolfgang Schnaiter forderte, dass sich die Gemeinde durch ein "preisgünstiges Rathaus" den finanziellen Spielraum erarbeite, "einen attraktiven Kurpark" zu schaffen. Denn dort liege "einiges im Argen". Wünschenswert sei unter anderem ein "Kulturtreff" mit überdachtem Zuschauerraum.

pü/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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