"Rausgehen und nicht einigeln"

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Ortsvorsitzender Andreas Becker (rechts) ehrte Elke Garczyk und Volkmar Stöffl für jeweils 25 Jahre Treue zur CSU. In Abwesenheit wurden Johann und Anton Wallner, Erich Weise und Franz Bruckmaier für jeweils 50, Hans-Jürgen Schuster für 40 und Dr. Heidrun-Maria Schulte für 25 Jahre Mitgliedschaft ausgezeichnet.

Prien - Die Priener CSU befindet sich nicht auf einem Tauchlehrgang, wie "Bruder Barnabas" kürzlich beim Starkbierfest gemutmaßt hatte. Vorsitzender Andreas Becker bei der JHV: "Wir brauchen uns nicht zu verstecken."

Die Fraktion leiste im Marktgemeinderat "sehr gute, konstruktive und kritische Arbeit", befand Michael Anner bei der Jahreshauptversammlung des Ortsverbands. Auch Vorsitzender Andreas Becker war sich sicher: "Wir brauchen uns nicht zu verstecken."

Becker bilanzierte im "Bayerischen Hof" ein "schwieriges und turbulentes Jahr", machte dies aber vor allem an den Ergebnissen der Christsozialen bei der Europa- und der Bundestagswahl fest. Den Ortsverband sieht er nach den Spannungen, verbunden mit der Kommunalwahl 2008, inzwischen wieder auf einem guten Weg. "Über offene Gräben wurden von beiden Seiten die Hände gereicht. Zerwürfnisse sind aus meiner Sicht beseitigt."

Über eine Stunde lang spannte Becker den Bogen zwischen kommunaler, bayerischer und Bundespolitik. "Arbeit und Wohnen" sowie Tourismus sind für ihn zwei Schwerpunktthemen, die die CSU im Ort angehen sollte. Handlungsbedarf sieht der Vorsitzende unter anderem wegen des Missverhältnisses von hohen Mieten und vergleichsweise geringer Gehaltsstruktur in Prien sowie dem Mangel an "luxuriösen Wellness-Angeboten".

Der Ortsverband habe "seit Sommer 2009 eine extrem hohe Zahl von Austritten" registrieren müssen. Das machte Becker vor allem an einem "hohen Verärgerungspotenzial über führende Protagonisten" der Partei fest.

Derzeit zählt der Ortsverband rund 220 Mitglieder. Die Priener CSU müsse versuchen, vor allem junge Leute für Politik zu interessieren, rief er zur Mitgliederwerbung auf. "Wir müssen rausgehen und dürfen uns nicht einigeln." Abschließend kündigte er an, schon bald eine Liste für die nächste Kommunalwahl aufstellen zu wollen. "Wir brauchen auch einen Bürgermeisterkandidaten."

Zuvor hatte Michael Anner die Arbeit der zehnköpfigen Fraktion aus seiner Sicht ins rechte Licht gerückt. "Die Themen, bei denen wir uns einbringen, sind oft im nichtöffentlichen Teil. Da machen wir einen guten Job", trat er Mutmaßungen entgegen, die CSU mache sich im Marktgemeinderat zu wenig bemerkbar. "Showveranstaltungen sind nicht unsere Art, wenn etwas im Vorfeld schon ausdiskutiert wurde. Wir wollen nicht in Opposition gehen, sondern konstruktiv mitarbeiten."

Anner berichtete in Kurzform über den Sachstand bei einigen bedeutenden Themen wie Wassergebühren, Leitbild und Prienavera-Sanierung. Er kündigte an, künftig öfter nachzuhaken. "Bei Sachen, die der Bürgermeister anschiebt, geht es manchmal zu schnell." Dagegen müsse bei CSU-eigenen Themen wie der Umgehung Prutdorf oft nachgefragt werden. "Wenn der Kreisel fertig ist, muss man die weitere Führung und den Zustand der Straße unbedingt angehen."

Schatzmeisterin Angelika Kunert konnte von einem deutlichen Plus in der Kasse im Jahresverlauf berichten und Elke Garczyk von den Aktivitäten des 2009 gegründeten Ortsverbands der Senioren-Union (SU). Dessen Mitglieder hätten unter anderem die verwilderten Stelen des Kreuzwegs herausgeputzt. Die Orts-, Kreis- und Bezirksvorsitzende der SU hatte ein Extra-Lob für Klaus Stöttner parat. "Seit Jahrzehnten hat sich kein Landtagsabgeordneter so für Prien eingesetzt", verwies sie unter anderem auf die 700.000 Euro, die Stöttner als Zuschuss zum Kreiselbau in München für Prien gesichert hatte. Über Stöttners Ausführungen zu den kommunalpolitischen Herausforderungen berichten wir noch.

Noch jünger als der Ortsverband der Senioren- ist der wiedergegründete der Jungen Union (JU). Dessen Vorsitzender Markus Kalal hatte noch einen Wunsch an die Marktgemeinderäte der CSU. Sie sollten etwas mehr Schärfe gegen den Bürgermeister an den Tag legen.

db/Chiemgau-Zeitung

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