"Verständlich und gerechtfertigt"

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Papst Benedikt XVI.

Prien - Mit seiner Ankündigung, Ende des Monats zurückzutreten, hat Papst Benedikt XVI. auch in Prien und Umgebung für eine große Überraschung gesorgt. Die Reaktionen der Geistlichen:

Gestern, einen Tag nachdem der Oberhirte der katholischen Kirche seine Entscheidung der Weltöffentlichkeit mitgeteilt hatte, beherrschte sie nach wie vor die Gespräche. Der Tenor über die Konfessionsgrenzen hinweg: Der angekündigte Rücktritt verdient höchsten Respekt.

"Der Schritt ist verständlich und gerechtfertigt", sagt Bruno Fink, der katholische Pfarrer, mit Blick auf die Entscheidung des gesundheitlich angeschlagenen 85-jährigen Papstes. Der Entschluss, freiwillig zurückzutreten, sei ein "Weltereignis".

Dossier:

Der Monsignore kennt den Papst gut: Fink war von Oktober 1978 bis Dezember 1983 Sekretär des damaligen Kardinals. Und damit stand er auch an seiner Seite, als Kardinal Joseph Ratzinger nach Rom ging und im März 1982 das Amt des Präfekten der Glaubenskongregation antrat. Im Rücktritt des Papstes habe sich der "Denker Joseph Ratzinger" offenbart, so Fink. Er las den lateinischen Text der Rücktrittserklärung von Benedikt XVI. - und der Pfarrer in Prien war sich sogleich sicher, dass der Text aus der Feder des Papstes stammt. "In seinem Rücktritt kommt seine Souveränität zum Ausdruck", sagt Fink über seinen ehemaligen Dienstherren.

In den vergangenen Jahren hatte Fink, wie er in einem Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung weiter erzählte, vereinzelt Kontakt zum Papst. Der Monsignore schrieb dem Oberhaupt der katholischen Kirche zum Beispiel zu Weihnachten und gratulierte ihm zum Geburtstag. Immer wieder einmal habe er dann auch eine Antwort aus dem Vatikan erhalten, einmal habe der Papst in Prien angerufen. Unmittelbar und persönlich erhielt Fink Einblick in die große Bürde, die dem Papst auferlegt ist. Und so habe ihm Benedikt XVI. dann auch einmal im Jahre 2011 unter Hinweis auf seine beeinträchtigte Gesundheit geschrieben, dass ihn die Erfüllung seiner Aufgaben "zunehmend schwerer fällt".

Die letzten Jahre seien für den Papst, so Fink weiter, eine "große Belastung" gewesen. Schon unmittelbar nach seiner Wahl habe Benedikt XVI. kein Hehl daraus gemacht, dass das Pontifikat als unglaublich schwerer Dienst "wie ein Schwert auf ihn gefallen" sei. Einmal habe er in einem Interview grundsätzlich zu verstehen gegeben, dass ein Papst, wenn er körperlich und geistig nicht mehr in der Lage sei, sein Amt auszuführen, verpflichtet sei zurückzutreten. Der Papst habe einen Rücktritt im Grunde genommen vorbereitet - auch wenn dessen Erklärung dann im Moment "absolut überraschend" gewesen sei.

Auch im Konvent auf der Fraueninsel ist die Überraschung groß. Äbtissin Johanna Mayer hat "größten Respekt" vor der Entscheidung, die der Papst getroffen hat. In diesem Alter dürfe der Pontifex die Last und die Bürde des Amtes auf jeden Fall in jüngere Hände legen.

Der Rücktritt von Benedikt XVI. sei für die katholische Kirche "ein bedeutendes Ereignis". Ohne seine Leistungen schmälern zu wollen, gab die Äbtissin ihrer Hoffnung Ausdruck, dass sich nun "etwas bewegt". Benedikt XVI. stehe, was seine Auffassungen betreffe, "noch in der alten Tradition", er sei ein "ausgezeichneter Theologe". Um die drängenden Probleme in der weltumspannenden Kirche lösen zu können, sei nun "frischer Wind" wünschenswert - eine Stimmung, wie sie vergleichsweise vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil geherrscht habe.

Joseph Ratzinger, damals Erzbischof von München-Freising und Kardinal, hatte 1980 die Fraueninsel besucht und Domitilla Veith, die Vorgängerin von Johanna Mayer, ins Amt der Äbtissin eingeführt. Später war er noch einmal zu Gast und feierte zusammen mit dem Konvent das Irmengardfest. Die heutige Äbtissin wünscht dem aus dem Amt scheidenden Papst "noch ein paar gute Jahre in seinem Sinne". Und sie geht davon aus, dass sich der Theologe, der Doktor und Professor, der in ihm steckt, insbesondere wieder der Forschung und Lehre widmen wird.

Auch Karl-Friedrich Wackerbarth, evangelischer Pfarrer in Prien, zollt dem Papst für dessen Entscheidung "allertiefsten Respekt". Wackerbarth weiter: "Es gehört viel Größe dazu, sich aus diesem Amt zurückzuziehen, wenn man die nötigen Kräfte nicht mehr hat." Der evangelische Pfarrer wünscht dem katholischen Oberhirten für die Zukunft ein "einigermaßen normales Leben" - vor allem auch, dass er wieder mehr Zeit hat für sich und alle Menschen, die ihm nahestehen.

Für die katholische Kirche wünscht sich Wackerbarth, wie er weiter sagt, dass sie sich nach dem Pontifikat von Benedikt XVI. "wieder ein bisschen mehr öffnet" und dass sie sich "reformfreudiger" zeigt. Viele hätten sich von der Kirche abgewandt - was sie aber nicht verdient habe.

pü/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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