Im August kam das Bekämpfungsmittel BTI wieder zum Einsatz

Mückenpopulation am Chiemsee: Wie schlimm war die Lage heuer wirklich?

Mücke am Chiemsee
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Das Ufer des Chiemsees in Seebruck. Wie sah die Mückenpopulation im Sommer 2020 rund um das „Bayerische Meer“ aus?

Rimsting - Nicht nur für die Urlauber sind die kleinen surrenden Plagegeister unangenehm, auch Einheimische leiden unter Stechmücken. Gerade in den Sommermonaten wird der Chiemsee häufig von Mückenschwärmen belagert. Wie stellte sich die Situation heuer dar?

„Durch die Ausbringung des natürlichen Präparats BTI am 10. August konnte eine Mückenplage am Chiemsee verhindert werden“, stellt Thomas Weimann vom Abwasser- und Umweltverband Chiemsee (AUV) fest. Der Einsatz des kristallinen Eiweiß des Bakteriums sei auf den Überschwemmungsflächen rund um den Chiemsee und den Chiemsee-Inseln erfolgt, erklärt er auf Nachfrage von rosenheim24.de.


Kein Spritzen von BTI auf den Flächen Seeon-Seebrucks

Ausgenommen waren in diesem Jahr lediglich die Flächen der Gemeinde Seeon-Seebruck. Die Chiemsee-Gemeinde trat 2019 aus der Kooperation zur gemeinsamen Stechmückenbekämpfung am „Bayerischen Meer“ aus. Dem voran ging eine kontroverse Debatte um Pro wie den Erhalt der Stechmücke als Lebewesen und Teil der Nahrungskette und Contra wie mögliche negative Auswirkungen auf den Tourismus. Ein Ausstieg einer Mitgliedsgemeinde aus der Stechmückenbekämpfung sei jederzeit möglich, wie Weimann vom AUV mit Sitz in Rimsting bestätigt. Seit der Entscheidung Seeon-Seebrucks wird BTI dort nicht mehr ausgebracht, weswegen in diesem Sommer teilweise Stimmen in Bezug auf eine Mückenplage laut wurden.


Seeon-Seebrucks Bürgermeister Martin Bartlweber will jedoch nicht von einer Plage sprechen und beruft sich darauf, dass die Mückenpopulation immer subjektiv zu betrachten sei: „Die einen sagen, 2019 war es schlimmer, andere verfluchen den diesjährigen Sommer mit besonders vielen Stechmücken. Seeon-Seebruck mutiert dadurch aber keineswegs zu einem Mückentempel“, unterstrich Bartlweber jüngst im Gespräch mit chiemgau24.de.

Mückenpopulation am Chiemsee: Verbreitung stark vom Wind abhängig

„Ob in Seeon-Seebruck eine Mückenplage herrschte ist mir nicht bekannt. Beschwerden sind bei der Gemeindeverwaltung eingegangen und nicht beim AUV“, weiß Weimann. „Ein Informationsaustausch zwischen den Gemeindeverwaltungen und dem AUV Chiemsee fand nicht statt, insofern ist nicht bekannt, ob eine Plage in einzelnen Gemeinden vorlag. Fakt ist, dass durch den BTI-Einsatz die Vermehrung der Überschwemmungsmücke stark eingeschränkt wurde.“

Nach Auskunft von Biologen verteilen sich die Stechmücken in einem Bereich von zehn Kilometern. Dies sei Weimann zufolge allerdings sehr vom Wind abhängig: „Sicherlich sind Mücken aus dem Gemeindegebiet Seeon-Seebruck in die Nachbargemeinden eingewandert. Zahlen liegen jedoch nicht vor.“

Tritt der Chiemsee nach langen intensiven Regenfällen über die Ufer, bieten die überschwemmten Flächen in der warmen Jahreszeit ideale Brutstätten für Stechmücken. Erstmals im Jahr 1997 wurde zur Bekämpfung der Insekten das biologische Mittel BTI (Bacillus thuringiensis israelensis) vom Hubschrauber aus in Überschwemmungsgebiete rund um den See verteilt.

mb

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