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Vollgas für ein dreckiges Hobby

Rimstinger Jugendliche planen bei Umbau von Dirt-Bike-Anlage mit

Man wird ganz schön schmutzig dabei und landet auch mal in der Notaufnahme: Trotzdem gibt es für Rio Wolf (13) und seine Freunde nichts Schöneres, als die Nachmittage auf dem Dirk-Bike zu verbringen. Die Anlage dafür hat aber schon bessere Zeiten gesehen, daher soll sie jetzt umgestaltet werden.

Rimsting – Der 13-jährige Rio Wolf und seine Freunde vom Dirt-Park in Rimsting biken für ihr Leben gern. Ihre Nachmittage drehen sich um „Tables“ und „Doubles“, also spezielle Sprünge mit dem Dirt-Bike und um andere Fahr-Tricks auf dem Gelände an der Seestraße. Und natürlich um die speziellen Räder, komprimiert auf 26 Zoll, ohne Gangschaltung. Die Jugendlichen zwischen elf und 19 Jahren sind schon die zweite Generation Dirt-Biker, welche die Anlage fleißig nutzen. Jetzt ist sie in die Jahre gekommen und bedarf einer Generalüberholung.

„Die Anlage lebt, bedingt durch ihre Erd-Konstruktion, von Veränderung“, schreibt Rio Wolf als Sprecher der Jugendlichen, zu denen auch Benedikt Langzauner aus Bad Endorf und Marko Polanovic aus Rimsting gehören, in einer Anfrage an die Gemeinde. Darin bitten sie die Verwaltung, sie zu unterstützen.

Auch die Jüngsten nutzen die Anlage

Schließlich ist das Ziel der Dirt-Biker: immer höher und weiter, und dazu müssten Abfahrten, Schanzen und Routen angepasst werden. Damit weckten sie das Interesse der Gemeinderäte, die sich in ihrer jüngsten Sitzung mit der Anfrage befassten. Gerne ließ sich auch Bürgermeister Andreas Fenzl (CSU) davon überzeugen, dass selbst ganz junge Gemeindebürger aufs Bike steigen: „Manche sind erst fünf oder sechs und kommen mit ihren Eltern zur Anlage“, schildert Rio, daher setze man sich für den Bau einer „Kiddy-Line“ ein, also Fahrbahnen nur für die Kleineren.

Detailliert schildern die Jugendlichen aus Rimsting und Umgebung in ihrem Antrag, wie sie sich die Umgestaltung des Dirt-Parks vorstellen und wer ihnen dabei hilft: Der internationale Red Bull Bike-Athlet Guido Tschugg aus Pittenhart, der in Obing ein Mountainbike-Paradies erschaffen hat und „Pate“ von so manchen Pump-Tracks und Dirt-Parks in Deutschland ist. Außerdem Felix Dieckerhoff und Julian Brüder aus Neubeuern, Erbauer und Betreiber des dortigen Dirt-Parks.

Was die Rimstinger Biker nun hauptsächlich brauchen: rund 700 Kubikmeter Erde und einen Bagger. Bürgermeister Fenzl schätzt die Kosten für alle Maßnahmen auf rund 11.000 Euro. „Ich kann mir gut vorstellen, aus den Planungsideen ein LEADER-Projekt zu gestalten“, sagte er. Jugendbeauftragter Thomas Schuster (CSU) sagte ebenso seine volle Unterstützung zu. Brigitte Feichtner (ÜWG) und Mary Fischer (FW) gratulierten den jungen Antragstellern zu ihrem gelungenen Konzept. Einstimmig sprachen sich die Räte für die Neugestaltung des Parks aus und versprachen, die Jugendlichen mit der Umsetzung höchstens bis zum Jahresende warten zu lassen.

Der Helm muss mit

Bis dahin müssen die Jungs ausreizen, was sie zur Verfügung haben. Hin und wieder fahren sie auch nach Prien, wo sie den Pump-Track auf dem Freigelände der Franziska-Hager-Mittelschule nutzen. „Der Vorteil des Rimstinger Dirt-Parks ist aber, dass er gleich um die Ecke ist“, sagt Rios Mutter Dani Wolf der Chiemgau-Zeitung.

Sei ihr Sohn nicht zu Hause, wisse sie genau, wo er stecke. „Dirt-Biken ist vereinsunabhängig, was gerade während der Pandemie gut war, und das alles an der frischen Luft.“ Ein Pluspunkt in den Augen vieler Mütter – aber was ist mit der Verletzungsgefahr? Dani Wolf sagt, das sehe sie mittlerweile etwas gelassener als früher: „Zumindest zum Dirt-Biken wird ohne Meckern der Helm aufgezogen.“ In der Notaufnahme war sie allerdings schon öfter mit dem Sohnemann – Prellungen, Schürfungen, so was. „Zum Glück ging es immer glimpflich aus.“

Rückwärtssalto in der Luft

Rio indes ist mit seinen Gedanken schon bei den nächsten, waghalsigen Sprüngen, die er können will: „Zum Beispiel einen Rückwärtssalto in der Luft“. Er hat sich für zwei Sommer-Wettbewerbe in Österreich angemeldet und hofft, dass sie stattfinden werden. Vor fünf Jahren saß er zum ersten Mal auf einem Dirt-Bike, das erste eigene hat er sich selbst gekauft – für 800 Euro. Inzwischen hat er drei verschiedene Räder, die Eltern unterstützen ihn.

Fragt man ihn, was ihm an diesem Hobby, von dem man auch noch verdreckt heimkommt, so gefällt, schwärmt der Siebtklässler von der Schwerelosigkeit beim Springen, dem Adrenalinkick. „Es wird nie langweilig, jeder Sprung ist anders“, und deswegen wird er weiter üben, „am liebsten jeden Nachmittag bis abends“.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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