Der Ring ist noch nicht geschmiedet

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Der Chiemsee, seine Inseln und die nahen Berge sind das touristische Kapital der Region.

Chiemsee - Die touristischen Kräfte müssen gebündelt und der angefangene Ausbau des Chiemsee-Rundwegs bis zum gesetzten Ziel unbedingt realisiert werden.

Das waren die beiden Kernbotschaften von Regierungspräsident Christoph Hillenbrand bei der Chiemseekonferenz in Grabenstätt. Knapp 200 Gäste aus Politik, Tourismus und Wirtschaft, von Verbänden und Institutionen drängten sich im Saal des "Grabenstätter Hofs". Wie kurz darauf Hillenbrand, forderte eingangs auch Dr. Martin Grambow, "Kräfte zu bündeln und Kirchturmpolitik zu überwinden". Der Ministerialdirigent war kurzfristig für den erkrankten bayerischen Umweltminister Markus Söder eingesprungen. Der Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft im Umweltministerium kennt das Bayerische Meer ("Da hat der liebe Gott wirklich einen guten Tag gehabt, als er diese Region erschuf") bestens, denn er lebt in Prien.

"Die Region Chiemsee ist in Sachen Klimaschutz gut aufgestellt", attestierte Grambow dem Abwasser- und Umweltverband (AUV) gute Arbeit. Der AUV, der die Chiemseekonferenz im zweijährigen Turnus veranstaltet, feierte in Grabenstätt auch den zehnten Geburtstag seiner Umbenennung. 2000 hatte sich der damalige Abwasserzweckverband der zehn Anliegergemeinden offiziell zusätzlich dem Umweltbereich verschrieben.

Eine intakte Umwelt sei Grundvoraussetzung für alles andere. Die "Ressourcen Wasser und Biodiversität" (Artenvielfalt) seien Garanten für ein intaktes Ökosystem als "Versicherung für die Erde".

Der Ministerialdirigent stellte sich hinter die Neuregelung der Stechmückenbekämpfung. Sie war heuer kurz vor einer drohenden Mückenplage erstmals auf zusätzliche Ufergebiete ausgedehnt worden und soll auch in naher Zukunft, falls erforderlich zweimal jährlich, in diesem Umfang durchgeführt werden dürfen (wir berichteten). "Wir haben eine Lösung gefunden, die versucht, alle Belange unter einen Hut zu bringen. Ich glaube, einen gewissen Eingriff, der Extremzustände verhindert, kann man vertreten." Verbandsvorsitzender Josef Mayer bestätigte für seine Bürgermeisterkollegen: "Mit der Lösung sind wir sehr zufrieden." Profitiert haben von der Ausweitung vor allem Übersee und Grabenstätt, die Anliegergemeinden des Deltas der Tiroler Ache.

Lobende Worte für die Erfolge des Verbands im Umweltbereich fand der Regierungspräsident. "Sie sind vielen Regionen weit voraus." Projekte wie die Beobachtungsstationen rund um den See seien "vorbildlich".

"Vorbild für ganz Oberbayern"

Auch der Chiemsee-Rundweg könne nach dem Ausbau ein "Vorbild für ganz Oberbayern" werden, spornte Hillenbrand die Verantwortlichen an, sich von Verzögerungen oder gar Rückschlägen bei Verhandlungen zum Erwerb von Grundstücken für neue Trassen nicht entmutigen zu lassen. "Der Ring ist noch nicht geschmiedet, das bisher Erreichte muss vollendet werden."

Wie wiederholt berichtet, konnten im ersten Jahr seit dem Spatenstich des Neun-Millionen-Euro-Projekts acht von 43 geplanten Einzelmaßnahmen in den sieben beteiligten Gemeinden realisiert werden. Bei einer Gesamtumsetzung bis 2014 sind 4,3 Millionen Euro Fördergelder zugesagt.

Hillenbrand nutzte die Konferenz auch zu einem eindringlichen Appell, touristische Kräfte zu bündeln. Er forderte, sich mehr an den heutigen Bedürfnissen der Urlauber zu orientieren. "Für den Gast sind Verwaltungsgrenzen völlig egal. Ich habe manchmal den Eindruck, das muss noch stärker umgesetzt werden."

Die Gründung des Chiemsee-Alpenland-Tourismusverbands (CAT) als Zusammenschluss aller Kommunen in Stadt und Landkreis Rosenheim am Jahresanfang "ist einer der Schritte, die ich mir schon lange vorstellen konnte", spielte Hillenbrand auch auf die vieldiskutierte Fusion der Verbände der Landkreise Rosenheim und Traunstein an. "Ressourcen und Geld müssen gebündelt werden. Das erfordert auch den Abschied von Gewohntem", schloss der Regierungspräsident.

Rosenheims Landrat Josef Neiderhell erneuerte in seinem Grußwort den Willen zum Zusammenschluss. "Ob wir das in ein, eineinhalb oder zwei Jahren schaffen, weiß man nicht." Erklärtes politisches Ziel ist die Fusion im Jahr 2012. "Wir werden den Weg gemeinsam gehen", bekräftigte auch Neiderhells Traunsteiner Kollege Hermann Steinmaßl.

Über weitere Themen der Chiemseekonferenz berichten wir noch gesondert.

db/Chiemgau-Zeitung

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